Containerinvestments: Wie P&R-Insolvenzverwalter Michael Jaffé 400 Millionen Euro verteilen möchte
Gläubiger der P&R-Gruppe vor der Münchener Olympiahalle im Oktober 2018. Wegen der Corona-Pandemie sollen sie nun schriftlich über die Verteilung von 400 Millionen Euro abstimmen.
Foto: dpaBerlin. Die 54.000 Anleger der insolventen P&R-Gruppe erhalten in diesen Tagen Post von Insolvenzverwalter Michael Jaffé aus München. Mehr als 400 Millionen Euro konnten Jaffé und sein Team seit der Pleite des früheren Containervertriebs sichern, heißt es in dem Schreiben. Das Geld sei auf einem gesonderten Konto hinterlegt und soll so schnell wie möglich in einem ersten Abschlag an die Gläubiger ausgeschüttet werden.
Eine letzte Hürde ist allerdings noch zu nehmen: Bislang ist nicht geklärt, wie die geretteten Millionen auf die vier insolventen P&R-Vertriebsgesellschaften verteilt werden. Im jüngsten Brief schlägt Jaffé den Gläubigern einen Verteilungsschlüssel vor und bittet sie um ihre Zustimmung. Die schriftliche Abstimmung sei notwendig, weil eine Gläubigerversammlung mit Tausenden Teilnehmern wegen der Corona-Pandemie auf absehbare Zeit nicht möglich sei. Die Gläubiger sollen ihre Stimmzettel bis zum 17. November zurücksenden.
Die 400 Millionen Euro sollen entsprechend der angemeldeten Schadensansprüche auf die vier Firmen aufgeteilt werden. „Die Verteilung der Erlöse erfolgt also in dem Verhältnis, in dem sich diese Ansprüche der Anleger prozentual auf die einzelnen P&R-Containerverwaltungsgesellschaften verteilen“, schreibt Jaffé.
Der Schlüssel sieht nach heutigem Stand folgendermaßen aus: Auf die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH entfallen 49 Prozent. Die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH erhält 32,1 Prozent, die P&R Transport Container GmbH 15,1 Prozent und die P&R Container Leasing GmbH 3,8 Prozent des gesicherten Vermögens.
Diese Regelung erreiche, dass die Gläubiger in allen vier P&R-Gesellschaften „gleichermaßen von den erzielten Erlösen profitieren“, schreibt Jaffé und verweist darauf, dass die vier Gläubigerausschüsse die Lösung einstimmig befürworteten und den Gläubigern die Zustimmung empföhlen. „Ich bin überzeugt davon, dass eine große Mehrheit der Gläubiger den Vorschlag unterstützen wird, da dieser Vorschlag im Interesse aller Gläubiger liegt“, sagte Jaffé.
„Schwimmendes Festgeld“ lockte die Anleger
Die P&R-Gruppe verkaufte Privatanlegern Container, mietete sie zurück und vercharterte sie dann an Reedereien. Nach fünf Jahren kaufte die Gruppe die gebrauchten Stahlboxen zurück. Unter dem Strich blieben den Anlegern drei bis fünf Prozent Rendite. Das passte zu den Werbesprüchen wie dem vom „schwimmenden Festgeld“.
Das Geschäftsmodell war populär vor allem bei älteren und auf Sicherheit bedachten Anlegern. P&R sammelte über die Jahre rund 3,5 Milliarden Euro bei 54.000 Investoren ein. Lange Zeit war das Unternehmen Marktführer in seinem Geschäft. Anfang 2018 ging die Gruppe spektakulär pleite.
Dann kam heraus, dass eine Zuordnung der Container auf die einzelnen Kunden nie stattgefunden hatte. P&R hatte verschleiert, dass nicht für alle Anleger Stahlboxen angeschafft worden waren. Michael Jaffé stellte fest, dass sich statt der verkauften 1,6 Millionen Container zum Zeitpunkt der Pleite nur 600.000 im Portfolio befanden.
Die P&R Equipement Finance in Zug managte die Container für P&R. Doch im Portfolio klaffte eine Lücke.
Foto: Luzerner Zeitung AGDer Absturz von P&R gilt als einer der größten Kapitalanlageskandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Fehlbestand hatte sich offenbar seit 2009 kontinuierlich aufgebaut. Altanleger seien mit den Einzahlungen von Neuanlegern ausbezahlt worden. Jaffé hofft, im besten Szenario knapp ein Drittel des Kapitals retten zu können. „An unserem Ziel, insgesamt mindestens eine Milliarde Euro an die Gläubiger auszuschütten, halten wir weiterhin fest und arbeiten hierfür weiter unter Hochdruck“, sagt er.
Das Chaos hinter den Kulissen wird im aktuellen Anlegerschreiben erneut deutlich. Über Jahre hinweg seien nahezu täglich mitunter mehrfach hin und her Zahlungen zwischen den Gesellschaften erfolgt, schreibt Jaffé. Diese hätten dazu gedient, „die immer wieder auftretenden Liquiditätsengpässe zu überwinden“. Den Zahlungsströmen stünden in den wenigsten Fällen „wirtschaftlich sinnvolle“ Geschäfte gegenüber. Sie hätten jedoch zu wechselseitigen Forderungen und Verbindlichkeiten unter den Gesellschaften geführt.
Ermittlungen gegen den letzten Geschäftsführer eingestellt
Für den Verteilungsschlüssel hat das jedoch keine Auswirkung, weil die resultierenden Ansprüche nur als „nachrangige Forderung“ geltend gemacht werden könnten. Da aber rund zwei Milliarden Euro ohnehin verloren sind, dürfte für nachrangige Ansprüche am Ende kein Geld übrig sein.
Die Staatsanwaltschaft München 1 hat unterdessen die Ermittlungen gegen den letzten P&R-Geschäftsführer eingestellt. Der Mann hatte einige Monate vor der Pleite den Job übernommen. „Ihm konnte keine Kenntnis des Containerfehlbestandes nachgewiesen werden, sodass es hinsichtlich eines Betrugs am Vorsatz fehlte“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ermittlungen gegen weitere Beschuldigte dauerten jedoch noch an.