Energie: RWE gewinnt Mega-Windauktion in Großbritannien
Düsseldorf. Der Energiekonzern RWE hat sich Windparks vor der britischen Küste in der Größenordnung von 6,9 Gigawatt (GW) gesichert. Mit den Anlagen können umgerechnet fast sieben Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden.
Damit kann das Unternehmen seine Offshore-Windpipeline auf einen Schlag mehr als verdoppeln. „Wir freuen uns sehr, dass wir in der jüngsten britischen Offshore-Windauktion langfristige Abnahmeverträge für fünf Projekte sichern konnten“, sagte RWE-Chef Markus Krebber am Mittwochmorgen.
Zeitgleich verkauft RWE die Hälfte der Anteile für die Projekte Norfolk Vanguard East und West an den US-Finanzinvestor KKR. „Durch die Kombination des Investitions-Know-hows von KKR bei großen, komplexen Infrastrukturprojekten mit der umfassenden Offshore-Windenergie-Expertise von RWE sind wir gut aufgestellt, um diese Großprojekte gemeinsam zu realisieren“, sagte Krebber. Im Zuge dessen soll KKR dem Energieversorger 2,9 Milliarden Pfund an Entwicklungskosten vollständig erstatten, heißt es aus Branchenkreisen. RWE will sich dazu auf Anfrage allerdings nicht zu äußern.
Für die beiden Windparks Dogger Bank South und für Awel y Môr sind mit dem emiratischen Investor Masdar und den Stadtwerken München mit Siemens bereits Partner auf der Finanzseite involviert. Der Grund sind die massiv gestiegenen Kosten für Offshore-Projekte, die immer mehr Windparks auf hoher See zu schaffen machen.
Überall auf der Welt werden immer mehr Offshore-Windparks gestoppt, noch bevor die erste Turbine steht, weil die Projekte zu teuer geworden sind. Lieferverzögerungen, Inflation und steigende Zinsen machen die Windräder auf hoher See für viele Unternehmen zum Minusgeschäft. Erst vor wenigen Monaten hatte sich der Mischkonzern Mitsubishi ebenfalls aus drei großen Projekten in Japan zurückgezogen.
Schlechte Stimmung auf dem Offshore-Markt
Zeitgleich liegt der Markt für Windkraft auf hoher See in den USA de facto komplett lahm. Präsident Donald Trump hatte kurz nach seinem Amtsantritt mit einem Erlass dafür gesorgt, dass neue Projekte keine Genehmigung bekommen, und sogar mehrere bereits im Bau befindliche Projekte gestoppt. Der dänische Windkonzern Ørsted hat deswegen eine Klage gegen die US-Regierung eingereicht.
Am Montag hat das zuständige Gericht den Dänen recht gegeben. Ørsted darf den Bau seines fast fertigen Windparks Revolution Wind vor der Ostküste wieder aufnehmen. Ørsted kündigte am Montag an, die Bauarbeiten so schnell wie möglich wieder aufnehmen zu wollen. Dem Unternehmen zufolge ist das Projekt zu 87 Prozent fertiggestellt und soll noch in diesem Jahr Strom erzeugen.
Trotzdem lässt die Stimmung in der Branche insgesamt zu wünschen übrig. Nicht nur mit Blick auf Nordamerika – auch für Deutschland und Europa haben sich die Aussichten eingetrübt. Das ist das Ergebnis des halbjährlichen Stimmungsbarometers Wetix für die Windindustrie vom Marktforschungsunternehmen Trendresearch und der Messe Windenergy in Hamburg. Der Bericht liegt dem Handelsblatt vorab vor.
„Die Lage auf dem Offshore-Windmarkt ist sehr angespannt. Risiken bei der Umsetzung der gesetzten Ausbauziele bestehen nicht nur in Deutschland und Großbritannien, sondern mittlerweile weltweit“, sagt Dirk Briese, Experte und Windresearch-Chef. Ursachen seien ein stark verschärfter Wettbewerb in den Ausschreibungen, anhaltende Lieferkettenprobleme, deutlich gestiegene Kosten sowie sehr hohe Vorlauf- und Finanzierungskosten, die die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Projekte zunehmend infrage stellten.
In staatlichen Ausschreibungen kämpfen die Unternehmen um vorhandene Flächen auf dem Meer. Nur derjenige gewinnt, der den Windpark für die geringste Förderung bauen kann. Das hat in vielen Ländern weltweit dazu geführt, dass Unternehmen mit zu niedrigen Geboten in die Auktionen gezogen sind, um sich Flächen zu sichern. Nur um im Nachgang festzustellen, dass sie das Projekt zu den angekündigten Konditionen bei gleichzeitig steigenden Kosten gar nicht realisieren können, ohne Verluste zu machen.
RWE-Aktie steigt leicht
Der Bau und Betrieb von Offshore-Windparks ist ein kapitalintensives Geschäft. Genehmigungen, Studien, Turbinen und andere Komponenten erfordern hohe Vorlaufkosten; gleichzeitig schwankt der Ertrag je nach Wetterlage. In Deutschland war die jüngste Windauktion auf See deswegen zuletzt ohne ein einziges Gebot ausgegangen. Genauso wie in Dänemark und den Niederlanden.
Auch in vorangegangenen britischen Runden gab es das schon. Die britische Regierung reagierte nun. Sie verlängerte die Laufzeit der staatlich garantierten Preise von 15 auf 20 Jahre und erhöhte die mögliche Zuschlagsmenge (Megawatt) pro Bieter.
In England gilt das System sogenannter Contracts for Differences (CfD). Fällt der Preis unter eine zuvor festgelegte Marke, zahlt der Staat dem Stromerzeuger die Differenz; steigt der Marktpreis darüber, zahlt der Erzeuger den Überschuss zurück.
„Der großzügige Ausübungspreis von 91 britischen Pfund je Megawattstunde“ ermögliche eine „hohe einstellige interne Rendite (IRR) und mache diese Projekte wertsteigernd“, sagt Tancrède Fulop, Analyst der Ratingagentur Morningstar.
Die Aktionäre scheint das zu freuen: Die Aktie der Essener stieg am Mittwochvormittag leicht um 2,5 Prozent.