Musterdepots – das Dynamik-Depot: Wird die Fed nach der EZB-Zinssenkung bald nachziehen?
München. Über Jahrzehnte hinweg setzten die Zentralbanken der G7-Staaten ein Inflationsziel von etwa zwei Prozent fest. Dieses Ziel führt dazu, dass sich die Preise innerhalb von 36 Jahren, also innerhalb einer Generation, verdoppeln. Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von vier Prozent würde sich die Verdopplung der Preise bereits innerhalb von 18 Jahren vollziehen.
Das Zwei-Prozent-Ziel ist daher ein sinnvoller Wert. Einerseits verhindert er ökonomisch nachteilige deflationäre Tendenzen, andererseits dämmt er eine übermäßige Preisdynamik ein.
Aufgrund der Verwerfungen nach der Coronapandemie und der Energiekrise infolge des Ukrainekriegs ist das Inflationsziel in den vergangenen Jahren nicht erreicht worden. So deutete bereits in der letzten Sitzung der Federal Reserve (Fed) des Jahres 2022 US-Notenbankchef Jerome Powell eine mögliche Änderung des Inflationsziels von zwei Prozent an.
Die Bank of Canada schritt voran
Meiner Meinung nach hat die Fed bereits vor eineinhalb Jahren erkannt, dass sie die Inflationsrate von zwei Prozent nur erreichen kann, wenn sie eine starke Rezession in Kauf nimmt. Das möchte sie jedoch unbedingt vermeiden.
In dieser Woche hat die Bank of Canada die Zinsen zum ersten Mal seit vier Jahren von 5,0 auf 4,75 Prozent gesenkt, obwohl die Inflation in Kanada weiterhin hartnäckig bei 2,7 Prozent liegt. Am Donnerstag ist die Europäische Zentralbank (EZB) gefolgt und hat die Zinsen ebenfalls gesenkt. Dabei verharrt die Kerninflationsrate der Euro-Zone derzeit bei 3,0 Prozent.
Meiner Ansicht nach wird die Fed trotz aller verbalen Beteuerungen von ihrer Aussage „Higher for longer“ abweichen. Sie wird die Zinsen spätestens im September zum ersten Mal senken, obwohl die Kerninflationsrate in den USA hartnäckig bei etwa drei Prozent liegt. Das BIP-Wachstum in den USA bleibt hinter den Erwartungen zurück, das Konsumentenvertrauen schwindet, und auch die Frühindikatoren für den Industriesektor weisen nach unten. Die US-Notenbank wird spätestens handeln, wenn sich herausstellt, dass das vermeintlich starke Jobwachstum im Land eine Illusion war.
Werden steigende Zinsen die Schwäche des Yens beenden?
Der schwache Yen erhöht den Inflationsdruck in Japan. Höhere Inflationserwartungen und die Aussicht auf steigende Zinsen spiegeln sich deutlich in den Renditen japanischer Staatsanleihen wider. Die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen notierten zeitweise bei über einem Prozent. Das ist der höchste Stand seit mehr als elf Jahren. Je länger dieser Anstieg in Japan anhält, desto größer wird der Druck auf die Anleiherenditen in anderen Industrieländern.
Der bisherige Kursanstieg japanischer Aktien wurde maßgeblich durch den starken Rückgang des Yens unterstützt. Vor diesem Hintergrund stellt sich für Anleger die zentrale Frage, ob steigende Zinsen in Japan die Schwäche des Yens beenden könnten. Dies würde wiederum die fortgesetzte Rekordjagd am Aktienmarkt beeinträchtigen.
Die Allokation des Dynamik-Depots bleibt größtenteils unverändert. Allerdings habe ich beschlossen, eine erste Position im Softwareunternehmen Adobe einzugehen. Das Unternehmen stand bereits seit einiger Zeit auf meiner Watchlist und hat seit seinem Allzeithoch um über 30 Prozent korrigiert.
US-Aktienmarkt: Große Divergenzen!
Adobe ist ein dominanter Anbieter von Kreativsoftware mit kontinuierlich starkem finanziellen Wachstum. Adobe erzielt hohe Umsätze und Gewinne, unterstützt durch ein robustes Abonnementmodell, das für wiederkehrende Einnahmen sorgt. Dies schafft finanzielle Stabilität und vorhersehbares Wachstum.
Darüber hinaus bleibe ich bei weiteren Investitionen im Aktienbereich zurückhaltend. In den letzten Jahrzehnten sind die Bewertungsniveaus des US-amerikanischen Aktienmarkts sukzessive gestiegen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 23 haben sie ein historisch überdurchschnittliches Niveau erreicht.
Während der S&P-500-Index seit Jahresbeginn um 13 Prozent gestiegen ist, verzeichnen die sogenannten „Magnificent Seven“ einen Anstieg um 30 Prozent. Nvidia allein ist in den letzten fünf Monaten um unglaubliche 145 Prozent gestiegen und gehört seit dieser Woche neben Microsoft und Apple zu den Unternehmen, deren Marktkapitalisierung die Drei-Billionen-Dollar-Marke überschritten hat.
Im Gegensatz dazu sind die restlichen 493 Unternehmen des S&P 500 nur um 6,5 Prozent gestiegen. Diese große Divergenz zwischen Sektoren und Einzeltiteln kann meiner Meinung nach langfristig nicht bestehen bleiben.