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FilmeDrei Filme über Österreichs ehemaligen Kanzler – Wie Kurz das Land weiterhin beschäftigt

Diverse Dokus beschäftigen sich mit dem ehemaligen österreichischem Kanzler – und seinem Aufstieg und Fall. Dabei sind die Umstände, wie die Filme zustande gekommen sind, besonders spannend.Daniel Imwinkelried 23.09.2023 - 18:00 Uhr Artikel anhören

Die flaue Nachfrage nach Karten ist ein schlechtes Vorzeichen für einen weiteren Kurz-Film, der vor der Veröffentlichung stehen soll.

Foto: IMAGO/photonews.at

Wien. Sebastian Kurz ist zwar erst 37 Jahre alt, und manche halten ihn für eine eher eindimensionale Persönlichkeit. Trotzdem gibt es bereits einige Bücher zu Österreichs ehemaligem Kanzler. Und nun beschäftigen sich auch zwei österreichische Filme mit Kurz, der im Oktober 2021 als Kanzler zurücktrat.

„Projekt Ballhausplatz“ heißt das am 21. September erschienene Werk, von dem die Regierungspartei ÖVP bereits im Frühjahr behauptete, es handle sich um linke Propaganda, die mit Steuergeldern mitfinanziert werde.

Der Titel spielt auf die Wiener Adresse des Bundeskanzleramtes an, aber auch auf das Strategiepapier, in dem Kurz und einige Mitstreiter das Vorgehen skizzierten, wie sie in der ÖVP die Macht erlangen wollten.

Gleichsam aus dem Nichts drängte kurz vor „Projekt Ballhausplatz“ ein zweites Werk an die Öffentlichkeit – „Kurz. Der Film“ des Regisseurs Sascha Köllnreitner. Dieser war umso überraschender, da vorher kaum jemand von dem Projekt, das am 8. September Premiere feierte, etwas gehört hatte.

„Kurz. Der Film“ wurde auf eine Art beworben, die man eher von neuen Smartphones und deutschen Luxusautos kennt. An einer Autobahn, der Wiener Tangente, prangte ein riesiges Plakat mit einem Bild von Kurz. Man habe den Film mit einem „Bang“ in Umlauf bringen wollen, sagte einer der Produzenten.

Filme unterscheiden sich stark

Sogleich kam in Wien jedoch das Gerücht auf, Kurz oder ehemalige Weggefährten hätten den Film finanziert. Das Ziel des Politikers sei es, im Gespräch zu bleiben, um in einem günstig erscheinenden Zeitpunkt ein politisches Comeback zu geben. Derzeit ist der ehemalige Kanzler als Unternehmer tätig.

Die beiden Filme über den ehemaligen Kanzler unterscheiden sich stark.

Foto: IMAGO/photonews.at

Die Macher von „Kurz. Der Film“ bestreiten jedoch, dass der Film vom ehemaligen Kanzler mitfinanziert worden ist. Sie verneinen auch, dass man mit der hastigen Veröffentlichung das Konkurrenzwerk habe „abstechen“ wollen.

Die beiden Filme unterscheiden sich stark. „Kurz. Der Film“ ist ein rasant geschnittenes Werk, in dem Kurz und Weggefährten ausführlich zu Wort kommen, kaum jedoch Kritiker. Kurz redet über sein neues Leben in der Wirtschaft, man sieht ihn auf Geschäftsreisen in Tel Aviv und in New York.

Die Bilder zeigen, was Kurz auch sonst gerne antönt: Österreich ist für ihn bloß noch eine Nebenbühne, dem Kleinstaat ist er entwachsen. Der Regisseur Köllnreitner sagt, er habe es dramaturgisch spannender gefunden, über Kurz ein Porträt zu drehen statt eine politische Abhandlung über dessen Aufstieg.

Genau diesen dezidiert politischen Anspruch verfolgt Kurt Langbein mit seinem Film, einem formal eher konventionellen Werk. Er habe sich die Frage gestellt, wie es einer Truppe von jungen Männern in drei Jahren habe gelingen können, die ÖVP und dann die Republik zu erobern, sagte der Regisseur in einer Diskussion.

National bekannt wurde Kurz, als er 2011 den Posten des Integrationsstaatssekretärs im Innenministerium übernahm. Heute blicken selbst Kurz“ Kritiker mit einer gewissen Wehmut auf jene Zeit zurück.

In der Auslandspolitik hatte der junge Politiker den Slogan „Integration durch Leistung“ kreiert, eine polemische Diskussion über Minarette und Kopftücher verbat er sich dagegen. Kurz wollte damit zum Ausdruck bringen, dass Österreichs multikulturelle Gesellschaft funktioniere, wenn sich die Einheimischen und die Ausländer anstrengten und auf Kulturkampf verzichteten.

Mit den Jahren ist Kurz laut Kritikern aber zum Rechtspopulisten geworden: Er operierte mit Halbwahrheiten, und viele seiner Aktionen als Kanzler waren Effekthascherei. Ein ernsthaftes Problem hat der Politiker laut dieser Interpretation hingegen nicht gelöst. Er wolle Kurz deshalb die Maske herunterreißen, sagt Langbein.

Interviewen ließ sich Kurz vom Regisseur allerdings nicht; verweigert haben sich auch die meisten jener Mitstreiter, die bei Köllnreitner ausführlich zu Wort kommen. Im Abspann von Langbeins Film sind über dreißig Personen aufgeführt, die ihm kein Interview geben wollten.

Kurz wird Österreich weiterhin beschäftigen

Nachhaltig in Erinnerung bleiben werden die beiden Filme nicht, dafür sind sie zu gewöhnlich. Die Person Kurz dagegen wird Österreich weiterhin beschäftigen. Im Oktober muss er vor Gericht erscheinen. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft verdächtigt ihn, in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss eine Falschaussage gemacht zu haben.

Wie immer das Urteil ausfallen wird, Freund und Feind werden sich in Kurz' Einschätzung vermutlich bestätigt sehen. Wird er freigesprochen, dürfte es bedeuten, die linke Justiz verfolge den ehemaligen Kanzler und die ÖVP. Gibt es einen Schuldspruch, werden Kurz' Feinde das wohl als weiteren Beweis dafür ansehen, wie verdorben die Sitten in der Republik waren.

Die Veröffentlichung der beiden Kurz-Filme scheint zur Posse zu werden. Diese Woche schrieb die Zeitung „Falter“, die Vermarktungsfirma von „Kurz. Der Film“, Opus R, habe Kartenkontingente gekauft, um die schlechte Verkaufsbilanz aufzupolieren. Opus R sagt, man habe bloß Tickets erworben für PR-Events. Wer etwas anderes behaupte, wende Diffamierungsmethoden an.

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Die flaue Nachfrage nach Karten ist allerdings ein schlechtes Vorzeichen für einen weiteren Kurz-Film, der vor der Veröffentlichung stehen soll: „Sebastian Kurz – the truth“ des kroatischen Regisseurs Jakov Sedlar, der den Ex-Kanzler in einem Interview als charismatische Persönlichkeit bezeichnete.

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