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KommentarOhne Schaden kommt Siemens aus dem umstrittenen Australien-Projekt nicht heraus

In der Diskussion über das Kohlebergwerk in Australien gerät auch der Konzern in die Schusslinie. Der Fall ist eine Lehre, nicht nur für Siemens.Bert Fröndhoff 09.01.2020 - 16:18 Uhr

Der Siemens-Chef will in Berlin die führende Fridays-Aktivistin Luisa Neubauer treffen.

Foto: Reuters

Siemens-Chef Joe Kaeser stellt sich an diesem Freitag persönlich den Kritikern der Jugend-Umweltbewegung „Fridays for Future“. Die prangert Siemens an, weil der Konzern Technologie für die Erstellung einer der größten neuen Kohlenminen in Australien liefert. Kaeser will in Berlin der führenden Fridays-Aktivistin Luisa Neubauer eine Antwort geben.

Es spricht für Kaeser, dass er die Vorwürfe nicht einfach abtut. Viel interessanter aber wird sein, welche Entscheidung er verkündet. Die Aktivisten fordern schließlich, dass Siemens den Auftrag zur Lieferung von Signaltechnik zurückgibt. Und da steckt Kaeser im Dilemma.

Meint es der Siemens-CEO wirklich ernst mit dem Versprechen von mehr Klimaschutz, könnte er ein Zeichen setzen. Die Symbolkraft ist groß: Es geht um den höchst umstrittenen Kohleabbau in einem derzeit brennenden Land.

Damit nicht genug: Die Kohle soll per Bahn zum neuen Hafen nahe dem Great Barrier Reef transportiert werden. Das sterbende Korallenriff ist ein weiteres Symbol für Zerstörung und Folgen des Klimawandels.

Siemens könnte mit einem Rückzug ein starkes Signal geben. Doch dazu dürfte es wohl kaum kommen. Wirtschaftlich wäre der Wegfall dieses Miniauftrags über 20 Millionen Euro verkraftbar. Aber für Siemens geht es auch um Vertragstreue und Verlässlichkeit – bei einem Rückzug würde der Konzern seinen Ruf unter Auftraggebern schädigen.

Ohne Schaden wird Siemens aus dieser Nummer also nicht herauskommen. Der CEO müsste das Kunststück vollbringen, die Umweltaktivisten ernst zu nehmen und zugleich bei ihnen um Verständnis für die wirtschaftlichen Zwänge zu werben. Das wird nicht gelingen.

Der Fall ist eine Lehre, nicht nur für Siemens: Firmen müssen künftig sehr genau hinschauen, mit wem und zu welchem Zweck sie Geschäfte machen, und sie müssen die Folgen vorher bewerten. Sonst bleibt Nachhaltigkeit hohles Gerede. Nicht nur Fridays for Future, auch Investoren werden auf klare Antworten drängen.

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