Aktien: Diese polnischen Unternehmen bieten Chancen für Anleger
Köln. Polen wählt am 18. Mai seinen neuen Präsidenten. Diese Wahl ist auch für den Rest der EU von großer Bedeutung: Polen hat sich in den 21 Jahren nach seinem EU-Beitritt im Jahr 2004 zu einer der größten Wirtschaftsmächte Europas hochgearbeitet. Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Einwohner hat sich in diesem Zeitraum vervierfacht. Damit ist es eines der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas.
Die Arbeitslosenzahlen sind auf einem historischen Tiefpunkt, und die Staatsverschuldung liegt mit rund 55 Prozent des BIP weit unter dem EU-Durchschnitt und der deutschen Verschuldung mit 62,5 Prozent des BIP. Auch mit Blick nach vorn gilt unser Nachbarland als ein EU-Land mit sehr großen Wachstumschancen.
Die Hoffnung auf ein Fortleben des polnischen Wirtschaftswunders spiegelt sich auch im Börsengeschehen wider.
Die zwei wichtigsten Indizes auf polnische Börsenwerte sind der MSCI Poland und der WIG20. Trotz der vielen Krisen in der Welt hat Ersterer seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent zugelegt, der WIG 20 um rund 21 Prozent. „Insgesamt profitiert die Warschauer Börse von der Hoffnung auf einen regionalen Aufschwung und eine mögliche Friedensdividende – Osteuropas Aktien verzeichneten zuletzt bereits eine historisch starke Rally“, kommentiert Salah Bouhmidi, Head of Markets beim Onlinebroker IG, „gleichwohl bleibt die Entwicklung fragil, da unsichere Exportaussichten und ein vergleichsweise starker Zloty einige exportorientierte Unternehmen bremsen.“
Tomasz Starzyk, Marktexperte für Polen bei der Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet, sieht die größten Chancen für Polen im Wiederaufbau der Ukraine nach einem bald erhofften Frieden: „Polen verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Umsetzung großer Infrastruktur- und Bauprojekte. Allein in den letzten 20 Jahren wurden dort fast 1300 Kilometer neue Autobahnen und 2800 Kilometer Schnellstraßen gebaut.“
Zu den wichtigsten Branchen an der Warschauer Börse zählen Finanzinstitute und Energieunternehmen. Aber auch die Rohstoff-, Agrar- und Lebensmittelbranche spielen für das Land eine bedeutende Rolle. Jetzt könnte ein guter Einstiegszeitpunkt in polnische Unternehmen sein, denn viele Aktien dort sind noch verhältnismäßig günstig bewertet.
Eine dieser Aktien ist die PKO Bank Polski (ISIN: PLPKO0000016). „Der Marktführer wird trotz kräftiger Gewinne nur mit einem einstelligen KGV gehandelt“, sagt Analyst Bouhmidi. Die Bankengruppe ist mit einem Börsenwert von 21,9 Milliarden Euro Branchenprimus in Polen und konnte sowohl ihren Umsatz als auch ihren Gewinn in den vergangenen Jahren drastisch steigern, so wuchs das Nettoergebnis von 2023 auf 2024 um nahezu 70 Prozent. Das KGV liegt dennoch bei günstigen acht. Das Finanzinstitut gilt als einer der möglichen Profiteure von einem Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg. Die PKO-Tochter Kredobank verfügt über ein breites Filialnetz in der Ukraine.
Ein weiteres wichtiges Kreditinstitut für das Land ist die Santander Bank Polska (ISIN: PLBZ00000044). Das Unternehmen ist mit einem Börsenwert von 14,12 Milliarden Euro die drittgrößte Bank des Landes und mit einem KGV von rund neun derzeit ebenfalls günstig bewertet bei einer ordentlichen Dividendenrendite von knapp mehr als zehn Prozent.
Die Gewinne wuchsen in den vergangenen Jahren kontinuierlich, doch für das Jahr 2025 wird erstmals seit 2020 ein leichter Rückgang mit einer anschließenden Erholung im kommenden Jahr erwartet. Das Finanzinstitut ist gerade Teil eines großen Bankendeals: Die österreichische Erste Group will 50 Prozent der Anteile für einen Übernahmepreis von sieben Milliarden Euro kaufen.
Zu den wichtigsten Energieversorgen Polens gehört das teilstaatliche Unternehmen Orlen (PLPKN0000018). „Der Öl- und Gasriese ist nach mehreren Fusionen zum nationalen Energiechampion und einem der wertvollsten börsennotierten Konzerne des Landes aufgestiegen“, sagt IG-Analyst Bouhmidi. „Im Energiesektor erscheint Orlen nach Rekordgewinnen geradezu billig – der integrierte Öl- und Chemiekonzern weist aktuell ein außergewöhnlich niedriges KGV von unter drei auf.“
Ein neuer Vertrag mit der ukrainischen Naftogaz über die Lieferung von 100 Millionen Kubikmetern LNG-Gas aus den Vereinigten Staaten dürfte dem Unternehmen künftig weitere Umsätze bescheren.