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Dow Jones, Nasdaq, S&P 500 Die Wall Street verliert ihr Momentum – Nasdaq bricht um fünf Prozent ein

An der Wall Street tritt eine Phase der Korrektur ein. Die wichtigsten US-Indizes verzeichnen am Donnerstag deutliche Verluste. Marktteilnehmer rätseln über den Auslöser.
03.09.2020 Update: 03.09.2020 - 23:18 Uhr Kommentieren
Blick auf das Börsengebäude in New York. Quelle: AP
Wall Street in New York

Blick auf das Börsengebäude in New York.

(Foto: AP)

Düsseldorf, New York Wo ist all der Optimismus hin? Nach dem jüngsten Höhenflug ging es an der Wall Street am Donnerstag kräftig bergab. Vor allem Technologiewerte waren betroffen.

Der Nasdaq schloss fünf Prozent schwächer bei 11.458 Punkten. Für den Aktienmarkt insgesamt war es der schlechteste Tag seit Juni. Beobachter vermuten größere Gewinnmitnahmen bei den Börsenfavoriten der vergangenen Monate.

Das betrifft besonders die sogenannten FAANG-Aktien, die schon seit Jahren zu den großen Börsenstars zählen und auch in der Coronakrise die großen Gewinner waren. Facebook verlor knapp vier Prozent, Netflix, Alphabet und Amazon verloren fünf Prozent und Apple acht. Tesla-Papiere notierten neun Prozent schwächer. Der von Elon Musk geführte Elektroautobauer erlebt damit nach dem Aktiensplit von Anfang der Woche eine Schwächephase. Das Papier hat seitdem knapp 20 Prozent an Wert verloren, liegt seit Jahresbeginn jedoch immer noch 470 Prozent im Plus.

Neben dem Nasdaq gaben auch die übrigen Indizes kräftig nach. Nachdem der Dow-Jones-Index der Standardwerte kaum verändert eröffnet hatte, schloss er mit Abschlägen von knapp drei Prozent wieder deutlich unter die Marke von 29.000 Punkten. Damit liegt er auf Jahressicht wieder im Minus. Der Leitindex war erst vor wenigen Tagen in die Gewinnzone gekommen. Der S&P 500 verlor 3,5 Prozent auf 3455 Punkte.

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    Für den rapiden Stimmungswechsel gibt es keinen offensichtlichen Auslöser. Die US-Börsen waren zuletzt einmal mehr auf Rekordjagd. Der Dow Jones etwa lag zuletzt auf dem Niveau von Mitte Februar und hatte die tiefen Verluste seit der Coronakrise damit mehr als wettgemacht.

    Gewinnmitnahmen erscheinen vor diesem Hintergrund plausibel. Ob sich nun die gute Stimmung an den Märkten nachhaltig dreht, ist indes unklar.

    „Die Ausschläge an den Märkten sind zuletzt immer größer geworden, sowohl nach oben als auch nach unten“, gibt Paul Donovan, Chefökonom der Schweizer Bank UBS, zu bedenken. „Es gab Zeiten, in denen ein Minus von zwei Prozent ein signifikanter Schritt war. Das ist heute nicht mehr zwingend so.“

    Einige Experten vermuten eine überfällige Korrektur an den Märkten, für die es auch weitere Anzeichen gab.

    Einige Investoren nutzen überraschenden Einbruch für Käufe

    Zum einen ist die sogenannte Marktbreite nicht mehr gegeben. An der Börse gilt: Steigt eine Mehrzahl der im Index enthaltenen Werte, gilt eine Rally als gesund. Doch zuletzt stieg beispielsweise der S&P 500 nur noch, weil einige wenige hochgewichtete Aktien gut performten.

    Und auch der US-Volatilitätsindex Vix, das „Angstbarometer“ der Börse, stieg zuletzt, obwohl er normalerweise bei steigenden Aktienkursen fallen müsste. Ein höherer Vix bedeutet: Anlageprofis erwarten in den kommenden Handelstagen deutliche höhere Schwankungen am Aktienmarkt. Am Donnerstag stieg der Vix um 15 Prozent auf über 30 Punkte.

    „Ich glaube nicht, dass das der große Crash ist“, sagt Jim Iuorio von TJM Institutional Services. Da der Markt in den vergangenen Wochen bereits etwas überhitzt war, sei dies lediglich eine gesunde Korrektur.

    Die Verluste an der Wall Street wirkten sich auch negativ auf den Handel in Frankfurt aus. Der Dax, der zwischenzeitlich in die Nähe seines Allzeithochs geklettert war, gab die anfänglichen Gewinne wieder ab und schloss 1,4 Prozent im Minus.

    Einige Investoren nutzen den überraschenden Einbruch für Kaufgelegenheiten: Jason Snipe von Odyssey Capital Advisors kaufte unter anderem bei Peloton nach. Der Anbieter von Fitnessbikes hatte vom Trend zur Heimarbeit in den vergangenen Monaten deutlich profitiert, lag am Donnerstagnachmittag jedoch knapp neun Prozent im Minus.

    Snipe geht davon aus, dass Peloton gerade mit Blick auf die Wintermonate weiter starke Zahlen melden wird. Auch wenn in New York die Fitness-Studios wieder aufgemacht haben, würden die Verbraucher weiterhin verstärkt zu Hause Sport treiben.

    Josh Brown, Chef von Ritholtz Wealth Management, dagegen schlug beim Cloud-Anbieter Crowdstrike zu, der ebenfalls knapp neun Prozent im Minus lag. „Ich habe mich schon lange geärgert, dass ich das Unternehmen nicht im Portfolio habe. Heute ist es deutlich günstiger als gestern. Und wenn der Preis weiter runtergeht, dann kaufe ich noch nach“, erklärte er im US-Börsensender CNCB.

    Aktie von „Calvin Klein“-Eigner im Aufwind

    Gleichzeitig hofften Investoren auf die rasche Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Die USA bereiten sich auf die Verteilung eines potenziellen Mittels ab Oktober vor. „Das ist zwar keine Garantie, dass der Impfstoff bis dahin fertig ist“, sagte Analyst David Madden vom Onlinebroker CMC Markets. Aber es liefere Hinweise über das Tempo der Entwicklung.

    So verbuchte Novavax einen Erfolg für seinen Impfstoffkandidaten. Das angesehene „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte von Wissenschaftlern geprüfte, positive Testergebnisse. Die Aktien der Biotechfirma stiegen daraufhin zeitweise um elf Prozent. Zum Handelsschluss notierten sie kaum verändert. In Europa läuteten die Pharmakonzerne Sanofi und Glaxo-Smithkline die nächste Runde für Tests für einen Impfstoff ein.

    Vor diesem Hintergrund griffen Investoren bei den von der Pandemie besonders hart getroffenen Reise- und Freizeitwerten zu. Die Papiere der Kreuzfahrtveranstalter Carnival und Royal Caribbean zogen um bis zu 5,2 Prozent an.

    Gefragt waren auch die Titel von PVH, die sich um mehr als drei Prozent verteuerten. Dank einer boomenden Onlinenachfrage nach bequemer Freizeitkleidung machte der Eigner der Modemarken „Calvin Klein“ und „Tommy Hilfiger“ einen Gewinn von 0,13 Dollar je Aktie. Analysten hatten mit einem Verlust von 2,43 Dollar gerechnet.

    Die Anteilsscheine von Zoom Video – als Softwarespezialist für Videokonferenzen ein Corona-Krisengewinner – rutschten um fast zehn Prozent ab. Sie waren vor zwei Tagen erst nach überzeugenden Quartalszahlen um gut 40 Prozent nach oben geschossen.

    Den Netzwerkausrüster Ciena straften die Anleger nach einem enttäuschenden Ausblick gar mit bis zu 30 Prozent Minus ab. Auch andere Branchenkollegen wie Infinera und Lumentum verloren zweistellig.

    Auch die neuen Mitglieder im Dow Salesforce und Amgen, mit denen der Leitindex stärker die Zukunftstrends wie Cloud und Biotechnologie abbilden soll, gerieten mit etwa 4 Prozent Abschlag erheblich unter Druck.

    Dagegen sprangen die Papiere von Navistar um 5,6 Prozent auf das höchste Niveau seit März an. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus informierten Kreisen berichtetet, will die VW-Nutzfahrzeugtochter Traton die Übernahmegespräche mit dem US-Konzern wieder aufnehmen. Nachdem die Verhandlungen coronabedingt auf Eis gelegen hätten, wolle Traton nun einen neuen Versuch unternehmen, das Navistar-Management und die Großaktionäre wie den Milliardär Carl Icahn zu überzeugen, hieß es.

    Neue Konjunkturdaten können keine Impulse geben

    Technologiewerte werden angesichts der wirtschaftlichen Trends weiter stark nachgefragt werden, sind sich Analysten sicher. Allerdings sollten Anleger bedenken, „dass gerade die großen Technologiekonzerne noch eine ganze Weile politischem Druck ausgesetzt sein werden“, sagt UBS-Ökonom Donovan. Es gehe sowohl um ihre Größe und um kartellrechtliche Fragen als auch um Datenschutz und die Frage der Besteuerung, die bereits seit Jahren auch in Europa für Verstimmungen sorgt. Kurz vor Börsenschluss am Donnerstag wurde bekannt, dass das US-Justizministerium noch im August eine Kartellrechtsklage gegen den Suchmaschienen-Konzern Google einreichen wolle.

    Abzuwarten bleibt, ob dies der Beginn der großen Rotation aus Technologie-Titeln in sogenannte Value-Aktien ist. Schon lange warten Anleger wie Star-Investor Warren Buffett darauf. Normalerweise laufen Substanzwerte wie Banken, Energie und Industiretitel in Krisenzeiten besser als schnell wachsende Tech-Aktien. Angesichts der strukturellen Verschiebungen der Wirtschaft könnte dieser Wechsel jedoch länger auf sich warten lassen, glaubt Iuorio.

    Neue Konjunkturdaten in den USA konnten zunächst keine Impulse verleihen. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel etwas geringer aus als befürchtet. Am Freitag folgen offizielle Arbeitsmarktdaten, die Investoren mit Spannung erwarten.

    Überraschenderweise stieg das US-Außenhandelsdefizit im Juli auf den höchsten Stand seit zwölf Jahren. Die Einfuhren haben die Ausfuhren im Juli um fast 64 Milliarden Dollar übertroffen.

    Für Aktienanleger lieferten diese Zahlen dennoch einen Lichtblick, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. „Sie bestätigen, dass die Wirtschaft auf Erholungskurs ist, aber noch ein langer Weg vor uns liegt.“ Dies bedeute, dass die US-Notenbank Fed auf absehbare Zeit an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten werde.

    Die schwachen Märkte erhöhen auch den Druck auf Washington, sich endlich auf ein Rettungspaket zu einigen, um die Wirtschaft weiter zu stützen. Auch nach wochenlangen Verhandlungen war ein Kompromiss zuletzt nicht in Sicht.

    Das wirkt sich laut Donovan gleich doppelt auf die Stimmung der Verbraucher aus. Unter der gekürzten Arbeitslosenhilfe würden nicht nur all jene leiden, die bereits ihren Job verloren haben, sondern auch die, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen und dann mit deutlich weniger Unterstützung auskommen müssen.

    Mit Agenturmaterial

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