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CEO-Aus bei RWE-TochterPeter Terium verlässt Innogy im Streit

Dem überraschenden Abgang von Innogy-Chef Peter Terium ging nach Handelsblatt-Informationen ein heftiger Streit mit RWE voraus: Der Mutterkonzern hatte sich per Brief über die Kommunikation einer Gewinnwarnung beschwert.Jürgen Flauger 20.12.2017 - 15:00 Uhr Artikel anhören

Heftiger Krach mit dem Mutterkonzern RWE.

Foto: dpa

Düsseldorf. Als Innogy am Dienstagabend überraschend den Abgang von Vorstandschef Peter Terium verkündete, war von „einem freundschaftlichen Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“ die Rede. Nach Informationen des Handelsblatts aus Kreisen des Unternehmens war die Trennung aber alles andere als einvernehmlich. Zuvor war es mit dem Management des RWE-Konzerns, der 77 Prozent der Innogy-Anteile hält, zum Streit über eine Gewinnwarnung gekommen. Auch Werner Brandt, Aufsichtsratschef von RWE und aktuell auch noch von Innogy, war verärgert. Daraufhin hätten Terium und der Innogy-Aufsichtsrat am Dienstag die Konsequenzen gezogen und die Trennung beschlossen, hieß es.

Anlass für den Streit war eine auf den ersten Blick eher leichte Korrektur der Prognose, die aber am Markt verheerend aufgenommen wurde. Terium hatte am Mittwoch vergangener Woche mitgeteilt, dass Innogy für 2017 beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) jetzt mit 2,8 Milliarden Euro rechnet, das waren nur 100 Millionen Euro weniger als zuvor.

Allerdings rechnet die RWE-Tochter auch für 2018 mit einem weiteren Rückgang um 100 Millionen auf 2,7 Milliarden Euro. Auch das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis wird dann vermutlich um 100 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro sinken. Daran bemisst Innogy die Dividende. Vor allem die weiteren Aussichten enttäuschten die Anleger so sehr, dass die Aktie direkt um 13 Prozent nachgab und sich auch an den folgenden Tagen nicht mehr erholte.

Schließlich werden die Ergebnisse des Unternehmens gemäß der Prognose auch im dritten Jahr seit der Gründung stagnieren. Terium hatte als RWE-Chef Innogy im Frühjahr 2016 gegründet und im Oktober an die Börse gebracht. Das neue Unternehmen übernahm das Geschäft mit der Energiewende und soll sich mit den Sparten Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netz eigentlich neue Wachstumschancen erschließen. Terium selbst übernahm die Leitung des neuen Unternehmens und überließ die Führung von RWE seinem bisherigen Vizechef Rolf Martin Schmitz.

Wie es in den Unternehmenskreisen hieß, kam es jetzt zum heftigen Krach zwischen Schmitz und Terium über die Gewinnwarnung, die auch die RWE-Aktie mit sich riss. Das RWE-Management fühlte sich zum einen von der Gewinnwarnung überrascht, zum anderen vom Umgang Teriums damit. Statt anzukündigen, die Finanzen zügig in den Griff zu bekommen, kündigte Innogy an, die Investitionen aufzustocken. Im Vergleich zum laufenden Jahr sollen diese um mindestens 25 Prozent auf mehr als drei Milliarden Euro steigen. „Hohe Wachstumsambitionen haben kurzfristig ihren Preis, zahlen sich aber langfristig aus“, sagte Terium.

Am nächsten Tag, am Donnerstag, tagte der Aufsichtsrat von RWE. Die Aufregung war groß. Zum einen wurden mit dem Kursrutsch auch bei RWE Milliarden an Börsenwert vernichtet. Zum anderen fürchtet der Mutterkonzern um die Dividendenzahlungen von Innogy.

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Daraufhin schrieb das RWE-Management einen Brief an Terium. Schmitz forderte vor allem Kostendisziplin ein. Das wiederum wollte sich Terium nicht vorgeben lassen. RWE, Innogy und auch Brandt wollten sich auf Anfrage zwar nicht zu den Hintergründen äußern. In der Mitteilung zu Teriums Abgang wurde das Zerwürfnis aber schon angedeutet. Der Aufsichtsrat begrüße grundsätzlich die vom Vorstand verfolgte Unternehmens- und Finanzstrategie, sehe „aber die Notwendigkeit eines höheren Stellenwertes der Kostendisziplin und einer fokussierten Wachstums- und Investitionsstrategie“, hieß es in der Mitteilung.

Terium war seit 2003 in verschiedenen Positionen der RWE AG tätig, zunächst als Leiter des Konzerncontrollings, später als Vorstandsvorsitzender verschiedener Tochterfirmen. Im Juli 2012 wurde er RWE-Chef. Im April 2016 übernahm Terium zusätzlich den Vorstandsvorsitz von Innogy. Nach dem Börsengang im Oktober beschränkte er sich auf diese Funktion.

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