Kommentar: Warum Elon Musks Twitter-Kauf ein Desaster für Tesla ist
Verhebt sich der Milliardär mit der Übernahme von Twitter?
Foto: ReutersDüsseldorf. Der Kauf des Kurznachrichtendienstes Twitter durch Elon Musk ist kaum noch aufzuhalten. Das ist eine schlechte Nachricht für Tesla. Denn kaum ein Autohersteller ist so stark auf seinen Chef ausgerichtet. Musk arbeitet rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Entscheidungen fällt er im Fünf-Minuten-Takt, wie er einmal sagte. Das zeigt, wie viel an Musk hängt.
Nun droht Tesla seine Kompassnadel zu verlieren. Denn Twitter wird viel Zeit von Musk beanspruchen.
Wer glaubt, dass der Kurznachrichtendienst als privates Unternehmen einfacher zu führen ist, der irrt. So muss sich Twitter erheblich verschulden, um den Deal zu ermöglichen. Der Cashflow ist aber kaum größer als die Zinszahlungen. Fehltritte kann Musk sich nicht erlauben.
Dabei ist auch Tesla alles andere als ein Selbstläufer. Zwar ist der Absatz des Elektroautoherstellers stark, die Gewinnmarge traumhaft.
Aber bislang hat die Marke nur vier Modelle im Angebot, die zudem in die Jahre kommen. Tesla muss endlich den lange versprochenen Pick-up Cybertruck, den sportlichen Roadster und den elektrischen Lastwagen Semi auf den Markt bringen.
Musk steht vor mehreren Mammutaufgaben
Jedes der Projekte ist eine Mammutaufgabe. Es besteht die Gefahr, dass wichtige Entscheidungen nicht oder falsch gefällt werden – vielleicht, weil sich der Chef gerade auf eine Fragerunde vor dem US-Kongress vorbereitet.
Denn mit Twitter begibt sich Musk in ein gefährliches politisches Umfeld. Der 50-Jährige will mehr freie Meinungsäußerung und weniger Zensur auf Twitter haben. Das hört sich nobel an und ist in der Tat ein hohes Gut, ist aber alles andere als einfach umzusetzen. Wenn radikale Kräfte links und rechts auf der politischen Skala sie nutzen und Kontroversen anstacheln. wird der Ärger nicht ausbleiben.
Bislang steht Tesla für Klimaschutz und Fortschritt. Ändert sich das durch Twitter, hätte es unabsehbare Folgen für Teslas Marke und Absatz.
Der Deal birgt finanzielle Risiken
Dazu kommen finanzielle Risiken. Musk zahlt einen hohen Preis für ein schwach wachsendes Unternehmen. Das sehen die Banken genauso – und fordern exorbitante Sicherheiten. Für ihre Kredite im Wert von insgesamt 12,5 Milliarden Dollar musste Musk als Sicherheit Tesla-Aktien im Wert von 62,5 Milliarden Dollar hinterlegen – ein Drittel seiner Anteile.
Damit hängt ein Damoklesschwert über Tesla. Fällt der Aktienkurs um 40 Prozent, können die Banker die Aktien verkaufen, bis sie ihr Geld haben. Zugegeben, das wäre ein großer Absturz, aber nicht undenkbar – die Aktie ist ein volatiles Papier.
Denn Tesla ist für einen Autohersteller hoch bewertet, einen Fehltritt verzeihen Investoren da kaum. Noch mehr als bei der Konkurrenz hängt alles vom Vertrauen der Anleger und Kunden ab.
Beides gefährdet Musk mit dem Twitter-Deal. Er könnte sich als Desaster erweisen.