Deep Dive: Führung neu gedacht: Die Macht von Open Leadership
Düsseldorf. Fragt man Studierende danach, was ihnen bei ihrem zukünftigen Arbeitgebenden wichtig ist, so stehen das Gehalt und die Jobsicherheit ganz oben auf ihrer Liste. Doch Einmal im Job angekommen, ändern sich aber die Prioritäten. Laut einer Befragung des Personaldienstleisters Hays wünschen sich in der DACH-Region die Beschäftigten vor allem einen offenen Umgang mit kritischen Themen und die Übernahme von Verantwortung durch Mitarbeitende.
Strenge Hierarchien sind nicht mehr gefragt – im Gegenteil. Auch das Aufbrechen von starren Abstimmungsstrukturen schafft es in der Studie in die Top-Ten der meistgewünschten Veränderungen. Aber wie sieht diese im Alltag aus?
Das Prinzip „Open Leadership“ wird in diesem Kontext immer wieder genannt. Open Leadership ist ein Führungsstil, der Transparenz, Partizipation und Gemeinschaftsbildung betont. Es fördert Innovation und Agilität durch offene Kommunikation und Zusammenarbeit. Jeder darf mitentscheiden, jeder wird gehört. Die beste Idee gewinnt, nicht die wichtigste Person im Raum.
Ein Prinzip, dass am Anfang ungewohnt sein kann, weiß auch Dinko Eror, Vice President Sales EMEA beim Open-Source-Softwareanbieter Red Hat.
„Ich erzähle ich immer wieder gerne von meinem ersten Arbeitstag. Ich habe an mein Leadership Team eine Mail geschickt und erzählt, was ich gerne in meiner erste Woche alles erreichen möchte. Und kein Mensch hat darauf reagiert. Warum? Weil ich die Diskussion überhaupt nicht zugelassen habe. Ich kam mit meiner Lebens- und Berufserfahrung und ich dachte, ich bin jetzt der Schlauste hier. Und das Team hat einfach reagiert und hat gesagt: so nicht, mein Lieber“, erzählt Eror lachend.
Heute ist er vom Prinzip der Open Leadership überzeugt. Mehr Motivation, bessere Ergebnisse und dadurch auch zufriedenere Kunden. Auch für Mitarbeitende kann dieser Führungsstil jedoch herausfordernd sein. Denn er erfordert viel Eigeninitiative. Doch die Zufriedenheit überwiegt, sagt Eror. Und findet auch für sich viele Vorteile. „Die Welt ist wirklich komplex geworden. Dass wir alle gemeinsam an Problemen arbeiten, erleichtert meine Arbeit. Ich gehe entspannt zur Arbeit, weil ich weiß, dass ich mich nicht schämen muss, die Hand zu heben und zu sagen: Lasst uns das diskutieren. Was denkt ihr darüber?“, sagt Eror.
Wie Eror und sein Team „Open Leadership“ im Berufsalltag leben, erfahren sie in der aktuellen „Hearconomy“ Folge. Hören Sie auch:
- welche Voraussetzungen nötig sind, damit Open Leadership in einem Unternehmen funktioniert,
- wie Führungskräfte mit dem Zulassen von Fehlern umgehen müssen,
- wie die konkrete Einführung des neuen Führungsstils aussehen kann und vieles mehr.
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