Ukrainekrise: London droht russischen Oligarchen – doch die City lebt von ihnen
Etliche Londoner Dienstleister haben sich darauf spezialisiert, mitunter illegal erworbenes Vermögen aus dem Ausland sicher in Immobilien anzulegen.
Foto: mauritius images / William Barton / Alamy / Alamy Stock PhotosBerlin, London. Die britische Außenministerin Liz Truss inszeniert sich gern als eiserne Lady. Am Montag war es wieder so weit: Im Parlament kündigte sie „das schärfste Sanktionsregime“ gegen Russland in der britischen Geschichte an. Ab der kommenden Woche könne man jede Person und jedes Unternehmen mit Beziehungen zum russischen Staat mit Sanktionen belegen.
Sollte Russland in die Ukraine einmarschieren, werde man Vermögen einfrieren und Reiseverbote aussprechen, sagte Truss. „Diejenigen im und um den Kreml werden sich nirgendwo mehr verstecken können.“ Die kernige Ansage wurde von der Opposition mit Gelächter quittiert. Denn es ist kein Geheimnis, dass das Lieblingsversteck von russischen Oligarchen seit Jahrzehnten die britische Hauptstadt ist.
So eng sind die Bande, dass London wahlweise als „Londongrad“ oder „Moskau an der Themse“ bezeichnet wird. Die Verflechtungen mit der britischen Wirtschaft und Gesellschaft machten es schwieriger, gegen die Oligarchen vorzugehen, warnte kürzlich der US-Thinktank Center for American Progress.
Von dem lukrativen Geschäft mit den russischen Superreichen profitieren in London ganze Branchen: Anwälte, PR-Agenten, Banker, Makler, Privatschulen und Universitäten. Unter dem Einfluss der Londoner City und von großzügigen Parteispenden der russischen Milliardäre hat sich bisher noch keine Regierung dazu durchgerungen, ernsthaft den Sumpf auszutrocknen. Deshalb sind Zweifel angebracht, wie entschlossen die Regierung von Premier Boris Johnson in der Frage ist.