Australien: Druck von Klimaaktivisten: Siemens vor Entscheidung über Australienauftrag
Siemens könnte in den nächsten Tagen eine Entscheidung bezüglich der Beteiligung am Kohlebergwerk in Australien bekanntgeben.
Foto: ImagoMünchen. Joe Kaeser selbst hatte das Thema zur Chefsache gemacht. Er werde die Kritik von Klima-Aktivisten an der Beteiligung von Siemens an dem umstrittenen Kohlebergwerk in Australien prüfen, versprach der Vorstandschef vor einigen Wochen. Der Ausgang sei offen. „Aber Sie verdienen eine Antwort.“
Die Zeit drängt. Zwar ist Siemens für seine Verhältnisse nur mit einem Miniauftrag an dem Projekt beteiligt. Laut Industriekreisen geht es um etwa 20 Millionen Euro für eine Zugsignalanlage. Zum Vergleich: Im vergangenen Geschäftsjahr erzielten die Münchener fast 87 Milliarden Euro Umsatz.
Doch will Fridays for Future am Freitag an Siemens-Standorten deutschlandweit demonstrieren und einen Stopp der geplanten Zulieferung fordern. In Industriekreisen wird daher damit gerechnet, dass Siemens in den nächsten Tagen eine Entscheidung bekannt geben könnte. Es gilt als gut möglich, dass der Konzern aus Vertragstreue gegenüber dem Kunden an dem Auftrag festhalten wird. Noch ist aber keine Entscheidung gefallen.
Der indische Industriekonzern Adani will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt errichten, das jährlich bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. „Siemens schür keine Feuer“ prangt nun auf der Homepage von Fridays for Future mit einem Bild von einem Känguru und einem Koala vor brennendem Wald.
Siemens unterstütze „ein rückwärtsgewandtes Vorhaben und die Zerstörung unseres Planeten und unserer Zukunft“, heißt es in einem Muster-Protestbrief an Kaeser. Die Mine zerstöre die Natur, verdrecke Luft und Grundwasser und der Schiffsverkehr bedrohe die Ökosysteme und Lebewesen im Great Barrier Reef, einem Unesco-Weltnaturerbe.
Der Bau neuer Kohlekraftwerke stehe zudem in Widerspruch zu den Zielen im Pariser Klima-Abkommen. Siemens-intern gilt das Thema als heikel. Schließlich sieht sich der Konzern als einer der Treiber und Profiteure der Energiewende. Als eines der ersten großen Unternehmen weltweit hatten die Münchener angekündigt, bis 2030 klimaneutral sein zu wollen. Man nehme die Klimaschutzbewegung sehr ernst, hieß es in Industriekreisen.
Unterstützung der großen Parteien
Kaeser hatte zudem immer wieder betont, dass es Unternehmen nicht nur um die Rendite gehen dürfe. „Wir sind der Meinung, dass ein Unternehmen nur eine Existenzberechtigung hat, wenn es nachhaltig und langfristig Wert für die Gesellschaft schafft“, ließ er zum Beispiel in einen Nachhaltigkeitsbericht von Siemens schreiben.
Solche Aussagen fallen immer wieder auf ihn zurück, wenn die Schließung eines Werks droht oder Geschäfte mit Auftraggebern in China oder Saudi-Arabien in die Kritik geraten. Im Umfeld von Siemens sind aber einige überzeugt, dass sich die Klimaschützer den falschen Gegner ausgesucht habe. „Man hat das selbe Ziel und steht auf der gleichen Seite.“
Der Konzern helfe seinen Kunden zum Beispiel mit besonders effizienten Gasturbinen, mit Windrädern oder moderner Gebäudetechnik mehr CO2 einzusparen, als ganz Australien im Jahr produziere. Die Energiewende gehe nicht über Nacht, jedes Land starte an einem anderen Punkt.
In einer Mitteilung hatte Siemens in Australien erklärt, die Mine habe die erforderlichen Genehmigungen inklusive strenger Umweltauflagen erhalten. Außerdem habe das Projekt die Unterstützung der großen Parteien des Landes. Man verstehe, dass sich manche Kritiker auf dieses Projekt fokussierten.
Man verfolge einen breiteren Ansatz, um den Klimawandel zu bekämpfen und die Menschen in der Welt mit bezahlbarer und verlässlicher Elektrizität zu versorgen. Siemens unterstütze das Pariser Klimaabkommen. Bis es technologisch möglich sei, fossile Energieträger durch Erneuerbare zu ersetzen, werde die Welt noch Kohle und andere Fossile brauchen. Diese müssten auf die möglichst effizienteste Weise genutzt werden.