Kommentar: Warum Europa in der Chip-Produktion abgehängt wird

Am Anfang steht eine bizarre Zahl: Bis zu sieben Billionen Dollar soll die globale Chipinitiative von Sam Altman umfassen, dem Chef des KI-Start-ups und Microsoft-Partners OpenAI. Deutschlands Bruttoinlandsprodukt liegt bei gut vier Billionen Dollar pro Jahr, der weltweite Umsatz mit Chips bei einer halben Billion Dollar. Es wäre also leicht, Altmans Überlegungen als Wahnsinn abzutun. Und es wäre falsch. Das gilt vor allem für Europa.
Altman hat recht damit, dass Chips immer wichtiger werden. Fortgeschrittene KI-Anwendungen benötigen Rechenpower, auch in den Autos und Fabriken der Zukunft geht nichts mehr ohne leistungsstarke Chips. Es liegt im europäischen Interesse, wenn die Kapazität der globalen Chipproduktion steigt.
Und Altman hat recht damit, dass der Aufbau einer neuen Chipproduktion (und ihrer Stromversorgung) Unsummen verschlingen wird. Ein neues Chipwerk kostet mehrere Dutzend Milliarden Dollar. Investitionen müssen jetzt angeschoben werden.
Die Liste an Akteuren, mit denen Altman laut Insidern gesprochen hat, ist lang. Mit dabei: TSMC, die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate, das dort ansässige KI-Unternehmen G42, der japanische Tech-Investor Softbank und US-Handelsministerin Gina Raimondo.
Eine Firma, ein Investor, ein Staat aus Europa ist nicht darunter. Dass der alte Kontinent selbst in diesen frühen Überlegungen keinerlei Rolle spielt, ist beschämend. Die entstehende amerikanisch-asiatische Chipallianz braucht Europa nicht. Umgekehrt ist das anders.
Erstpublikation: 11.02.2024, 18:23 Uhr.