Interview: Wirtschaftsautor Bergmann: „Führungskräfte kommen mit leerem Gerede gut durch den Tag“
Inhaltslose Phrasen, sinnloses Schwadronieren: Autor Jens Bergmann rechnet mit der Business-Sprache ab.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Wenn Jens Bergmann über die Sprache von Managern spricht, fragt man sich, warum die globale Wirtschaft nicht schon längst zusammengebrochen ist. Geschäftsleute überall auf der Welt, kritisiert der Hamburger Autor, verwirrten sich gegenseitig mit nebulösen Worthülsen, Phrasen und Business Bullshit.
New Work, Industrie 4.0 und Corporate Identity sind nur einige Beispiele für den Abgesang einer klaren Sprache, die der stellvertretende Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „Brandeins“ der Inhaltsleere bezichtigt. Tacheles weiche zunehmend phrasenhaftem Geschwurbel. Und zwar auch, weil die Manager zum Teil selbst nicht verstünden, worüber sie eigentlich sprächen, kritisiert Bergmann.
In seinem neuen Buch „Business Bullshit: Managerdeutsch in 100 Phrasen und Blasen“ dröselt Bergmann Wortungetüme aus der Business-Welt auf. Auf rund 200 Seiten analysiert der Journalist, was Unternehmen und Manager mit ihrem Business-Blabla eigentlich sagen wollen.
Für Bergmann ist der von ihm beschriebene „Business Bullshit“ nicht bloß ein Zeugnis sprachlicher Armut, sondern befeuert Missverständnisse, Demotivation und Geistlosigkeit.
Lesen Sie hier das ganze Interview:
Herr Bergmann, welche Phrase aus Ihrem Buch bekommen Ihre Mitarbeiter bei „Brandeins“ öfter zu hören?
Wenn meine Kollegen pünktlich zur Konferenz erscheinen, lobe ich sie als proaktiv. Das ist dann ironisch gemeint: Begriffe wie proaktiv sind typische Fälle von Imponiervokabular. Sie dienen dazu, sich wichtig zu machen. Die Vorsilbe pro trägt nichts zur Sache bei – so wie bei probiotischem Joghurt. Der ist auch nicht besser als gewöhnlicher – nur teurer.