1. Startseite
  2. Meinung
  3. Morning Briefing
  4. Morning Briefing: Zwei Börsengänge und eine Vorahnung

Morning BriefingZwei Börsengänge und eine Vorahnung

Douglas und Reddit bieten heute ihre Aktien zum ersten Mal öffentlich an. Reddit fürchtet dabei vor allem seine eigenen Nutzer – die für Börsenrevolten bekannt sind.Teresa Stiens 21.03.2024 - 06:13 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Comeback der Duftmarke: Douglas kehrt zurück an die Börse

21.03.2024
Abspielen 07:23

Liebe Leserinnen und Leser,

am heutigen Tag stehen zwei spannende Börsengänge an, auf die sich zu Beginn ein Blick lohnt. Wobei es sich in einem Fall eher um ein Comeback als um einen echten Neuling handelt: Nach mehr als zehn Jahren Absenz will die Drogeriemarktkette Douglas heute erstmals wieder Aktien anbieten.

Als Douglas 2013 von der Börse verschwand, war das Unternehmen noch ein echter Koloss. Damals besaß die Aktiengesellschaft die Töchter Thalia, Christ und Appelrath Cüpper – von denen sie sich mittlerweile getrennt hat. Der Verkauf war allerdings nicht der einzige Umbau der letzten Dekade. Schließlich ist es kein Selbstläufer, in Zeiten von Onlinehandel und den sozialen Medien noch Kosmetikprodukte in Europas Innenstädten zu verkaufen.

So hat die Douglas AG den ein oder anderen Strategieschwenk hinter sich gelassen und einen Schuldenberg in Höhe von fast vier Milliarden Euro angehäuft. Der aktuelle Geschäftsführer Sander van der Laan will jetzt zurück zu den Wurzeln und das Filialnetz weiter ausbauen. Bis Ende 2026 will Douglas um rund 200 Geschäfte wachsen, wie van der Laan dem Handelsblatt verriet. Bei seinem Comeback geht Douglas verhalten ins Rennen: Der Ausgabepreis der Aktie lag mit 26 Euro am unteren Ende der Preisspanne.

2021 bescherten Redditer institutionellen Leerverkäufern Milliardenverluste. Jetzt drohen sie selbst mit Short-Wetten. Foto: imago images/ZUMA Wire

Auch an der Wall Street wird heute die Glocke für einen Neuling geläutet. Reddit, das größte Internetforum der Welt, wagt in New York seinen Börsengang. Beim „Initial Public Offering“ dürfte das Unternehmen etwas besorgt das Verhalten der eigenen Nutzer im Blick behalten. Schließlich organisierte sich auf der Plattform einst der Börsenaufstand, der durch eine konzertierte Aktion die Gamestop-Aktie in die Höhe trieb. Das Papier des Computerspielehändlers stieg damals binnen drei Wochen von 4,50 Dollar auf bis zu 121 Dollar.

Auch jetzt zeigen sich in einigen Reddit-Beiträgen bereits Tendenzen zur Revolte gegen die Kommerzialisierung der eigenen Plattform. Nutzer werben offen für Leerverkäufe oder Put-Optionen, womit sie auf fallende Kurse setzen können. Die Konzernführung ist sich der Gefahr bewusst und warnt vor „extremen Schwankungen“ der Aktie. Klar scheint beim Reddit-Börsengang nur eins: Langweilig wird es nicht.

Gestern Abend wurde bekannt, dass die US-Notenbank Fed ihren Leitzins zum fünften Mal nacheinander nicht verändern wird. Er bleibt somit in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent. Die Entscheidung der Notenbanker war so erwartet worden. Für Juni rechnen Analysten mit einer Wende in der Zinspolitik. Das wäre ein wichtiges Signal an den Weltmarkt, schließlich gilt der Leitzins der Fed als eine Art Herzschrittmacher für das globale Finanzsystem.

Fed-Chef Jerome Powell: Die hervorragende Stimmung an den Märkten ist ein Grund, weshalb sich die Fed mit der Zinswende Zeit lassen kann. Foto: Bloomberg

Lautete beim Amtseintritt des Premierministers in Großbritannien die Frage noch: Kann Rishi Sunak die Wirtschaft retten? Lautet die Frage heute: Kann die Wirtschaft Rishi Sunak retten? Denn der konservative Premier ist zum eigenen Machterhalt darauf angewiesen, dass die ökonomischen Kennzahlen im Königreich in die richtige Richtung weisen.

Da machen bereits Null Komma eins Prozentpunkte den Unterschied. Um diesen Wert ist die Inflation in Großbritannien im Februar stärker gesunken, als Ökonomen erwartet hatten. Der Hauch einer guten Nachricht also – die Sunak gestern im Parlament zu einem Beweis für den anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung hochstilisierte.

Sunak will die Briten überzeugen, den Konservativen nach 14 Jahren an der Macht noch einmal zu vertrauen. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte finden die Wahlen für das Unterhaus statt. Die meisten politischen Beobachter in London bezweifeln allerdings, dass der zarte Aufschwung die Tories noch vor einer Wahlniederlage retten kann.

Rishi Sunak hofft, dass ein Wirtschaftsaufschwung auch eine Wende in den Meinungsumfragen bringen wird. Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Der Deutschlandchef des US-Vermögensverwalters Blackrock, Dirk Schmitz, warnt im Interview angesichts der hohen Umfragewerte der AfD vor Schaden für den Standort Deutschland. Die Prognosen der vergangenen Monate würden „von internationalen Investoren mit Besorgnis gesehen“, sagt der Länderchef für Deutschland, Österreich und Osteuropa dem Handelsblatt.

Die Furcht vor politischer Instabilität könnte am Ende auch dazu führen, dass weniger ausländisches Kapital in Dax-Konzerne fließe. Schmitz betont: „Wenn man als internationales Unternehmen eine Fabrik in Deutschland baut, dann entsendet man auch Mitarbeiter dorthin. Deshalb will man sicher sein, dass demokratische Werte und das Grundgesetz hochgehalten werden.“

Die Diskussion um einen Rechtsruck hält er deshalb für einen wichtigen Standortfaktor.

Er war gerade achtzehn geworden, noch stark verkatert, als ihn seine Mutter zum Notar schleppte. So erinnert sich Carl-Clemens Veltins an die Unterschrift, die ihn ein Vermögen kostete. „Pro forma“ solle er kurz etwas unterschreiben, habe seine Mutter zu ihm gesagt. Heute steht der Bruder von Susanne Veltins, die in fünfter Generation die sauerländische Brauerei leitet, ohne Erbe da.

Carl-Clemens ist so etwas wie der verlorene Sohn der Bierdynastie. Er lebt als Arbeitsloser in der Nähe von Berlin, war früher im illegalen Drogenhandel tätig und berauschte sich dabei auch an seinem eigenen Zeug. Jetzt klagt er beim Landgericht Arnsberg gegen seine Schwestern – die Nutznießerinnen seiner faktischen Enterbung. Dem Handelsblatt hat er seine Lebensgeschichte erzählt. Sie handelt von viel Reichtum und wenig Zuneigung, von geborgten Autos und Handgranaten. Ein rarer Einblick in die sonst so gut gehüteten Belange des Veltins-Clans.

Veltins-Brauerei: Das Unternehmen aus dem Sauerland ist Gegenstand eines erbitterten Erbstreits. Foto: picture alliance/dpa

Zum Abschluss noch ein kurzer Blick auf den gestrigen Tag des Bundeskanzlers. Am Abend hielt Olaf Scholz eine Rede auf der Leipziger Buchmesse und wurde dabei immer wieder von Zwischenrufen unterbrochen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag schienen seine Nerven allerdings schon etwas strapaziert. Denn als er erneut durch die Rufe einer Frau im Publikum gestört wurde, verlor Scholz die Geduld und entgegnete: „Hör auf zu brüllen, Schluss.“ Ich finde, der Kanzler könnte aus der Not auch eine Tugend machen und die Worte für sich nutzen. „Hört auf zu brüllen“ wäre mal ein ehrlicher Slogan für die nächste Wahlkampagne.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie von niemandem angebrüllt werden.

Es grüßt Sie herzlich Ihre

Teresa Stiens

PS: Haben Sie schon vom PULSE Women Economic Network gehört? Mit PULSE vernetzen wir führende Frauen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu einem branchenübergreifenden Austausch auf Augenhöhe, um über die drängenden Themen unserer Zeit zu sprechen: von Bildung bis Fachkräftemangel, von Inflation bis Transformation, von KI bis Klimaschutz, von Wirtschaftslage bis Geopolitik. Wenn Sie sich für eine PULSE-Mitgliedschaft interessieren und die Zukunft mitgestalten wollen, dann schauen Sie hier vorbei: pulse.handelsblattgroup.com.

Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt