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Morning BriefingWie eine Familienfeier, bei der man an den falschen Tisch gerät

Christian Rickens 10.01.2025 - 06:09 Uhr Artikel anhören
Morning Briefing

Musk-Weidel-Gespräch: Die ganz große Einigkeit / ETF-Musterdepot: Reich nach Plan

10.01.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in einer Welt, die immer unübersichtlicher wird, ist es auch mal schön, wenn sich Erwartungen erfüllen. Das gestrige Gespräch zwischen Alice Weidel und Elon Musk auf „X“ wirkte auf mich geradezu beruhigend-therapeutisch, weil es ziemlich genau so begann, wie ich vermutet hatte. Zwei Menschen, die sich in allem einig sind, deklinieren gemeinsam den Kanon ihres neurechten Weltbilds durch: die verfehlte Energiewende, die Migrantenschwemme, die Kriminalitätsexplosion. Hitler war in Wahrheit Kommunist, und Bill Gates hat uns die Corona-Impfstoffe aufgezwungen.

Nichts, was man sich nicht auch auf mancher Familienfeier anhören müsste, wenn man sich an den Tisch mit den zwei Großonkeln zweiten Grades setzt – und zu spät begreift, warum der Platz noch frei war.

Interessant wurde es erst, als die AfD-Vorsitzende den Tesla-Chef nach Donald Trumps Plänen zur Beilegung des Ukraine-Kriegs fragte. Er sei zuversichtlich, dass der Konflikt gelöst werden könne, sagte Trump-Berater Musk, aber das sei Sache des Präsidenten. Ein Indikator dafür, dass auch der reichste Mann der Welt weiß, wo seine künftigen Kompetenzgrenzen im Weißen Haus verlaufen werden.

Elon Musk, Alice Weidel: Der Tech-Milliardär hat sich zuletzt wiederholt für die AfD ausgesprochen. Foto: Evan Vucci/Kay Nietfeld/AP/dpa

Es folgten Ausführungen von Musk über seine Pläne für Marsmissionen: Der Raumfahrtunternehmer („Space X“)  hält es für möglich, in etwa zwei Jahren ein unbemanntes Raumschiff zum Mars zu schicken. In etwa vier Jahren sei man vielleicht in der Lage, die ersten Menschen dorthin zu bringen.

Und dann stellte Weidel ganz zum Schluss eine weitere interessante Frage: Ob Musk an Gott glaube? Die Antwort in Kurzform: Nein, aber er sei bereit, seine Ansicht zu ändern, wenn er mehr Informationen dazu habe. „Same here“, sagte Weidel und beschrieb sich selbst als religiös suchende Agnostikerin.

Nach eineinviertel Stunden beendete die Politikerin freundlich-bestimmt das Gespräch. In der Spitze hatten sich etwa 210.000 Zuhörer weltweit eingeschaltet. Drittklassige ZDF-Serien haben mehr Publikum. Einmal mehr zeigt sich, dass „X“ zumindest in Deutschland eher ein Nischen- als ein Massenmedium ist.

Wir bleiben bei der Thementemperatur beruhigend-therapeutisch: Für den langfristigen Vermögensaufbau gibt es eigentlich keinen sichereren, günstigeren und renditeträchtigeren Weg als börsennotierte Indexfonds, kurz ETF. Doch erstaunlich viele Anlegerinnen und Anleger schaffen es, mit diesen Produkten Rendite zu verschenken oder gar Geld zu versenken. Die beiden Hauptfehler:

  • Zu hektisches Kaufen und Verkaufen in der irrigen Hoffnung, schlauer zu sein als der Markt.
  • Die falschen ETF-Produkte, die ein zu enges Marktsegment abbilden oder auf kurzlebige Modethemen im Investmentbereich setzen.

Die Nervenstärke, nicht beim ersten Kursrutsch alles zu verkaufen, müssen Sie selbst mitbringen. Das zweite Problem hat Handelsblatt-Geldanlagechef Andreas Neuhaus für Sie gelöst: Er hat ein idealtypisches ETF-Portfolio aus zwölf Fondskategorien zusammengestellt und zeigt auch, welche ETFs in der jeweiligen Kategorie am besten abschneiden.

Zwölf ETFs fürs Leben: Wir zeigen, wie Sie mit wenigen Indexfonds sicher ein Vermögen aufbauen. Foto: mbecker/midjourney

Die Grundlage des Musterdepots bilden dabei Aktien-ETFs auf verschiedene Börsenindizes, ergänzt um Indexfonds, die Anleihen und Rohstoffe abbilden. Anders ausgedrückt: zwölf ETFs fürs Leben.

Falls Sie noch mehr Motivation brauchen, um sich mit dem Thema zu beschäftigen: Werfen Sie am besten einen Blick auf unsere Grafik. Sie zeigt die eindrucksvolle Wertentwicklung eines der ältesten noch bestehenden Aktien-ETFs seit 1993.

Das Jahr 2024 war weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen, die bis 1850 zurückreichen. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der EU-Klimaforschungsdienst Copernicus. Nach den an diesem Freitag veröffentlichten Daten ist das vergangene Jahr auch das erste, in dem die globale Durchschnittstemperatur mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau lag. Mit „vorindustriell“ sind die Jahre zwischen 1850 und 1900 gemeint. Im Jahresmittel kommt Copernicus für 2024 auf ein Plus von 1,6 Grad.

Waldbrände in Los Angeles: Ein Feuer zerstört ein Wohnhaus im Stadtteil Pacific Palisades. Foto: Ethan Swope/AP/dpa

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und vermehrten Waldbränden ist weit weniger eindeutig, als Klimaaktivisten das manchmal darstellen. Aber Tatsache bleibt: Die Brände, die derzeit im Großraum Los Angeles wüten, sind außergewöhnlich heftig. Inzwischen bedroht ein weiteres Feuer auch das einstige Film- und heutige Touristenviertel Hollywood.

Villa im Feuer: Es brennt in und um Los Angeles – oft unkontrolliert. Foto: AFP

Insgesamt sind nach jüngsten Angaben der Feuerwehr bei den Bränden bereits mehr als 10.000 Gebäude zerstört worden, Präsident Joe Biden spricht von 360.000 evakuierten Menschen. Wie viele Todesopfer die Brände bisher gefordert haben, ist unklar. Die zuständigen Behörden zögern, klare Angaben zu machen. US-Medien hatten zuvor unter Berufung auf die Polizei von mindestens fünf Toten berichtet.

Die Brände rücken auch das Katastrophenmanagement der Stadt Los Angeles ins Rampenlicht. Anwohner berichteten laut US-Reportern von nicht funktionierenden Hydranten, zu wenig Löschwasser und einer spärlichen Präsenz von Rettungskräften in manchen Gegenden.

Die Union hat im jüngsten ARD-Deutschlandtrend an Zustimmung verloren, liegt aber immer noch klar in Front. Sie kommt jetzt auf 31 Prozent (minus zwei). Die AfD mit 20 Prozent und die SPD mit 15 Prozent können jeweils einen Prozentpunkt zulegen. Dies gilt auch für die FDP und die Linken mit jeweils vier Prozent. Die Grünen bleiben bei 14, und das BSW kommt unverändert auf fünf Prozent.

Ansprache von Bundeskanzler Olaf Scholz beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Köln: Das klingt schon nicht mehr beruhigend-therapeutisch, sondern nach einem Narkotikum ersten Ranges. Doch dann erwies sich der Auftritt des Kanzlers in der Karnevalshochburg als unerwartet selbstironisch.

Olaf Scholz in Köln: Der Kanzler beim Neujahrsempfang der IHK. Foto: IMAGO/Panama Pictures

Man habe ihm gesagt, dass man zu dieser Jahreszeit in Köln nicht gehen dürfe, ohne etwas Gereimtes dargebracht zu haben, sagte Scholz. „Also habe ich mir ein Herz gefasst.“ Anschließend deklamierte der Kanzler seine nach eigener Aussage „allererste Mini-Büttenrede – haben Sie Nachsicht!“ Darin unter anderem folgende Zeile:

„Die Söhne Hamburgs haben ein Lied geschrieben, und Hamburger darin wie folgt beschrieben: Manche sagen, wir sind dröge. Doch das ist 'ne glatte Löge. Wir denken vor dem Sprechen nach. Wenn's sein muss, auch 'nen ganzen Tach.“

Ich wünsche Ihnen einen Wochenausklang ohne voreilige Schlussfolgerungen.

Herzliche Grüße,

Ihr

Christian Rickens

PS - Die Leserfrage:

Wieviel Künstliche Intelligenz steckt im Morning Briefing?

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Bis jetzt gar keine. Alle paar Monate stelle ich ChatGPT die Aufgabe. „Schreibe einen Nachrichten-Newsletter für morgen Früh im Stil des Handelsblatt Morning Briefings!“. Heraus kam bislang stets eine Art gedruckte Tagesschau, langweilige Meldungen vor den Sorte „X und Y sind in Z zu Beratungen zusammengekommen“. Wenn ich ChatGPT dann bitte „Mach es pointierter und witziger!“ gefällt mir das Ergebnis noch weniger.

Aber ich mache mir keine Illusionen: Schon bald wird eine KI in der Lage sein, zumindest das nachrichtliche Gerüst des Morning Briefings zusammenzustellen. Ich könnte mich dann immer noch um die Einordnungen und die launigen Zwischentöne kümmern.

Oder wäre diese Arbeitsteilung schon jetzt möglich, und ich verwende nur die falschen Prompts? Wer aus einer KI ein brauchbares Morning Briefing herausbekommt, kann mir das Ergebnis gerne schicken.

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