Konsumgüterkonzern: 19 Prozent mehr Gewinn: Beiersdorf profitiert vom Wachstum bei Nivea
Für das zweiten Halbjahr erwartet Konzernchef Warnery härtere Widerstände.
Foto: BeiersdorfDüsseldorf. Trotz steigender Kosten und sinkender Konsumlust der Verbraucher wächst der Nivea-Hersteller Beiersdorf. Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen seinen Umsatz aus eigener Kraft um 10,5 Prozent auf fast 4,5 Milliarden Euro. Vor Zinsen und Steuern erzielte Beiersdorf einen Gewinn (Ebit) von 710 Millionen Euro – 19,3 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2021. Das teilte der Konzern am Donnerstagmorgen mit.
Damit ist Beiersdorf schneller gewachsen als von Analysten erwartet. „2022 war bislang ein erfolgreiches Jahr für Beiersdorf. Nach einem starken ersten Quartal haben wir eine leichte Beschleunigung im zweiten Quartal gesehen, insbesondere an dessen Ende“, sagte Vorstandschef Vincent Warnery. Das Unternehmen, das mehrheitlich der Maxinvest Holding der Familie Herz gehört, war im Sommer nach einem Auf und Ab wieder in den Leitindex Dax aufgestiegen.
Getrieben wurde das Wachstum vor allem von der Kernmarke Nivea, die für den Großteil des Umsatzes steht. Nivea wuchs organisch um 11,2 Prozent – und zwar in allen Produktkategorien, vor allem im Bereich Sonnenpflege. Hier profitiert der Konzern vom heißen Sommer und dem anziehenden Tourismus infolge der Coronalockerungen.
Auch stärkere Verkäufe von Deodorants und Duschgel haben das Wachstum getrieben. Seit Längerem konnte Nivea wieder in Europa Marktanteile gewinnen. Die Kernmarke wuchs auch schneller als vor der Coronakrise.
Die Zahlen lassen eine Trendwende bei Beiersdorf erkennen. Im vergangenen Jahrzehnt war der Konzern weder bei Gewinn noch Umsatz gewachsen. Nun zeigt sich seit mehreren Quartalen in Folge ein stärkeres Wachstum als vom Markt erwartet. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um mehr als zwölf Prozent zugelegt. Nach der Vorlage der Halbjahreszahlen stieg das Papier um gut anderthalb Prozent und notierte am Donnerstagvormittag bei knapp 104 Euro.
Neue Nivea-Strategie zahlt sich offenbar aus
Aus Sicht des Konzerns zahlt sich vor allem die neue Nivea-Strategie aus. Der Konzern konzentriert sich auf weniger, dafür innovativere Produkte. Statt wie bisher neue Produkte in einzelnen Märkten an den Start zu bringen, gibt es vermehrt globale Launches. Der Konzern versucht, Konsumenten mit personalisierter Werbung im Netz direkt anzusprechen, und setzt nicht mehr auf klassische TV-Werbung.
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Zudem setzt Beiersdorf auf hochwertigere Produkte, die eine höhere Marge abwerfen. „Wir wollen uns mehr auf Hautpflege insbesondere fürs Gesicht fokussieren“, sagte die für die Marke Nivea zuständige Vorständin Grita Loebsack zuletzt dem Handelsblatt.
Steffen Kraus, der Beiersdorf für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) seit Jahren beobachtet, bewertete die Zahlen als „erfreulich“, mahnte aber auch: „Sie zeigen die Abhängigkeit vom Kerngeschäft.“ Insofern scheine die Besinnung auf die Kernmarke die richtige Strategie zu sein, die das Management bereits eingeleitet hat.
Schwächer als das Konsumentengeschäft wuchs der Klebstoffbereich Tesa. Die Marke erzielte im ersten Halbjahr ein organisches Umsatzwachstum von 5,4 Prozent. Im Frühjahr war die Sparte stark von den Lockdowns in China getroffen. Laut Konzern erholte sich das Geschäft und verzeichnete bereits im Juni stärkeres Wachstum.
Der Klebstoffbereich ist für Beiersdorf das kleinere Geschäft, aber das profitablere. Tesa erzielte eine Umsatzrendite von 19,1 Prozent (minus 1,4 Prozentpunkte), der Bereich für Konsumartikel kommt auf 15,1 Prozent (plus einen Prozentpunkt).
Prognose für das zweite Halbjahr bestätigt
Vorstandschef Warnery erwartet für die zweite Jahreshälfte „zusätzlichen Gegenwind durch wirtschaftliche und politische Spannungen“. Beiersdorf sei zwar gut gestartet, aber es gebe wegen der Inflation und einer möglichen Rezession Unsicherheiten. Deshalb hob Beiersdorf seine Prognose nicht an, sondern bekräftigte das Ziel, zwischen vier und sechs Prozent wachsen zu wollen. Die operative Rendite soll wie angekündigt auf dem Niveau des Vorjahrs von 13 Prozent liegen.
In den kommenden Jahren will Beiersdorf stärker als der Markt wachsen – also mehr als vier bis fünf Prozent. Von 2023 an soll die Marge jedes Jahr um 0,5 Prozentpunkte steigen, gab der Konzern zuletzt auf einem Kapitalmarkttag als Ziel aus.
Wie alle Konsumgüterkonzerne kämpft Beiersdorf mit steigenden Kosten bei Rohstoffen und Lücken in den Lieferketten. Bislang habe man 50 Prozent der Kosten weitergeben können, so Finanzchefin Astrid Hermann, bis Jahresende wolle man 80 Prozent erreichen. Die Preiserhöhungen hätten nicht dazu geführt, dass Kunden auf andere Produkte gewechselt seien.
Auch die Konkurrenz steigert den Umsatz in erster Linie durch Preiserhöhungen: Der britische Konsumgüterkonzern Unilever (Langnese, Dove) und der US-Wettwerber Procter & Gamble (Ariel, Pampers) legten zuletzt ebenfalls stärker zu als erwartet. Während Unilever seine Wachstumsprognose erhöhte, blickt Procter angesichts steigender Kosten pessimistischer nach vorn. Persil-Hersteller Henkel wird Mitte August seine Halbjahreszahlen vorlegen.