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StrommarktGrüne warnen vor wachsender Marktmacht der Kraftwerksbetreiber

Die großen Betreiber konventioneller Kraftwerke haben ihre Marktmacht zuletzt gesteigert. Aus Sicht der Grünen ist das ein Problem. Das Bundeskartellamt teilt die Bedenken.Klaus Stratmann 27.11.2025 - 13:27 Uhr Artikel anhören
RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem: Diese Kraftwerke zählen zu den „steuerbaren Kapazitäten“, die das Energieangebot zu jeder Zeit ausgleichen können. Foto: IMAGO/Wienold

Berlin. Die Grünen warnen vor der wachsenden Marktmacht der Betreiber konventioneller Kraftwerke in Deutschland. Die aktuelle Entwicklung der Marktanteile sei „eine Warnung vor einem erneuten Oligopol im Strommarkt“, sagte Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt.

Kellner bezieht sich auf den am Mittwoch veröffentlichten Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt zu den Entwicklungen auf den deutschen Strom- und Gasmärkten.

Dem Bericht zufolge hat sich zwar der Marktanteil der fünf absatzstärksten Stromerzeuger in Deutschland (RWE, Leag, EnBW, Uniper und Vattenfall) 2024 gegenüber dem Vorjahr von 61,3 Prozent auf 54,7 Prozent reduziert. Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit.

Die fünf Großen konnten zugleich ihren Anteil an den konventionellen Stromerzeugungskapazitäten – also Kohle und Gas – von 52,6 Prozent auf 54,4 Prozent steigern. Diese Kraftwerke zählen zu den „steuerbaren Kapazitäten“, die – anders als Windräder oder Photovoltaikanlagen – jederzeit verfügbar sind.

Im Monitoringbericht wird dieser wachsende Marktanteil mit dem Kohleausstieg begründet: In der Energieversorgungskrise des Jahres 2022 wurde beschlossen, einige Kohlekraftwerke länger als ursprünglich geplant am Netz zu lassen. 2024 erfolgte dann aber die Rückkehr zum ursprünglichen Ausstiegsplan. 2024 gab es daher einen starken Rückgang der konventionellen Kapazitäten um 14,1 Gigawatt (GW).

Steuerbare Kapazitäten sind besonders wertvoll

„Diese enorme Verringerung der steuerbaren Kapazitäten hat zu einer entsprechend starken Steigerung der Marktmacht der größten Stromerzeuger geführt“, heißt es im Monitoringbericht.

Mit anderen Worten: Die verbliebenen steuerbaren Kapazitäten haben an Bedeutung gewonnen. Sie spielen eine entscheidende Rolle in Zeiten, in denen Energie knapp ist, weil sie die Lücken füllen, wenn Photovoltaik und Windkraft nicht ausreichend Strom liefern.

Die Marktmacht der größten Erzeuger habe sich daher „spürbar erhöht“, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Bei insgesamt knapperen Kapazitäten werden die verbleibenden Anlagen häufiger unverzichtbar für die Deckung der Nachfrage“, sagte Mundt.

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Marktbeherrschende Stellung vermutet

Der Monitoringbericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Unverzichtbarkeit der Kraftwerke von RWE „weit über der vom Bundeskartellamt verwendeten Vermutungsschwelle für das Bestehen einer marktbeherrschenden Stellung liegt“. Für den ostdeutschen Braunkohleverstromer Leag lägen die Werte „etwas oberhalb“ der Vermutungsschwelle. EnBW liege bei dieser Betrachtung auf Platz drei.

Nach Überzeugung von Grünen-Politiker Kellner muss die Bundesregierung dies bei der geplanten Förderung von Back-up-Gaskraftwerken beachten. Das Ausschreibungsdesign dürfe nicht so gewählt werden, dass nur die großen Energieunternehmen zum Zuge kommen, sagte Kellner.

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