Rückversicherung: Hurrikan „Ian“ hält Hannover Rück in Atem
Die Hannover Rück will ihre Belastung durch den Hurrikan spätestens bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal genauer benennen.
Foto: dpaLondon. Nach den Verwüstungen durch Hurrikan „Ian“ im US-Bundesstaat Florida will der Rückversicherer Hannover Rück noch keine Angaben zu seinen Belastungen machen. Der Konzern werte noch die Meldungen der Risikomodellierungsagenturen sowie die eigenen Berechnungen aus und stehe in engem Kontakt mit den Kunden, sagte Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz am Donnerstag beim Investorentag in London.
Bereits seit einiger Zeit sei das Geschäft in Florida schwierig. Hannover Rück habe dort aber einen geringeren Marktanteil als im Rest der USA, sagte Henchoz weiter. Spätestens bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am 3. November wolle man genauere Beträge nennen.
„Ian“ hat Florida in der vergangenen Woche getroffen und schwere Schäden hinterlassen sowie zahlreiche Menschenleben gekostet. Die Schadenschätzungen haben derzeit noch eine große Spannweite. Der Risikomodellierer Karen Clark nannte beispielsweise einen Betrag von bis zu 63 Milliarden Dollar. Für Hannover Rück prognostizierte LBBW-Analyst Werner Schirmer zuletzt eine Schadenssumme in Höhe von 634 Millionen Euro. Zugleich verwies er auf die hohe Schätzunsicherheit.
Hannover Rück-Vorstandsmitglied Sven Althoff betonte, dass die Naturkatastrophe auch dazu beiträgt, dass die Preise in der Schadenrückversicherung bei den anstehenden Vertragserneuerungsrunden ansteigen werden. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die höheren Versicherungsprämien die gestiegene Inflation überkompensieren werden.
Fokus auf innovative Lösungen
Neue Finanzziele hat Hannover Rück beim Investorentag nicht ausgegeben. Die aktuelle Dreijahresstrategie läuft noch bis 2023. Henchoz betonte, dass der Konzern stabil aufgestellt sei und vor allem das Geschäft mit bestehenden Kunden weiter ausbaue.
Mit Blick auf künftige Wachstumsmöglichkeiten will der Vorstandschef einen noch stärkeren Fokus auf innovative Lösungen in den Bereichen Cyber, Data Analytics und parametrische Versicherungen richten. Bei Letzteren zahlt die Versicherung einen bestimmten Betrag, sobald eine vordefinierte Messgröße erreicht wurde. Dieses Geschäftsfeld sei noch klein, würde aber kräftig wachsen.
Bei Cyberversicherungen habe Hannover Rück nun ein Prämienniveau von 600 Millionen Euro erreicht, mit dem man sich wohlfühle, sagte Henchoz. Hier gehe es nun darum, Risiken noch besser einschätzen zu können und weitere Partner zu finden, an die man Risiken weitergeben könne.
Geografisch setzt Hannover Rück vor allem auf weiteres Wachstum in der Schadenrückversicherung in Asien. Hier wolle man die regionalen Standorte weiter stärken. Darum kümmern soll sich Sharon Ooi, die im Januar 2023 eine dafür neu geschaffene Vorstandsposition übernimmt.
Bei den Aktionären konnte Hannover Rück am Donnerstag nicht punkten. Die Aktie, die seit März im Dax notiert ist, zählte ebenso wie das Papier des größeren Konkurrenten Munich Re zu den Verlierern im deutschen Leitindex.
Mit Agenturmaterial