Geldpolitik: Bank of England hebt Leitzinsen um 25 Basispunkte an
Hohe Inflation setzt die Notenbank unter Druck.
Foto: ReutersLondon. Die Inflation in Großbritannien ist höher als in den USA, die Bank of England (BoE) hebt die Zinsen jedoch weniger kräftig an als die amerikanische Notenbank Fed. Wie erwartet erhöhten die britischen Notenbanker die Leitzinsen zum fünften Mal in Folge um 25 Basispunkte auf jetzt 1,25 Prozent.
Drei Mitgliedern des geldpolitischen Ausschusses ging das nicht weit genug: Sie wollten die Zinsen gleich um einen halben Prozentpunkt heraufsetzen, um die immer schneller steigende Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Die Bank of England erwartet bis Oktober einen Anwachsen der Preissteigerung auf mehr als elf Prozent.
Im April erreichte die Teuerung mit neun Prozent ein 40-Jahres-Hoch. Großbritannien ist damit das Land mit der höchsten Inflation und dem niedrigsten Wirtschaftswachstum unter den sieben führenden Industrienationen. Im April war die britische Wirtschaft leicht geschrumpft. Die Notenbank rechnet damit, dass die wirtschaftliche Leistung im gesamten zweiten Quartal zurückgegangen ist.
Die Regierung in London versucht mit direkten Finanzhilfen an die Verbraucher die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten aufzufangen und eine Rezession zu vermeiden. Mit Blick auf die Staatshilfen von umgerechnet 17,5 Milliarden Euro befindet sich das Land jedoch in einem Dilemma: Nach Berechnungen der Notenbank könnte das Bruttoinlandsprodukt in den kommenden zwölf Monaten dadurch um 0,3 Prozent höher ausfallen, zugleich dürfte aber auch die Inflation einen zusätzlichen Schub von 0,1 Prozent bekommen.
Um den Preistrend zu brechen, kündigte die BoE weitere Zinsschritte an: „Der Umfang, das Tempo und der Zeitpunkt weiterer Leitzinserhöhungen werden die Einschätzung der Wirtschaftsaussichten und des Inflationsdrucks durch den Ausschuss widerspiegeln“, schreiben die Notenbanker. Die BoE befürchtet, dass der Inflationsdruck nicht mehr allein auf die hohen Energie- und Lebensmittelpreise zurückzuführen ist, sondern dass auch Engpässe auf dem britischen Arbeitsmarkt die Preise nach oben treiben.
Das Pfund verliert an Boden
An den Finanzmärkten verlor das britische Pfund weiter an Boden gegenüber dem US-Dollar. Grund dafür ist die zunehmende Zinsdifferenz zwischen den beiden Ländern. Mit ihrem historischen Zinsschritt von 75 Basispunkten am Mittwoch hatte die Fed auch viele Händler in der Londoner City überrascht.
„Weitere Zinserhöhungen sind wahrscheinlich, aber wir sind nach wie vor der Meinung, dass es der BoE schwerfallen wird, die von den Märkten eingepreiste Straffung vorzunehmen, ohne die wirtschaftliche Erholung in Großbritanniens zu gefährden“, kommentierte Henry Cook von der japanischen MUFG Bank in London.