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  5. Dem Finanzplatz London droht ein schleichender Bedeutungsverlust

KommentarDer Finanzplatz London wird nicht untergehen – zumindest nicht so schnell

Die größte Gefahr für die City ist ein schleichender Bedeutungsverlust, nicht ein harter Brexit. Die Attraktivität der britischen Hauptstadt hat gelitten.Michael Maisch 04.02.2020 - 18:35 Uhr

Der Brexit wird Europas wichtigstem Finanzzentrum langfristig schweren Schaden zufügen, egal wie die Verhandlungen zwischen der EU und den Briten ausgehen.

Foto: Reuters

Emotional war der Abschied der EU-Europäer von den Briten auf jeden Fall. Von Wehmut, über Enttäuschung bis hin zu kaum verhohlenem Ärger reichten die Emotionen, als es vor einigen Tagen endgültig so weit war. Mit Großbritannien verlieren die Kontinentaleuropäer nicht nur einen über Jahrzehnte wertvollen – wenn auch schon seit langer Zeit nicht unbedingt treuen – Partner, sondern auch das mit Abstand wichtigste Finanzzentrum der EU.

Das ist alles andere als trivial, denn die effiziente Allokation von Kapital zählt zu den zentralen Aufgaben in einer funktionierenden Marktwirtschaft. Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass sich dank der vereinbarten Übergangsfrist an Londons Status mit dem offiziellen Brexit erst einmal gar nicht so viel ändert, egal ob jetzt ein paar Banker mehr oder weniger von London nach Dublin, Frankfurt und Paris umziehen.

Das Schicksal der City wird sich später entscheiden, vielleicht sogar erst sehr viel später. Der nächste entscheidende Schritt werden die Verhandlungen über das künftige Verhältnis der abtrünnigen Briten zum Rest der EU in den kommenden Monaten sein. Der neue Premierminister Boris Johnson hat bereits klargemacht, dass er aus der City gerne eine Art „Singapur an der Themse“ machen möchte: einen Finanzplatz, der mit niedrigen Steuern und nennen wir es einmal schlanker Regulierung Finanzfirmen aus der ganzen Welt anlockt.

Die Sache hat nur einen Haken: Fallen die Regeln allzu lax aus, werden die Europäer (hoffentlich) die Grenzen zum Binnenmarkt dichtmachen. Warum aber sollte sich ein internationaler Finanzkonzern für London entscheiden, wenn er den Standort nicht als Brückenkopf für die Eroberung der EU-Märkte nutzen kann?

Aber selbst wenn sich die EU und Großbritannien zügig auf Regeln für den gegenseitigen Marktzugang einigen können, wäre das allenfalls eine kurzfristige Entwarnung für die City. Der Finanzplatz London profitiert von einer über Jahrzehnte hinweg gewachsenen Infrastruktur, zu der nicht nur Banken und Vermögensverwalter gehören, sondern auch Anwälte, Berater und andere Dienstleister. Hat es nach dem Brexit noch Sinn, diese Infrastruktur an einem einzigen Ort zu konzentrieren? Wahrscheinlich nicht.

Zumal London durch den Brexit und seine hässlichen Begleiterscheinungen zumindest einen Teil seiner Anziehungskraft für junge, ehrgeizige und talentierte Menschen aus ganz Europa eingebüßt hat und damit einen seiner wichtigsten Wettbewerbsvorteile.

Die größte Gefahr für die City ist nicht der große Knall durch einen harten Brexit, sondern der schleichende Niedergang in den kommenden Jahren.

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