Edelmetalle: Vorwurf des Schneeballsystems: Dem früheren Chef von Pim Gold droht lange Haftstrafe
Der ehemalige Geschäftsführer des insolventen Goldhändlers Pim, Mesut P., wird von einem Justizbeamten in den Saal des Landgerichts Darmstadt geführt.
Foto: dpaDarmstadt, Berlin. Seit Dienstagmorgen wird im Darmstädter Landgericht über die Zukunft des Goldhändlers Mesut P. (49) entschieden. Als der frühere geschäftsführende Gesellschafter der Pim Gold GmbH den Verhandlungssaal betritt, ist ihm nicht anzumerken, dass er ein Jahr in Untersuchungshaft gesessen hat. Lässig plaudert er mit den Anwälten und lässt sich bereitwillig von Pressefotografen ablichten.
Ganz anders sein früherer Geschäftspartner Julius L. (52): Er hat sich den Parker tief ins Gesicht gezogen. Die Verlesung der Anklage verfolgt er regungslos, wie eingefroren.
Die Vorwürfe, die Staatsanwalt Tobias Stewen vorträgt, haben es in sich: Mesut P. und Julius L., der Chef des Vertriebspartners Premium Gold Deutschland (PGD), sollen „gemeinschaftlich und gewerbsmäßig“ die Goldkäufer betrogen haben. Im Fall einer Verurteilung wegen schweren Betrugs drohen bis zu zehn Jahre Haft.
Allein zwischen 2016 und 2019 sollen die Pim-Führungskräfte und ein Heer von selbstständigen Maklern über 7600 Goldanlage-Verträge verkauft haben, wie aus der fast 400 Seiten starken Anklageschrift hervorgeht. Geködert wurden die Anleger mit einer Art Zins auf Gold, dem sogenanntem „Bonusgold“. Es wurde den Käufern gutgeschrieben, wenn sie auf eine Lieferung verzichteten und das Edelmetall von Pim einlagern ließen. So war es offenbar möglich, dass die Pim Gold verkaufte, das es nicht gab.