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Bettina Orlopp und Roland Boekhout Das sind die aussichtsreichsten Kandidaten für den Commerzbank-Chefposten

Der Ex-McKinsey-Beraterin und dem vorigen ING-Diba-Chef werden gute Chancen auf die Nachfolge von Martin Zielke eingeräumt. Wer sind die beiden möglichen Thronfolger?
07.07.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Den beiden Commerzbank-Vorständen werden intern die besten Chancen auf die Nachfolge von CEO Zielke eingeräumt. Quelle: U. Baumgarten via Getty Images, obs [M]
Roland Boekhout und Bettina Orlopp

Den beiden Commerzbank-Vorständen werden intern die besten Chancen auf die Nachfolge von CEO Zielke eingeräumt.

(Foto: U. Baumgarten via Getty Images, obs [M])

Frankfurt Bettina Orlopp hält nichts von vorlauten Ansagen. Als sie beim Handelsblatt CFO Summit Mitte Juni gefragt wird, ob sie Nachfolgerin von Vorstandschef Martin Zielke werden will, weist die 50-Jährige die entsprechende Forderung eines Aktionärs mit einem Lächeln im Gesicht zurück. Sie habe als Finanzchefin erst im März eine heraufordernde Rolle übernommen, die sie gerne wahrnehme, sagt Orlopp. „Wir sind ein gutes Team – das passt so, glaube ich.“

Drei Wochen später passt an der Spitze der Commerzbank nichts mehr, denn Vorstands- und Aufsichtsratschef haben am Freitagabend überraschend ihren vorzeitigen Rückzug angekündigt. Und intern gilt Orlopp neben Firmenkundenchef Roland Boekhout als aussichtsreichste Kandidatin für die Zielke-Nachfolge.

Falls Orlopp am Ende den Zuschlag bekommt, wäre sie die erste Chefin in der 150 Jahre langen Geschichte des Instituts. Die Managerin hat einst in Regensburg Betriebswirtschaft studiert und anschließend – wie einst ihr Vater – bei der Unternehmensberatung McKinsey angeheuert. Dort stieg sie mit 32 Jahren zur Partnerin auf und gab im gleichen Jahr ihre Promotion an der Universität Regensburg ab. Anschließend brachte sie zwei Kinder zur Welt und arbeitete vorübergehend in Teilzeit für die Beratungsfirma.

2014 lotste sie der damalige Commerzbank-Chef Martin Blessing, der selbst lange für McKinsey gearbeitet hatte, nach Frankfurt. Bei den Gelben stieg Orlopp 2017 als erste Frau überhaupt in den Vorstand auf.

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    In der Bank und auch bei Investoren genießt sie einen exzellenten Ruf. Intern trauen Orlopp viele zu, dass sie als CEO neue Akzente setzen würde. „Sie hat in den letzten Jahren immer mal wieder erkennen lassen, dass nicht alles ihre ungeteilte Zustimmung findet, was Herr Zielke mit der Bank so vorhatte“, sagt ein Commerzbank-Insider.

    Einige Aktionäre sind jedoch der Ansicht, dass sich Orlopp erst mal ein paar Jahre als Finanzchefin bewähren sollte, bevor sie den nächsten Schritt macht. Andere finden, sie habe für eine Vorstandschefin möglicherweise zu wenig Erfahrung im Kundengeschäft.

    „Ich mag Deutschland, ich mag Frankfurt“

    Das trifft auf Boekhout nicht zu. Der Niederländer war von 2010 bis 2017 Vorstandschef der Direktbank ING-Diba in Frankfurt und hat sich in dieser Zeit als Vorreiter bei der Digitalisierung präsentiert. „Filialen sind eine Last, nicht eine Lust“, sagte Boekhout im Februar 2017 auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz als ING-Diba-Chef. Zur Commerzbank, die Finanzkreisen zufolge die Schließung von knapp 450 ihrer insgesamt 1000 Filialen erwägt, würde er damit als CEO durchaus passen.

    Für Boekhout spricht aus Sicht von Investoren auch, dass er erst Anfang 2020 vom niederländischen Konkurrenten ING zur Commerzbank gewechselt ist und somit einen frischen Blick auf das Frankfurter Institut hat. Auf alte Seilschaften müsste er beim anstehenden Umbau des Geldhauses keine Rücksicht nehmen.

    Darüber hinaus verweisen Investoren auf seine gute Bilanz als Chef der ING-Diba. Boekhout hat das Institut nicht nur auf Effizienz getrimmt. Er baute es auch von einer Direktbank für Privatkunden zu einem Institut mit beachtlichem Firmenkundengeschäft aus. Auch bei den meisten Mitarbeitern kam der Vater von vier Kindern, der Deutsch mit niederländischem Akzent spricht, mit seiner lockeren Art gut an.

    Von Mai 2017 bis Ende 2019 kümmerte sich Boekhout bei der ING in Amsterdam um das Geschäft in Benelux und die Implementierung einer integrierten Banking-Plattform in Belgien und den Niederlanden. Insidern zufolge war dies wegen interner Reibereien keine vergnügungssteuerpflichtige Aufgabe.

    Hinzu kam, dass Boekhout und seine deutsche Frau aus privaten Gründen zurück nach Deutschland wollten. „Als ich angesprochen wurde, ob ich Vorstand bei der Commerzbank werden will, musste ich nicht lange überlegen“, sagte Boekhout kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Ich mag Deutschland, ich mag Frankfurt.“

    Boekhout schätzt die Internationalität der Stadt und die kurzen Wege. Zudem hat er hier noch viele alte Bekannte. Als er im Februar den Neujahrsempfang der Deutsche Börse besucht, ist er fast ununterbrochen am Händeschütteln und Schulterklopfen.

    Darüber hinaus mag Boekhout die Bodenständigkeit der Commerzbank und ihre Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft. „Ich mag die Kultur der Commerzbank und habe schon immer bewundert, wie eng das Verhältnis zwischen der Bank und ihren mittelständischen Firmenkunden ist“, sagt der 56-Jährige. „Das zeigt sich auch jetzt in der Krise wieder.“ Die Kundenbetreuer seien praktisch Tag und Nacht in Kontakt mit den Unternehmen, um diese in Zeiten von Corona zu unterstützen.

    Bereits bei seinem Wechsel zur Commerzbank munkelten einige Frankfurter Banker, dass Boekhout CEO-Format habe und somit eine Alternative zum fast gleichaltrigen Zielke sei. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich nun zeigen, ob der Commerzbank-Aufsichtsrat von dieser Option Gebrauch macht.

    Mehr: Commerzbank plant harte Einschnitte - Strategieprozess verzögert sich.

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