Nach Zyklon „Pam“: Hilfe läuft an für verwüstetes Vanuatu
Sydney. Das Rote Kreuz hat am Sonntag erste Versorgungsgüter in die Hauptstadt Port Vila gebracht. Doch das ganze Ausmaß der Verwüstung und die Zahl der Opfer war auch einen Tag nach dem Wirbelsturm unklar. Viele der 65 Inseln des Pazifikstaats mit rund 270.000 Menschen waren von der Außenwelt abgeschnitten. Die Behörden sprachen zunächst von acht, dann nur noch von zwei bestätigten Todesfällen. Tatsächlich dürfte die Opferzahl jedoch höher liegen. Das Uno-Büro für die Koordination von Hilfseinsätzen zitierte unbestätigte Berichte über mindestens 44 Tote im Nordosten der Inselgruppe - was aber mangels Telefon-, Funk- oder Internetverbindungen nicht zu ermitteln war.
„Wir haben es noch nicht geschafft, (zu den Regionen) außerhalb von Port Vila Verbindung aufzunehmen“, sagte Paolo Malatu, Koordinator des Nationalen Katastrophenschutzes. „Wie es jetzt aussieht, sind die Schäden schlimm, und wir haben noch keine Zahlen, wie viele Häuser zerstört wurden. Es ist wirklich schlimm, es ist wirklich schlimm.“
Regierung rief den Notstand aus
Behördenvertreter sollten am Montag mit Hubschraubern, Kleinflugzeugen und militärischem Fluggerät auf die weit draußen gelegenen Inseln fliegen, um einen Überblick zu bekommen. Die Regierung rief den Notstand aus. Australien und Neuseeland schickten sofort Hilfsgüter. Vanuatu liegt östlich von Australien im pazifischen Ozean.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte einen Noteinsatz der Vereinten Nationen an. Nach Schätzungen des Uno-Kinderhilfswerks Unicef waren 54.000 Kinder unter den Betroffenen des Zyklons.
Am Sonntag war das Wetter wieder ruhiger, nachdem „Pam“ in der Nacht zum Samstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 Kilometern pro Stunde über das Inselreich gepeitscht war. In Port Vila seien die meisten Häuser schwer beschädigt oder völlig zerstört, sagte Isso Nihmei von der Umweltgruppe 350. „Die meisten Menschen sind jetzt wirklich wohnungslos.“ So einen schweren Zyklon habe es seit Jahren nicht gegeben.
Am Sonntag verließen viele Menschen die 23 Notunterkünfte der Hauptstadt, um den Schaden in Augenschein zu nehmen. Viele fanden ihre Häuser nicht mehr, weil sie weggeblasen oder zerstört waren, wie die Sprecherin der Hilfsorganisation World Vision, Chloe Morrison, sagte. Halb umgestürzte Bäume und abgerissene Stromleitungen machten Teile der Stadt gefährlich.
Versorgung mit Essen, Trinkwasser und Notunterkünften
Vanuatus Präsident Baldwin Lonsdale war zum Zeitpunkt des Zyklons auf der Weltkonferenz zur Katastrophenvorsorge in Japan und hatte nach eigenen Angaben zunächst auch keine genauen Informationen. „Unsere Hoffnung auf eine blühende Zukunft ist zerstört“, sagte Vanuatus Präsident Baldwin Lonsdale um Fassung ringend vor den Delegierten einer Uno-Konferenz zur Katastrophenvorsorge in Japan. „Ich spreche heute zu Ihnen mit einem Herzen, dass so schwer ist“, sagte Lonsdale und bat um Hilfe für sein Land. Morrison sagte, das Wichtigste sei nun die Versorgung mit Essen, Trinkwasser und Notunterkünften. Auf lange Sicht sei dann eine gemeinsame Anstrengung zum Wiederaufbau nötig.
Der Zyklon hatte bereits Schäden auf anderen Pazifikinseln angerichtet, darunter Kiribati und die Salomonen. Nun macht sich Neuseeland für den Sturm bereit, der das Land am Sonntag und Montag treffen soll. Vanuatu hat wiederholt Auswirkungen des Klimawandels beklagt. Küstengebiete sind demnach vom Ozean weggespült worden, Einwohner mussten in höher gelegene Gebiete umgesiedelt werden.
Häuser und Hütten durch die Luft gewirbelt
Einer der gefährlichsten Zyklone der Neuzeit hat am Samstag im Südpazifik plötzlich seine Richtung geändert und war mit voller Wucht auf den dicht besiedelten Inselstaat Vanuatu getroffen. Zehntausende Menschen leben direkt in der Schneise von „Pam“. Sturmböen mit mehr als 300 Kilometern in der Stunde, sollen nach ersten Berichten von Mitarbeitern des Roten Kreuzes Häuser und Hütten durch die Luft gewirbelt haben. Das UN-Büro für Nothilfe (Ocha) erwähnte unbestätigte Berichte von mindestens 44 Toten.
„Es ist klar, dass die volle Wucht des Super-Zyklons (die Inseln) deutlich schlimmer getroffen hat als vorhergesagt“, berichtete Unicef-Sprecherin Alice Clements am Samstag aus der Hauptstadt Port Vila. „Dies ist mit Sicherheit eine Katastrophe für die Einwohner.“ Die Sturmböen hätten in ihrem dreistöckigen Hotel die Schiebetüren aus der Verankerung gerissen. „Es war furchteinflößend“, sagte sie.
„Pam“ ist ein Zyklon der gefährlichsten Kategorie 5. „Es ist noch zu früh, dies mit Sicherheit zu sagen, aber die ersten Berichte lassen vermuten, dass diese Wetterkatastrophe die schlimmste sein könnte, die diese Pazifikregion je getroffen hat,“ meinte Unicef-Neuseeland-Direktorin Vivien Maidaborn. Allein die direkt getroffene Hauptinsel mit der Hauptstadt Port Vila hat 65.000 Einwohner. Der Zyklon zog anschließend Richtung Süden. Auf den dortigen Inseln leben nach UN-Angaben weitere 32.000 Menschen.
Telekommunikation bricht zusammen
Australische Fernsehsender zeigten erste Videos, die nach ihren Angaben aus der Region stammten. Auf den Bildern waren mächtige Wellen, die über Uferpromenaden schwappten, entwurzelte Bäume und umgeknickte Strommasten zu sehen. „Der Wind war furchteinflößend“, twitterte Chloe Morrison von der Hilfsorganisation World Vision in der Nacht. „Die Bäume biegen sich gefährlich, ein verbogenes Stück Blechdach ist gerade vor unserem Fenster heruntergekracht.“
Am Morgen berichtete die Helferin der Nachrichtenagentur dpa: „Ich bin durch die Straßen gegangen, es ist ein Bild absoluter Verwüstung. Unzählige Häuser sind einfach fortgerissen, nur die stärksten Betonbauten haben dem Sturm standgehalten - und davon gibt es nicht so viele.“ Mindestens 10.000 der 44.000 Einwohner seien obdachlos. Die meisten lebten in 23 Notunterkünften. In der Stadt gebe es keinen Strom, nur wacklige Mobilfunkverbindungen und über Stunden kein fließendes Wasser.
Das Telekommunikationsnetz war nach Angaben des Roten Kreuzes in der Nacht zusammengebrochen. Das genaue Ausmaß der Schäden war daher zunächst unklar. Zuletzt waren bei Zyklon Lusi, einem Kategorie-2-Sturm, im März 2014 auf Vanuatu zehn Menschen ums Leben gekommen.
Vanuatus Präsident Baldwin Lonsdale nahm in Japan an der Uno-Konferenz zur Katastrophenvorsorge teil. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon versprach dem Land bei einem Gespräch mit Lonsdale Hilfe. Seine Gedanken seien bei den Einwohnern.
Auf Vanuatu warnte die lokale Meteorologiebehörde vor „höchst zerstörerischen Winden“ und heftigen Sturmfluten. „Verheerender Regen, Überschwemmungen, Sturzfluten sind in niedrig gelegenen Gebieten und entlang von Flüssen zu erwarten“, teilte sie mit.