Industriemetalle: Nickel, Aluminium, Palladium: Sanktionen gegen Russland treiben Metallpreise weiter in die Höhe
An den Rohstoffmärkten wächst die Sorge vor Engpässen bei Industriemetallen.
Foto: ReutersZürich. Der Ausschluss bestimmter russischer Banken aus dem internationalen Zahlungssystem Swift treibt auch die Preise wichtiger Industriemetalle weiter in die Höhe. Daniel Briesemann, Rohstoffexperte der Commerzbank, sagt: „Es wird befürchtet, dass es im Zuge von Sanktionen und Gegenmaßnahmen zu Angebotsausfällen aus Russland bei Industriemetallen kommen könnte.“
Besonders im Fokus stehen dabei Nickel, Aluminium und Palladium. Der russische Konzern Nornickel ist einer der weltweit größten Produzenten für Nickel und Palladium. Nickel wird unter anderem für die Produktion von Edelstahl benötigt, sie machte zuletzt rund 70 Prozent der weltweiten Nickelnachfrage aus.
Der Nickelpreis ist mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine auf ein neues Rekordhoch bei rund 25.000 Dollar pro Tonne gestiegen. Aktuell notiert der Preis für das Metall knapp darunter.
Palladium wiederum wird in der Automobilindustrie benötigt, das Edelmetall kommt im Abgaskatalysator von Diesel- und Benzinmotoren zum Einsatz. Die Autoindustrie macht rund 70 Prozent der Palladiumnachfrage aus – und 40 Prozent des Angebots liefert Russland.
Die Investoren preisen zunehmend Engpässe ein: Am Montag verteuerte sich Palladium um zwischenzeitlich sechs Prozent auf knapp 2500 Dollar pro Feinunze (rund 31,1 Gramm). Henrik Marx, Leiter Edelmetallhandel bei Heraeus, beobachtet noch keine Störungen: „Der Handel läuft normal.“ Doch der Trader wappnet sich trotzdem für turbulente Handelstage. „Wir beobachten die Märkte sehr genau. Es gibt durchaus Potenzial für schnelle Marktbewegungen.“
Aluminiumpreis auf Rekordhoch
Auch der Aluminiumpreis setzt seinen monatelangen Höhenflug fort. Ende vergangenen Jahres hatten zunächst hohe Gaspreise dazu geführt, dass europäische Aluminiumhütten ihre Produktion drosseln mussten. Nun verschärft der Krieg in der Ukraine die Angebotssorgen weiter. Ende vergangener Woche erreichte der Aluminiumpreis mit 3450 Dollar pro Tonne ein neues Allzeithoch. Aktuell notiert der Preis nur leicht darunter.
Das Metall wird bei zahlreichen Leichtbaukonstruktionen verwendet, etwa in der Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie, aber auch als Leiter in der Elektronikindustrie sowie für Verpackungen. Russland ist nach China der zweitgrößte Aluminiumproduzent der Welt. Der staatsnahe Konzern Rusal, an dem unter anderem der Oligarch Viktor Wechselberg beteiligt ist, produzierte 2021 mehr als 3,7 Millionen Tonnen des Leichtmetalls.
Der Export von Industriemetallen ist auch für Russland von strategischer Bedeutung: Eisenmetalle gehören nach Öl, Ölprodukten und Gas zu den wichtigsten Exportgütern des Landes. Noch ist jedoch unklar, wie stark der Swift-Ausschluss die Rohstoffexporte Russlands trifft, sagt Ehsan Khoman, Rohstoffexperte bei der Bank MUFG: „Nach jetzigem Stand sind die Details der Swift-Restriktionen noch nebulös.“
Neue Nahrung für Inflationssorgen
Bisher sehe es danach aus, dass die Sanktionen die Bezahlung von Rohstoffexporten behindern, aber nicht komplett stoppen, sagt Kohman. Sollten einige russische Banken im Swift-System bleiben, könnte die Rohstofffinanzierung über diese Institute umgeleitet werden.
Noch größere Auswirkungen hat nach Einschätzung von Khoman jedoch die Blockade der russischen Zentralbank. Diese könnte das Land dazu zwingen, Rohstoffgeschäfte gegen Rubel oder Gold abzuwickeln. „Sollte die Zentralbank den Zugriff auf ihre Devisenreserven verlieren, könnte es zu einem akuten Rückgang des russischen Außenhandels kommen“, erwartet der MUFG-Experte.
So bleibt die Versorgungslage bei Industriemetallen weiter angespannt. Die Ökonomen der ING Bank warnen, Lieferausfälle bei Nickel, Aluminium und Palladium könnten „weitere Störungen der weltweiten Lieferketten auslösen, die bereits unter der Pandemie und dem Chipmangel leiden“ – und damit die Inflationssorgen in Europa weiter befeuern.