Kommentar: Die Euro-Notenbanker sollten jetzt einen Gang runterschalten

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist an einem kritischen Punkt angelangt. Die allseits erwartete Zinssenkung am Donnerstag ist die achte binnen zwölf Monaten. Die Zinsen in der Euro-Zone sind viel schneller gesunken, als dies zum Start der Zinswende nach unten absehbar war.
Und die Märkte wollen immer mehr. Sie verlangen noch mindestens ein bis zwei weitere Zinssenkungen, sodass der relevante Einlagensatz für Banken von zwei Prozent Richtung 1,5 Prozent sinkt. Die Notenbanker laufen Gefahr, zu Getriebenen der Märkte zu werden, wenn sie den Zinsfantasien nicht entschlossener Einhalt gebieten.
So nachvollziehbar die bisherige Lockerung der Geldpolitik angesichts nachlassender Inflationsraten und mauer Konjunktur ist: Niedrige Zinsen sind kein Selbstzweck. Je weiter es nach unten geht, desto kraftvoller müssen die Argumente sein, noch mehr zu tun.
Kurz vor der Sommerpause ist der geeignete Zeitpunkt, innezuhalten und einen Gang runterzuschalten. Die EZB muss sich genügend Spielraum erhalten, um kraftvoll nachlegen zu können, falls die Situation es erfordert. Im Juli ist deshalb eine Zinspause angezeigt.