Dow Jones, S&P 500, Nasdaq: US-Börsen sacken ab – Inflation bereitet Anlegern Sorge
Frankfurt, New York. Das Rätselraten um mögliche Zinssenkungen zehrt an den Nerven der US-Aktienanleger und hat sie zum Wochenschluss in die Defensive getrieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab am Freitagmittag 0,5 Prozent auf 38.861 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P 500 fiel um 0,6 Prozent auf 5117 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,9 Prozent auf 15.979 Punkte.
Eine überraschend hartnäckige Inflation hatte zuletzt Zweifel an einer raschen Zinswende der US-Notenbank Fed aufkommen lassen. Aus den Aussagen von Notenbank-Chef Jerome Powell zum Zinsentscheid am Mittwoch dürfte klarer werden, ob die Erwartungen der Marktteilnehmer für eine Zinswende ab Jahresmitte gerechtfertigt sind.
Die Fed fährt im Kampf gegen die Teuerung schon seit Längerem eine Hochzinspolitik und will damit auch den hochtourig laufenden Jobmotor bremsen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. „Die frühestmögliche Zinssenkung könnte im Juni erfolgen, obwohl wir nicht schockiert wären, wenn sich die Zinssenkung auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr verschiebt, wenn die Daten weiterhin so stark sind, wie in letzter Zeit“, sagte Investmentexpertin Carol Schleif, von BMO Family Office.
Hexensabbat sorgt für Schwankungen - Bitcoin tiefer
Für teils schwer erklärbare Kursschwankungen an den Börsen sorgte am Freitag der Hexensabbat, an dem an den Terminmärkten Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig werden. Schon im Vorfeld versuchen Profi-Anleger, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu schieben, weil sie mit den Terminkontrakten auf bestimmte Kursstände spekulieren.
Vorsichtig zeigten sich die Anleger am Kryptowährungsmarkt, wo der Bitcoin seine Rally vorerst beendete. Die umsatzstärkste Kryptowährung verlor rund vier Prozent auf rund 68.100 Dollar. „Auf der einen Seite locken zwar weitere Rekordstände, andererseits bleibt der Griff an den Kassenhebel verlockend“, sagte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.
Eine spekulative Geldflut hievte den Kupferpreis auf neue Höchststände. Der dreimonatige Kupferpreis an der London Metal Exchange stieg um 2,4 Prozent auf 9098 Dollar pro Tonne an, den höchsten Wert seit April 2023. Die Kupferpreise in Shanghai erreichten sogar ein Rekordhoch. Vor allem Hedgefonds deckten sich ein, nachdem chinesische Hütten einer Produktionskürzung bei dem Industriemetall zugestimmt hatten.
Bei den Unternehmen trübten einige enttäuschende Prognosen die Stimmung.
Blick auf die Einzelwerte
Adobe: Aktien von Adobe brachen um mehr als 14 Prozent ein. Der Photoshop-Anbieter rechnet angesichts einer schwachen Nachfrage nach seinen Fotoprogrammen mit KI-Funktionen mit weniger Umsatz im Quartal als erhofft.
Ulta Beauty: Die Gewinnprognose von Ulta Beauty fiel ebenfalls schlechter aus als von Analysten erwartet. Die Papiere verloren rund vier Prozent. Erhöhte Kosten in der Lieferkette und verstärkte Werbeaktionen drücken die Erträge der Kosmetik-Einzelhandelskette.
Micron Technology: Optimistisch blickten die Anleger hingegen der Bilanz von Micron in der kommenden Woche entgegen. Die Aktien des US-Chipherstellers gewannen mehr als drei Prozent. „Angesichts der aktuell sehr hohen Preise für Speicherchips erwarten wir, dass Micron die durchschnittliche Analystenprognose übertrifft und seine Prognose für das dritte Quartal anhebt“, sagte Citigroup-Analyst Christopher Danely.
Rivian Automotives: Der Elektroautohersteller legte zeitweise um 3,6 Prozent zu. Zuvor hatte die Investmentbank Piper Sandler die Aktie auf „overweight“ hochgestuft und das Kursziel auf 21 US-Dollar angehoben.
Cardlytics: Der bereinigte Gewinn des Werbeunternehmens war 2023 erstmals seit 2019 positiv. Auch die Prognose für das erste Quartal 2024 fällt besser aus als erwartet. Die Papiere von Cardlytics steigen deutlich um rund 65 Prozent.