Geldpolitik: „Dear Scott...“ – skurriler Streit über die Zukunft der Fed
Scott Bessent ist immer für eine Überraschung gut. Der Finanzminister der USA ist bisher im Zusammenhang mit zwei Themen aufgefallen:
- Er hat immer wieder wie ein Echo von US-Präsident Donald Trump drastische Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed) gefordert.
- Zugleich ringt er um eine Lösung der Schuldenkrise, die er selbst als Finanzminister mitzuverantworten hat.
Beides passt vordergründig zusammen: Niedrigere Zinsen erleichtern die Schuldenlast. Dem ehemaligen Hedgefondsmanager dürfte aber nicht entgangen sein, dass er bei den langfristigen Papieren höhere Zinsen bieten muss, wenn die Investoren befürchten, dass die Fed mit Zinssenkungen die Inflation antreibt.
Im Frühjahr startete Bessent eine weitere Attacke auf die Fed, die sehr interessante Reaktionen hervorgerufen hat. In einem Artikel für die Zeitschrift „The International Economy“ schrieb er: Die Notenbank habe durch ihre großzügige Geldpolitik die Ungleichheit in den USA verschärft und damit der Arbeiterklasse, die Trumps Politik ja angeblich besonders unterstützen soll, geschadet.
Inflation bedroht vor allem die Ärmeren
Nach der großen Finanzkrise habe sie durch Käufe von Staatsanleihen Geld in die Kapitalmärkte gepumpt und damit den Aktienmarkt aufgebläht, was vor allem gut betuchten Amerikanern zugutekomme. Bessent fordert eine gründliche, aber nicht näher erläuterte Erneuerung der Fed.
Die Argumentation ist schlüssig und alles andere als neu. Nur: Sie passt überhaupt nicht dazu, jetzt trotz weiterhin zu hoher Inflation noch mehr Zinssenkungen von der Fed zu verlangen. Denn wenn die Inflation wieder außer Kontrolle gerät, sind gerade die weniger betuchten Verbraucher davon übel betroffen. Am Mittwoch wird die Fed aller Wahrscheinlichkeit nach wegen der Schwäche des Arbeitsmarkts trotzdem die Zinsen senken – aber genau das ist problematisch.