Signa Development: Weitere Insolvenz bei Signa – Immobilienentwickler strebt Sanierungsverfahren an
München. Der Immobilienentwickler der österreichischen Signa-Gruppe hat wie angekündigt Insolvenz angemeldet. Die Signa Development Selection AG habe am Freitag beim Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt, teilte der Kreditschutzverband KSV1870 mit. Die Verbindlichkeiten lägen nach Angaben des Antragstellers bei 1,16 Milliarden Euro.
Signa Development entwickelt vor allem Projekte abseits von Premium-Innenstadtlagen, wie etwa den Bürokomplex Up in Berlin. Zum Portfolio zählten 39 Immobilienprojekte in Österreich, Deutschland und Südtirol, außerhalb der Bestlagen. Die Tochterfirma Signa Development Finance hat eine Anleihe mit einem Volumen von 300 Millionen Euro ausstehen. Viele auf Hochzinsanleihen spezialisierte Publikumsfonds haben dort investiert, unter anderem die DWS, die Vermögensverwalter Schroders und Invesco.
„Eine der wesentlichen Aufgaben des noch zu bestellenden Sanierungsverwalters wird die Prüfung der Werthaltigkeit der Beteiligungen der Signa Development Selection AG sein“, hieß es in der Mitteilung.
Signa Prime Selection hatte bereits am Donnerstag Insolvenz beantragt
Bei einem Sanierungsverfahren nach österreichischem Recht muss das Unternehmen den Gläubigern eine Quote von 30 Prozent auf ihre Forderungen bieten. Dazu sollen laufende Projekte weitergebaut und bereits abgeschlossene Projekte verkauft werden.
Die größte Immobilien-Tochter des Imperiums von René Benko, die mit Prestigeobjekten auch in deutschen Großstädten beschäftigte Signa Prime Selection, hatte bereits am Donnerstag ein Sanierungsverfahren beantragt, nachdem es nicht gelungen war, frisches Geld aufzutreiben. Dabei hatte Signa auch einen entsprechenden Antrag für die Signa Development in Aussicht gestellt.
Signa Prime ist das Herzstück des Firmenimperiums, das Benko in den vergangenen fast 30 Jahren zusammengefügt hat – und das jetzt ins Wanken geraten ist. Mit der Frage, ob die Sanierung der Prime gelingt, dürfte das Schicksal der gesamten Gruppe verknüpft sein.
Die Gesellschaft hält ein Portfolio von 54 Topimmobilien und Bauvorhaben in Deutschland und Österreich. Darunter befinden sich beispielsweise der in Bau befindliche Hamburger Elbtower, die Warenhäuser KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München, Alsterhaus in Hamburg und die Luxuseinkaufsmeile Goldenes Quartier in Wien.
Sanierung als Vorbild für Signa Development
Das Management um Vorstandssprecher Erhard Grossnigg will nach Handelsblatt-Informationen die Signa Prime im Kern erhalten. Der Immobilienbestand soll im Zuge des Sanierungsverfahrens zwar weitgehend verkauft werden, heißt es in informierten Kreisen. Am Ende soll aber eine Signa Prime mit einer neuen Eigentümerstruktur stehen, die ein Volumen von ein bis zwei Milliarden Euro habe. Derzeit liegt der Wert bei rund 20 Milliarden Euro. Nach dem Vorbild der Prime soll auch die Signa Development saniert werden
Ende November war schon die Signa Holding in die Insolvenz gerutscht. Seit Wochen ringen die Verantwortlichen um die Zukunft der Gruppe, die zu besten Zeiten über ein Immobilienvermögen in Höhe von 27 Milliarden Euro verfügte. Hohe Baukosten, steigende Kreditzinsen und hausgemachte Probleme setzen Signa seit vergangenem Jahr stark unter Druck. Viele Baustellen des Konzerns stehen derzeit still.