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Prüfers Kolumne Kreatives Schreiben für Manager

„Buzzwords“ haben Konjunktur, gerade im Manager-Sprech. Doch wenn die Worthülsen wirklich Karriere versprechen, muss sich die Ausbildung verändern.
06.02.2021 - 11:05 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe in der „Süddeutschen Zeitung“ von einer Untersuchung des Leibniz-Instituts für Sprache gelesen. Das hat erforscht, wie sich in den vergangenen 20 Jahren das Business-Kauderwelsch in deutschen Firmen verändert hat. Also, welche Modewörter in der vergangenen Zeit aufgekommen sind und was aus ihren wurde. Es wird ja gerne abfällig über Business-Sprech geurteilt. Man vermutet, dass das alles nur verbale Blendgranaten seien, mit denen Managerinnen und Manager kaschieren wollen, dass sie auch nicht mehr Ahnung haben als andere Leute.

Deshalb wird ihnen allenthalben unterstellt, ihr Vokabular künstlich aufzumöbeln. Es gibt sogar Leute, die behaupten, das Handwerk eines Managers bestehe in Wahrheit daraus, Worthülsen aus dem angelsächsischen Raum zu importieren und ein Business-Kasperltheater aufzuführen, bis man genügend Meriten gesammelt hat oder für jemanden von der Karriereleiter gestoßen wird, der noch bessere Wörter hat.

Natürlich ist es jeder gesellschaftlichen Gruppe eigen, dass sich ihre Mitglieder mit gewissen Codes gegenseitig ihrer Zugehörigkeit versichern wollen. Und es gehört zur Folklore, dass man das bei Managern stets mit Argwohn beäugt. So als sei alles, was man nicht versteht, obsolet.

Manche Wörter verfolgen dabei fast eigene Karrieren. „Blockchain“ etwa. Das war bald nicht mehr nur die Art und Weise, wie digitale Zahlungsmittel dezentral organisiert sind, sondern wurde allumfassend für alle möglichen Arten verwendet, wie man irgendetwas irgendwo organisieren kann, an dem mehr als eine Person beteiligt ist (die Voraussetzung für Organisation), und wobei irgendwie auch das Internet beteiligt ist (praktisch alles). Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Cloud“. Der steht heute synonym für „Internet“. Doch wenn man schreibt, eine Technologie basiere auf dem „Internet“, klingt es nach 90er-Jahren. Basiert es hingegen auf „Cloud-Computing“, scheint es wirklich auf dem neuesten Stand.
Die Forscher des Leibniz-Instituts ermittelten nun anhand des Sprachschatzes der Wirtschaftsressorts deutscher Zeitungen, dass etwa der Begriff „Performance“ um das Jahr 2000 einen Höhepunkt erlebte, und seitdem langsam abebbt, während das „Portfolio“ stetig wichtiger wird. Zu den Aufsteigern des vergangenen Jahrzehnts gehören „skalierbar“ und „agiles Arbeiten“. Der jüngste Star ist „Purpose“.

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    Wäre es so, dass es vor allem auf Business-Sprech ankommt, dann sollte die Ausbildung deutscher Manager fundamental verändert werden. Man sollte sie nicht mehr auf Business-Schools damit quälen, Ebit und Ebitda zu unterscheiden, und das Wesen des Finanzmarkts zu begreifen, sie sollten nicht Keynes und Smith rezitieren, sondern Kurse in kreativem Schreiben belegen.

    Darin könnten sie lernen, wie man möglichst schnell ein neues Wort erfindet, das sich wirklich gut anhört, von dem aber niemand so wirklich versteht, was es ist. Das würde vielleicht nicht unbedingt zu besserem Wirtschaften führen, aber doch wohl zu schöneren Wörtern.

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