Marktturbulenzen: Chinesische Rentenfonds beschränken Anlagen – Behörden wollen Aktienmarkt stützen
Die Dauerkrise am Immobilienmarkt ist einer der wichtigsten Gründe für die Unruhe an den chinesischen Kapitalmärkten.
Foto: BloombergFrankfurt. Die Turbulenzen an den chinesischen Kapitalmärkten verschrecken offenbar viele Anleger. Sie ziehen ihr Kapital von den Aktienbörsen ab und suchen sicherere Anlagemöglichkeiten zum Beispiel in Rentenfonds. Jetzt versuchen Fondsanbieter und die Behörden gegenzusteuern.
Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen will Chinas Wertpapieraufsicht den Börsenhandel beleben und das Vertrauen der Anleger stärken. Die Aufsichtsbehörde CSRC kündigte am Freitag unter anderem an, Handelskosten zu senken und Aktienrückkäufe zu unterstützen.
Zudem planen die Aufseher nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters, die Entwicklung von Aktienfonds zu fördern. Die CSRC prüfe zudem, Handelszeiten zu verlängern. Die Attraktivität börsennotierter Unternehmen solle erhöht werden. Hochrangige Politiker hatten im Juli in Aussicht gestellt, dem Aktienmarkt unter die Arme zu greifen, der im Zuge der schwächelnden Wirtschaft ins Taumeln geraten war.
Flucht in sichere Anlagen
Der chinesische Leitindex CSI 300 hat seit seinem Jahreshoch Ende Januar rund zehn Prozent verloren. Die Anleger verunsichert die wachsende Gefahr einer Wirtschaftskrise. Die Turbulenzen im Immobilien- und Schattenbankensektor, eine wachsende Verschuldung der Kommunen, die Rekordarbeitslosigkeit unter Jugendlichen und eine nachlassende Auslandsnachfrage bremsen die Wirtschaft.
Chinas Notenbank senkte am Dienstag überraschend wichtige Schlüsselzinsen. Damit sollen der Kreditfluss angekurbelt und die Konjunktur gestützt werden.
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Vor diesem Hintergrund flüchten die Anleger verstärkt in sichere Anlagen. Wegen der hohen Nachfrage nach Rentenfonds haben einige chinesische Fondsfirmen Investments in ihre Produkte beschränkt. So stieg das verwaltete Vermögen von Rentenfonds im Juni in China auf den höchsten Stand seit Oktober letzten Jahres, wie Daten des chinesischen Asset-Management-Verbandes zeigen.
„Bei einer düsteren Wirtschaftslage bevorzugen Anleger Anleihefonds“, sagte Ivan Shi von der Fondsberatungsfirma Z-Ben Advisors Reuters. „Die Beschränkungen werden durch starke Zuflüsse ausgelöst.“ Der Zustrom von Geldern verwässert die Erträge der Anleger, die bereits Anteile besitzen, und macht die Anlage für die Fondsmanager schwieriger.
Am Freitag setzte der Anbieter Avic Fund Management nach Informationen von Reuters den Verkauf von Anteilen an einem Anleihefonds aus, um die „Interessen der bestehenden Fondsanleger zu schützen.“ Andere Fondsanbieter hatten bereits vor einigen Tagen die Anteilskäufe gestoppt oder eingeschränkt.