Kommentar: Die Mehrwertsteuersenkung bringt den Aktionären von Konsumgüterherstellern wenig
Die Aktienkurse vieler Konsumgüterhersteller sind seit dem Sommer kaum gestiegen.
Foto: BloombergMünchen. Dem ersten Reflex folgt nun die Ernüchterung. Man müsse Papiere von Konsumgüterherstellern kaufen, hieß es im Sommer. Da hatte die Bundesregierung die Bürger mit dem spontanen Plan überrascht, die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent zu senken. Für Produkte mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz wie Bücher oder Backwaren ging es von sieben auf fünf Prozent nach unten.
Gerade ist gut die Hälfte der auf ein halbes Jahr befristeten Maßnahme vorüber. Und die Hersteller von Konsumgütern haben entweder gar nicht oder lediglich ein wenig von der geringeren Mehrwertsteuer profitiert.
Aus Verbrauchersicht ist das Thema schnell erklärt. Die fanden in Super- oder Drogeriemärkten entweder keine Preisänderung oder krumme Beträge, die im Vergleich zum Preisniveau bis Juni nur wenige Cent ausmachten. Echte Kaufanreize für Konsumartikel sehen anders aus.
Sehr viel mehr sparen würden Kunden, wenn sie seither in Scharen in die Auto- und Möbelhäuser oder in die Elektronikmärkte strömen würden. Aber auch hierzu finden sich keine belegbaren Zahlen.
Der Aufschwung beispielsweise von Autotiteln wie BMW oder Daimler seit der Jahresmitte hängt vor allem damit zusammen, dass seither die Produktion vielerorts nach dem Corona-Lockdown überhaupt wieder angelaufen ist. Klassische Konsumgüter-Titel, die die Börsianer normalerweise mit Namen wie Beiersdorf verbinden, kamen hingegen seit dem Sommer kaum vom Fleck.
Noch gelten die reduzierten Mehrwertsteuersätze fast drei Monate. In diese Zeit fällt das ohnehin konsumreiche Weihnachtsgeschäft. Kaum denkbar, dass Menschen, die in diesen Zeiten um ihren Arbeitsplatz fürchten, wegen eines geringen steuerlichen Anreizes plötzlich hemmungslos konsumieren.
Aktien von Konsumgüterherstellern werden so auch bis zum Auslaufen der Sondermaßnahme nicht zu den besonderen Profiteuren gehören. Sie werden dann zulegen, wenn ein Ende der Coronakrise absehbar ist und die Kauflaune vieler Menschen automatisch steigt. Andernfalls werden sich diese Aktien bestenfalls durchschnittlich entwickeln.