Kommentar: Die Reform der Mitarbeiterbeteiligung bei Start-ups ist richtig

Wer ein Start-up gründet oder dort arbeitet, geht ins Risiko.
Foto: Imago/Westend61Wer ein Unternehmen gründet oder sich entschließt, bei einem neu gegründeten Unternehmen zu arbeiten, geht eine Wette auf die Zukunft ein. Viele Fragen sind von vornherein ungewiss: Wird sich das Geschäftsmodell durchsetzen? Reicht das Geld, das wir dafür zur Verfügung haben? Können wir mit einem lukrativen Verkauf oder Börsengang rechnen?
Der Einsatz, den Gründerinnen und Gründer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Erfolg ihres Unternehmens erbringen, ist groß. Die Gehälter sind meist sehr viel niedriger als bei etablierten Großkonzernen und die Arbeitszeiten bewegen sich selten in den Grenzen zwischen 9 und 17 Uhr. Wenn es zum Erfolg reichen sollte, ist es fair, alle helfenden Hände auch finanziell an diesem Erfolg zu beteiligen.
Dazu gibt es das Modell der Mitarbeiterkapitalbeteiligung. Wie der Name bereits vermuten lässt, werden dabei Mitarbeiter vertraglich am Vermögen des Unternehmens beteiligt. Es handelt sich allerdings erst einmal um ein theoretisches Vermögen, denn der Wert des Unternehmens existiert über sehr lange Zeit nur auf dem Papier.
Erst wenn jemand bereit ist, dafür tatsächlich Geld zu bezahlen, durch eine Übernahme oder wenn Anteile an der Börse angeboten werden, realisiert sich dieses Kapital auch.
Da ist es nur folgerichtig, was die Bundesregierung jetzt plant: Das Vermögen soll möglichst erst dann besteuert werden, wenn es auch auf den Konten der Mitarbeiter liegt – und nicht mehr nur auf dem Papier existiert. Außerdem sollen mehr Unternehmen als bisher von dem Modell profitieren können – mit bis zu 500 statt bisher 250 Mitarbeitern.
Unternehmen müssen faire Verträge vorlegen
Dass die Forderung der Start-ups, Vermögen erst dann zu besteuern, wenn es auch existiert, jetzt endlich umgesetzt wird, ist eine gute Nachricht und könnte den Weg zu mehr Mitarbeiterbeteiligungen ebnen. Jetzt müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass die Verträge mit Mitarbeitern und Investoren auch fair und transparent sind, damit der erhoffte finanzielle Erfolg für die Angestellten am Ende auch wirklich eintritt.
In Zeiten fehlender Fachkräfte ist es wichtig, den Gründerinnen und Gründern mehr Argumente mit an die Hand zu geben, um sich im Wettbewerb um die Toptalente durchzusetzen.
Die Aussicht auf einen lukrativen Ausstieg, wenn das eigene Unternehmen Erfolg hat, ist ein guter Anreiz für qualifizierte Spezialisten, sich Start-ups und keinen Großkonzernen anzuschließen. Wer bereit ist, eine Wette auf die Zukunft einzugehen, sollte auch davon profitieren, wenn diese Wette am Ende aufgeht.