Sarah Youngwood: UBS holt neue Finanzchefin von JP Morgan
Die Managerin ist seit 2016 Chief Financial Officer des Geschäftsbereichs Consumer & Community Banking von JP Morgan Chase.
Foto: IMF/TwitterZürich. Die UBS bekommt eine neue Finanzchefin. Sarah Youngwood übernehme die Position des Group Chief Financial Officers (CFO) im Mai kommenden Jahres von Kirt Gardner. Das teilte die größte Schweizer Bank am Mittwoch mit. Sie werde bereits im März zur Konzernleitung von UBS stoßen.
Die Managerin ist seit 2016 Chief Financial Officer des Geschäftsbereichs Consumer & Community Banking von JP Morgan Chase. Es ist die nach Umsatz größte Division der US-Bank. Seit 2020 sei Youngwood zudem auch für die Finanzen der globalen Technologieeinheit des US-Instituts zuständig, erklärte die UBS. Sie habe die französische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.
Verlässt die UBS.
Foto: ReutersGardner habe beschlossen, seinen Posten abzugeben und die Bank zu verlassen. Der Manager, der seit 2013 für das Institut tätig und seit 2016 dessen Finanzchef ist, werde eng mit Youngwood zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
„Dank ihres starken Leistungsausweises, ihres umfassenden Finanzwissens und ihrer Erfahrung in verschiedenen Bankbereichen ist Sarah bestens gerüstet, um den Bereich Finance in die Zukunft zu führen“, sagte UBS-Konzernchef Ralph Hamers und dankte zugleich Gardner für sein Engagement: „Er hat maßgeblich dafür gesorgt, dass unser Unternehmen seine Finanzkraft weiter aufgebaut hat und dass das Vertrauen von Kundinnen und Kunden sowie Investoren in verschiedenen Marktsituationen ungebrochen blieb.“
Die Personalie ist ein weiteres Signal dafür, dass Hamers das Topmanagement der UBS technologieaffiner und weiblicher aufstellen will. Im Frühjahr hatte er mit Mike Dragan erstmals einen Chief Digital and Information Officer in den Vorstand berufen. Die Chefjuristin Barbara Levi hatte Hamers vom Minenkonzern Rio Tinto abgeworben.
Expertise aus der amerikanischen Finanzbranche
Die Verpflichtung von Youngwood ist zudem ein Zeichen, dass die UBS die US-Banken als wichtigste Wettbewerber ansieht, zu denen die Bank aufschließen möchte. Jüngst hatte die UBS die Nachfolge an der Spitze des Verwaltungsrats geregelt und dabei ebenfalls auf die Expertise aus der amerikanischen Finanzbranche gesetzt. Bei der Generalversammlung im April 2022 soll der Ire Colm Kelleher, ein ehemaliger Spitzenmanager der US-Investmentbank Morgan Stanley, zum Nachfolger des langjährigen Präsidenten Axel Weber gewählt werden.
Eine wichtige Aufgabe von Youngwood wird es künftig sein, die Aktionäre der Großbank davon zu überzeugen, dass der Bewertungsabschlag der UBS gegenüber der US-Konkurrenz nicht gerechtfertigt ist. Aktuell ist die UBS rund 60 Milliarden Franken (umgerechnet rund 65 Milliarden Dollar) wert. Morgan Stanley kommt auf 170 Milliarden Dollar. Youngwood dürfte daher die Aktionäre mit steigenden Dividenden und Aktienrückkaufprogrammen locken wollen.
Kapital, das an die Aktionäre ausgeschüttet werden kann, hat die UBS jedenfalls genug: Youngwoods Vorgänger Gardener hinterlässt eine extrem solide Bilanz. Die Schweizer Großbank hat eine Eigenkapitalquote von 14,5 Prozent – deutlich mehr als von der Finanzaufsicht gefordert. Gleichzeitig erwirtschaftet die UBS jedes Quartal Gewinne in Milliardenhöhe, zuletzt betrug der Reingewinn 2,3 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal 2021.
Die Erwartungen der Analysten sind ebenfalls hoch: So hat etwa Bank-of-America-Analyst Alastair Ryan kürzlich sein Preisziel für die UBS auf 18,60 Franken pro Anteilsschein heraufgestuft, ein Aufschlag von 15 Prozent auf den aktuellen Kurs. Der Analyst erwartet ein Wachstum des Gewinns pro Aktie um vier Prozent bis 2023. „Steigende Zinsen bieten weiteres Aufwärtspotenzial“, sagt Ryan.
UBS-Chef Hamers will im Februar kommenden Jahres ein Update seiner Strategie vorlegen. Erwartet wird, dass er seine Pläne für die Digitalisierung der Bank sowie die Wachstumsstrategie im wichtigsten Markt Amerika näher erläutert.
Sowohl bei IT-Budgets als auch im US-Markt kennt sich Youngwood aus. Sie dürfte daher in Zukunft eine wichtige Rolle in Hamers Führungsteam spielen.