Nach geplatzter Übernahme: Aareal Bank zeigt sich offen für eine Trennung von ihrer IT-Tochter
Aareal Bank in Wiesbaden.
Foto: PRFrankfurt. Die Aareal Bank zeigt sich nach der geplatzten Übernahme durch Finanzinvestoren nun offener für eine Trennung von ihrer Softwaretochter Aareon. „Der Übergang der Aareon in neue Eigentümerhände, sei es durch einen Verkauf oder einen Börsengang, ist für uns mit Blick auf unser Zieljahr 2025 kein Tabu“, sagte Vorstandschef Jochen Klösges am Donnerstag bei der Vorstellung der vorläufigen Jahresergebnisse.
Die Zukunft der Softwaretochter ist der wichtigste Streitpunkt zwischen dem Wiesbadener Immobilienfinanzierer und einigen seiner größten Aktionäre. Aktivistische Hedgefonds wie Petrus Advisers und Teleios fordern schon länger eine Abspaltung von Aareon, weil sie dies aus Aktionärssicht für attraktiver halten.
Der Streit um Aareon war einer der Gründe für den Widerstand der beiden Großaktionäre gegen das Kaufangebot der Finanzinvestorengruppe um Advent. Viele andere Aktionäre hatten sich dieser kritischen Sicht angeschlossen: Die selbst gesetzte Annahmeschwelle von 60 Prozent hatten Advent, Centerbridge und der kanadische Pensionsfonds CPPIB mit 42,55 Prozent jedenfalls um Längen verfehlt.
Der Wunsch, als Aareal-Aktionär von einer künftigen Wertsteigerung der Aareon zu profitieren, dürfte dabei Marktbeobachtern zufolge eine Rolle gespielt haben. Nun betonte Klösges, ein Verkauf oder Börsengang der IT-Tochter sei „immer eine Option gewesen, die wir uns aber erst noch erarbeiten müssen“. Noch sei es dafür zu früh, weil „wir noch den Wachstumserfolg der Aareon beweisen wollen und müssen, um eine dem Potenzial angemessene Bewertung auch zu erzielen“.
Aareal-Bank-Chef Klösges schließt eine Abspaltung der Aareon, an der der Finanzinvestor Advent mit 30 Prozent beteiligt ist, aber nach wie vor aus. Anders als bei einem Börsengang müsse die Softwaretochter bei einer Abspaltung für die Aareal Bank nachhaften, argumentiert er. Außerdem gebe es für einen solchen Schritt keine vertraglichen Regelungen mit dem Aareon-Minderheitsaktionär Advent.
Laut Klösges hat sich der Aareon-Co-Investor Advent dazu verpflichtet, seinen Anteil von 30 Prozent bis 2025 zu halten. Vereinbart seien außerdem bestimmte „Schutzrechte“ für den Finanzinvestor Advent wie etwa eine gewisse Mindestverzinsung. Beide Partner hätten außerdem Vorkaufsrechte für den Anteil des jeweils anderen.
Anders als Advent kann sich die Aareal Bank allerdings auch schon vor 2025 von ihrem Anteil trennen. „Wir können uns so einen Schritt grundsätzlich dann vorstellen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, so Klösges.
Plan A sieht allerdings vor, die Aareon zusammen mit Advent bis 2025 zu einem „Rule of 40“-Unternehmen zu entwickeln. Diese Kennziffer spielt für Softwarefirmen eine wichtige Rolle und setzt Umsatzwachstum und Profitabilität eines Unternehmens in Beziehung. Umsatzwachstum und die operative Marge werden dabei addiert. Ist die Summe daraus höher als 40, gilt ein Unternehmen als sehr gesund.
Nach der von den Aktionären mit deutlicher Mehrheit gescheiterten Übernahme will sich Klösges nun um Unterstützung seiner Investoren bemühen. Er kündigte einen „intensiven Dialog“ mit den Aktionären an. Damit will er auch einen stärkeren Einfluss der Hedgefonds Petrus Advisers und Teleios verhindern.
Konfrontationskurs zu den Hedgefonds
„Manche Aktionäre, die sich selbst als Aktivisten bezeichnen, haben für die Aareal Bank Gruppe andere Ideen, die diplomatisch ausgedrückt, eher kurzfristigen Interessen folgen“, sagte er. Der Vorstand habe dagegen die Aufgabe, das Unternehmen langfristig zum Wohle aller Aktionäre zu entwickeln. „Wir befinden uns in gewisser Weise in einem Wettbewerb der Konzepte. Diesem Wettbewerb stellen wir uns gern“, so Klösges.
Er betonte, die Aktivisten wollten die Kontrolle über die Aareal Bank erreichen, ohne eine Mehrheit zu haben. „Ihr erklärtes Ziel, die Besetzung des Aufsichtsrats substanziell zu ändern, spricht jedenfalls eine eindeutige Sprache.“
Mit diesen Aussagen geht Klösges auf Konfrontationskurs zu Petrus Advisers und Teleios, die gemeinsam rund 20 Prozent der Anteile kontrollieren. Der Londoner Hedgefonds Petrus hatte unmittelbar nach der geplatzten Übernahme betont, dass er bei der Aareal Bank „langfristig investiert“ sei und als größter Investor „rasche Veränderungen in den Führungsgremien“ erwarte.
Der Versuch, bei der Aareal Bank drei von ihm ausgewählte Aufsichtsratsmitglieder zu installieren, scheiterte auf der außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember nur knapp, vermutlich wegen eines von der US-Großbank Morgan Stanley verursachten Patzers bei der Anmeldung der Teleios-Stimmen.
Diese drei Kandidaten will Petrus auf der nächsten Hauptversammlung im Mai wieder ins Rennen schicken und zusätzlich „unabhängige“ Ersatzleute für Aufsichtsratschef Hermann Wagner und dessen Stellvertreter Richard Peters vorschlagen.
Dividende von 1,60 Euro vorgeschlagen
Die Aareal Bank dürfte darauf hoffen, dass die von ihr vorgeschlagene Dividende die Stimmung ihrer Aktionäre aufhellt. Das Institut will eine Ausschüttung in Höhe von 1,60 Euro je Aktie vorschlagen – 50 Cent für das Jahr 2021 und 1,10 Euro für 2020, die die Bank wegen der gescheiterten Übernahme zunächst zurückgehalten hatte.
Im zweiten Coronajahr war die Aareal Bank überraschend stark in die Gewinnzone zurückgekehrt. Dank einer deutlich gesunkenen Risikovorsorge für drohende Kreditausfälle erzielte das Institut für 2021 unter dem Strich einen Gewinn von 53 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Bank noch Verluste in Höhe von 90 Millionen Euro verbucht.
Für 2022 und die kommenden Jahre nimmt sich der seit Mitte September amtierende Vorstandschef Jochen Klösges deutliche Gewinnsteigerungen vor. So soll das Betriebsergebnis im laufenden Jahr auf 210 Millionen bis 250 Millionen Euro wachsen.
Das wäre wieder annähernd die Größenordnung wie vor der Pandemie. Für 2024 peilt das Management einen weiteren Anstieg auf bis zu 350 Millionen Euro an. Dazu soll dann auch die IT-Tochter Aareon einen signifikanten Teil beisteuern.
Wie die Aareal Bank ebenfalls mitteilte, gab es neben dem bekannten Übernahmeangebot noch eine konkurrierende Offerte anderer Investoren. Nach Aussagen Klösges waren diese aber nicht bereit, mehr als die von Advent und Centerbridge angebotenen 29 Euro je Aktie zu bieten. Das Aareal-Management hatte die Offerte von Advent und Centerbridge unterstützt.