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Familienkonzern HanielRentokil gekauft – was jetzt?

Der Familienkonzern Haniel hat sein Ergebnis deutlich gesteigert – und verfügt auch nach dem Kauf der Berufsbekleidungssparte von Rentokil Initial noch immer über eine Milliarde Euro für Zukäufe. Doch wohin mit dem Geld?Anja Müller 10.04.2017 - 15:10 Uhr aktualisiert Artikel anhören

„Auch Unternehmen, die 100 Millionen Euro umsetzen oder weniger, sind möglich.“

Foto: picture alliance /

Düsseldorf. „Wir haben noch einige Plätze in unserem Portfolio zu vergeben“, sagte Vorstandschef Stephan Gemkow am Montag bei der Bilanzpressekonferenz des Familienkonzerns Haniel in Duisburg. Es geben immer wieder Gespräche, doch die Anforderungen an mögliche Übernahmezielen – Nachhaltigkeit, Langfristigkeit und Diversifikation – seien nicht verhandelbar. Dabei schaue Haniel sowohl nach reifen Geschäftsmodellen als auch nach jüngeren Unternehmen und sei nicht auf Branchen festgelegt.

Für Übernahmen steht dem Haniel-Chef mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung. Doch Gemkow weist es nach wie vor von sich, dass von ihm aus den Aufsichtsrat größere Übernahmen erwartet würden. Im Gegenteil, sagte er dem Handelsblatt: „Auch Unternehmen, mit einem Wert von 100 Millionen Euro oder weniger, sind möglich.“ Es gehe vor allem darum, das Portfolio weiter zu diversifizieren.

Ende vergangenen Jahres hatte Haniel die Übernahme eines großen Teils des europäischen Geschäfts mit Berufskleidung, Reinraum- und Hygieneservice vom Konzern Rentokil Initial bekannt gegeben. Das neue Geschäft soll in ein Joint Venture mit der Haniel-Tochter CWS-Boco eingebracht werden. Der Haniel-Vorstandschef erwartet, dass die Übernahme im Sommer 2017 gelingt und es keine kartellrechtlichen Bedenken gibt.

Es handelt sich dabei um einen komplexes Geschäft. Haniel zahlt an Rentokil 520 Millionen Euro in bar. Darüber hinaus erhalten die Briten 18 Prozent an dem Joint Venture. Außerdem soll fünf Jahre lang eine jährliche Dividende von 19 Millionen Euro an Rentokil fließen.

Streit in Familienunternehmen

Die Krux mit der Nachfolge

Zurzeit hat Haniel neben seiner milliardenschweren Finanzbeteiligung am Handelsriesen Metro noch vier weitere Geschäftsbereiche. Diese reichen vom Rohstoffhändler ELG über den Hygienespezialisten CWS-Boco, den Büromaterialversender Takkt bis zum Hersteller von Matratzenbezugsstoffen Bekaert Deslee, den Haniel 2015 erwarb.

An Metro ist Haniel mit etwa 25 Prozent beteiligt. Für die geplante Aufspaltung der Metro in einen Lebensmittelspezialisten (Metro-Großmärkte und Real) und einen Elektronikhändler unter dem neuen Namen Ceconomy (Media Markt und Saturn) zeigte sich das Haniel-Management trotz mehrerer Aktionärsklagen optimistisch. „Das kocht alles im richtigen Topf“, sagte Finanzchef Florian Funck. Er sei „sehr positiv“, dass die Freigabe zur Jahresmitte komme.

Haniel hatte das Nachsteuerergebnis 2016 um ein Fünftel auf 144 Millionen Euro gesteigert und rechnet für 2017 mit einem Nachsteuerergebnis mindestens auf Vorjahresniveau. Unter anderem schrieb der Rohstoffhändler ELG operativ wieder schwarze Zahlen, der Versandhändler Takkt verdiente mehr.

Der Umsatz von 3,6 Milliarden Euro hingegen ging im Familienkonzern um zwei Prozent zurück, bereinigt um Währungseffekte und Unternehmenskäufe und -verkäufe waren es sogar sieben Prozent weniger. Die Zahl der Mitarbeiter von derzeit knapp 14000 wird weiter steigen, sagte Gemkow. Allein durch die Übernahme von Rentokil Initial kämen 3000 Mitarbeiter hinzu.

Am vergangenen Freitag allerdings musste Haniel mitteilen, dass der langjährige Vorstandschef der Haniel-Tochter CWS Boco, Maximilian Teichner, seinen Posten auf eigenen Wunsch räumen wird. Er hatte das Unternehmen sieben Jahre geführt und auch das Joint-Venture mit Rentokil begleitet. Seinen Job übernimmt der erst zu Beginn dieses Jahres neu verpflichtete Haniel-Vorstand Thomas Schmidt.

Nach wie vor erhält Haniel zwei Investmentgrades von Scope und S&P und erwartet in diesem Jahr auch bei Moodys einen solchen Status.

Der Vorstand wird der Gesellschafterversammlung eine Dividende in Höhe von 50 Millionen Euro vorschlagen. Sie bleibt damit auf dem Niveau des Jahres 2015. Im Jahr 2012, ein Jahr nach dem Amtsantritt von Stephan Gemkow, war die Dividenden-Zahlung ausgefallen, seitdem ist sie kontinuierlich gestiegen. Allerdings müssen sich in diesem Jahr mit 690 Gesellschaftern noch zehn Gesellschafter mehr die Dividende teilen, rechnerisch liegt sie damit im Schnitt bei knapp 72.500 Euro.

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Mit Material von dpa.

In einer ersten Version des Artikels war fälschlicherweise die Schädlingsbekämpfungssparte von Rentokil erwähnt worden. Diese ist aber nicht Bestandteil des Joint-Ventures. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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