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Google-Chef auf IT-GipfelDer freundliche Herr Pichai

Seltene Eintracht: Google-Chef Sundar Pichai wird auf dem IT-Gipfel hofiert wie ein Ehrengast – trotz aller Kritik an seinem Unternehmen. Der Manager nutzt seinen Besuch für Diplomatie. Leuchtende Herzen inklusive.Christof Kerkmann 17.11.2016 - 13:31 Uhr Artikel anhören

Im Gespräch auf dem IT-Gipfel (v.l.n.r): Telekom-Chef Timotheus Höttges, Google-Lenker Sundar Pichai und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

Foto: dpa

Als das Herz aufleuchtet, müssen die beiden lachen. Wahrscheinlich wissen auch Sundar Pichai und Timotheus Höttges, dass sie ein kurioses Bild liefern: Da stehen die Chefs von Google und Deutscher Telekom auf einer kleinen Bühne und probieren Platinen aus, mit denen Schüler programmieren lernen können. Als sie die Geräte aneinanderhalten, blinken die roten Lämpchen, so als wären die Manager beste Freunde. Währenddessen quetscht sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel durch die umstehenden Fotografen. „It’s a great honour…“, sagt der Politiker mit ausgestreckter Hand, der Rest geht im Klicken der Kameras unter.

Wer die Nachrichten verfolgt, der kann erstaunt sein, wie herzlich der Google-Chef am heutigen Donnerstag auf dem IT-Gipfel empfangen wird. Sein Unternehmen steht hierzulande regelmäßig in der Kritik. Telekom-Chef Höttges warnte bereits mehrfach vor der großen Macht des Internetriesen, Wirtschaftsminister Gabriel erwog einmal gar dessen Zerschlagung. Und in Brüssel sind mehrere Kartellverfahren gegen Mutterkonzern Alphabet anhängig. Trotzdem behandeln alle Pichai wie einen Ehrengast. Die diplomatische Mission zeigt Wirkung.

Der Inder, seit gut einem Jahr CEO von Google, ist auf einer mehrtägigen Deutschlandreise. Er spricht mit Politikern und Forschern. Und er demonstriert öffentliche Unterstützung für Projekte, von denen Schulen und Medienhäuser profitieren sollen. Der IT-Gipfel ist dafür die beste Bühne – und weil sich jeder gerne mit dem Google-Chef sehen lässt, haben die Planer im Bundeswirtschaftsministerium das Programm extra etwas umgebaut.

Am Dienstag stellte Google in San Francisco zunächst mit Pixel ein Oberklasse-Smartphone vor. Das Design lehnt sich an die großen Flaggschiffe von Apple und Samsung an. Zwei Modelle legt Google vor: mit 5- und 5,5-Zoll-Bildschirm.

Foto: AP

Pixel ist dabei auf das obere Marktsegment ausgerichtet, in dem sich gegenwärtig Apple und Samsung ein erbittertes Duell liefern. Exklusiv-Partner in den USA ist Verizon, in Deutschland die Telekom.

Foto: AP

Beim hauseigenen Smartphone „Pixel“ soll der Google Assistant nur einen Klick oder einen Sprachbefehl entfernt sein - ähnlich wie Siri auf Apples iPhones. Google stattete den Assistenten aber mit seinem Wissen über die Welt aus. Ein Konkurrenzkampf künstlicher Intelligenzen scheint damit programmiert.

Foto: AP

Zusätzlich verspricht Google, die Kamera in dem Telefon sei „die beste, die je in einem Smartphone verbaut wurde“. Unter anderem könne sie besonders viel Licht einfangen und die Stabilisierung gegen das Rütteln arbeite besonders präzise. Hält man den Auslöser gedrückt, nimmt die Kamera eine Bildserie auf - und die Software sucht selbst die besten Bilder raus.

Foto: dpa

„Pixel“-Käufer bekommen auch uneingeschränkten Speicherplatz für ihre Fotos - und sogar Videos in 4K-Auflösung - auf Googles Servern. Mit 15 Minuten Ladezeit könne das „Pixel“ sieben Stunden laufen, hieß es.

Foto: dpa

Das Google-Smartphone Pixel wird es in drei Farben geben: schwarz, blau und silber. Gebrandet ist das Handy nur auf der Rückseite mit einem großen G - wie Google.

Foto: AP

Darüber hinaus präsentierte Googles Produktmanagerin Sabrina Ellis direkt mögliche Hardcase-Verzierungen für das Google Pixel. Bunt, vielseitig, individuell - so die Google-Botschaft.

Foto: AP

Deutschland ist unter den Ländern, in denen das Telefon sofort vorbestellbar ist. Es ist ab 759 Euro im Google Store erhältlich, außerdem arbeitet der Konzern exklusiv mit der Deutschen Telekom zusammen. In den USA startet der Preis ab 649 Dollar.

Foto: Reuters

Mit der Virtual-Reality-Brille Daydream View zieht Google nun gegen den Oculus Rift ins Feld, das von einer Facebook-Tochter produziert wird.

Foto: AP

In die Brille kann das „Pixel“-Smartphone eingeschoben werden. Die Oberfläche der Brille besteht auf Mikrofaser-Stoff statt Plastik wie bei der Konkurrenz. Das solle sie angenehmer in der Handhabung und rund ein Drittel leichter als vergleichbare Geräte machen.

Foto: Reuters

Google tritt zudem mit einem Kampfpreis gegen Konkurrenz-Angebote wie Samsungs Brille Gear VR an: Die Daydream View soll zusammen mit einem Controller voller Sensoren in den USA 79 Dollar kosten.

Foto: Reuters

Wir bauen Geräte mit dem Google-Assistenten als Herzstück“, erklärte Hardware-Chef Rick Osterloh bei der Gerätepräsentation in San Francisco. Dazu gehört auch der Lautsprecher „Home“, der auf Sprachbefehl Aufgaben ausführen, Fragen beantworten und das vernetzte Zuhause steuern kann.

Foto: Reuters

Durch die Integration des Assistenten kann der Lautsprecher auf alles zurückgreifen, was Google weiß. Also zum Beispiel wie gerade der Verkehr ist, oder wie man ein Bier auf Spanisch bestellt. Amazon ist seit zwei Jahren mit einem ähnlichen Gerät namens „Echo“ auf dem Markt, das demnächst auch in Deutschland verfügbar sein wird.

Foto: Reuters

Mit der Funktion „Mein Tag“ kann der Lautsprecher einem am Morgen den Tagesablauf erzählen. Voraussetzung ist natürlich, dass man den gesamten Inhalt seines Kalenders bei Google hat. Und hier wird deutlich - jeder Assistent ist nur so nützlich, wie gut er den Menschen kennt. „Die Anbieter werden versuchen, so viele Daten wie möglich über die Nutzer zu erfahren“, betont Gartner-Analyst Atwal. Das Vertrauen zu einem Anbieter beim Datenschutz werde eine zentrale Rolle spielen. Schließlich müssten sich die Menschen an den Gedanken gewöhnen, dass um sie herum ständig Mikrofone lauschten.

Foto: AP

Für 129 US-Dollar soll der Lautsprecher zunächst in den USA zu bekommen sein. Damit liegt Google Home auf einem Niveau mit Amazons Konkurrenzprodukt Echo. Ab Anfang November soll der Lautsprecher erhältlich sein. Vorbestellungen von US-Kunden sind ab sofort möglich. Im Prei inbegriffen: Ein Probe-Abo für YouTube Red für sechs Monate.

Foto: Reuters

Pichai ist ein höflicher Gast. Am Morgen bekommt er vorgeführt, wie das Erlebnisbergwerk Velsen, das außerhalb des Saarlands vermutlich nur wenige Menschen kennen, dank Google-Technologie digital begangen werden kann. Auf dem Tisch liegen Virtual-Reality-Brillen aus Pappe für die virtuelle Bergfahrt. Der Manager hört sich die Erklärungen lächelnd an, ebenso den Dank, den die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ihm über eine Dolmetscherin übermitteln lässt.

Auch bei der Vorführung des Lernroboters Roberta: Lächeln. Einige Schüler haben die Fahrzeuge so programmiert, dass sie einander ausweichen, wenn sie auf Kollisionskurs sind. Das kleine Experiment gelingt. Über seinen philantropischen Arm Google.org unterstützt das Unternehmen das Fraunhofer-Institut dabei, die Geräte in den Schulen zu verteilen – das Beweisfoto mit Pichai, einigen Kindern und einem Google-Logo aus Bauklötzen steht bald darauf im Firmenblog

Auch bei der Diskussion im großen Saal zeigt sich Pichai als Diplomat. Für die vielen Politiker im Publikum hat er sich – passend zum schmal geschnittenen anthrazitfarbenen Anzug – extra eine weinrote Krawatte umgebunden. Und er sendet Botschaften aus, die vielen schmeicheln. So lobt er, dass der IT-Gipfel sich der Bildung widmet: Es sei „unglaublich“, dass in Deutschland für so ein wichtiges Thema Politik und Wirtschaft zusammenfänden. Und: Als er in Indien aufgewachsen sei, habe er „deutsche Ingenieurskunst und Präzision bewundert“.

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Milde Kritik verpackt er mit einem Angebot. Damit Deutschland sich auf die digitale Revolution vorbereiten könne, sei Bildung wichtig. „Es kommt hierzulande offenbar immer noch vor, dass Schüler von der Schule gehen, ohne eine einzige Schulstunde zu IT-Themen erlebt zu haben.“ Daher unterstützt Google nicht nur die Roboterprojekte, sondern richtet 2017 auch Trainingszentren ein, in denen Privatnutzer und Unternehmen kostenlose Kurse belegen können.

Die diplomatische Mission geht in den nächsten Tagen weiter. Nach dem IT-Gipfel fliegt Pichai zu einem Treffen der Digital News Initiative in Berlin, die Google mit seinem Innovationsfonds für Medien in Höhe von 150 Millionen Euro finanziert. Und dann geht’s weiter nach Brüssel, zur EU-Kommission. Auch hier ist Diplomatie gefragt, mehrere Kartellverfahren gegen Google nähern sich einem Abschluss. Auf leuchtende Herzen darf Pichai dort allerdings nicht hoffen.

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