Bilanzskandal bei Wirecard: Die vielen Mitwisser des Markus Braun
Zweieinhalb Monate nach der Insolvenz wird das Innenleben von Wirecard transparenter.
Foto: dpaFrankfurt. Es waren Zahlen, wie Markus Braun sie liebte. Der Umsatz von Wirecard, so verkündete der Vorstandschef am 14. Februar, war 2019 um 38 Prozent gestiegen. Der Gewinn kletterte nach seinen Angaben um 40 Prozent. Mochte die Konkurrenz auch mit Gewinnmargen bei ein paar Prozent herumkrebsen – bei seiner Wirecard AG lag dieser Wert laut Braun bei fast 30 Prozent. „Dies ist ein starkes Ergebnis auf unserem Weg des profitablen Wachstums“, frohlockte Braun. „Es ist vor allem ein sehr deutlicher Beleg für die nachhaltige Ertragsstärke unseres Geschäftsmodells.“
Das war falsch. Braun wusste es besser, und nicht nur er. Gut 250 seiner Mitarbeiter waren ebenfalls informiert. Dem Handelsblatt liegt mehr als ein Dutzend sogenannter Transaktionsübersichten vor. Die Berichte entstanden in der Payment- und Risikoabteilung von Wirecard. Zeile um Zeile ist nachzulesen, dass das abgewickelte Transaktionsvolumen des Münchener Zahlungsdienstleisters nur halb so hoch lag wie jenes, das die Führung offiziell auswies. Auch Produktvorständin Susanne Steidl erhielt laut Insidern die Berichte mit den echten Zahlen.