Gebrauchte E-Autos: So erkennt man gute Stromer-Schnäppchen
Köln. Wachsendes Angebot, sinkende Preise, solide Technik: Die Voraussetzungen, um ein gebrauchtes Elektroauto zu erwerben, sind gerade optimal. Zwar kaufen in diesem Jahr bereits mehr Interessierte gebraucht, gleichzeitig klagen Händler über lange Standzeiten und Verlustgeschäft – was potenziellen Käufern eine gute Verhandlungsposition verschafft.
Gerade ehemalige Leasingfahrzeuge großer Flotten kommen gut gepflegt, regelmäßig gewartet und mit nachvollziehbarer Historie auf den Markt. Die meisten Modelle haben noch Garantie auf Batterie oder Antrieb (Herstellerangaben zu Alter und Kilometer beachten!).
Der größte Wertverlust ist meist schon geschehen und die Preise sind attraktiv: 52 Prozent des Neupreises bekommen Händler laut DAT im Schnitt noch für einen dreijährigen Stromer. Zum Vergleich: Bei Benzinern zahlt der Kunde noch 64 Prozent des Neupreises.
Eine gesunde Skepsis sollten Gebrauchtwagenkäufer trotzdem an den Tag legen. Da das E-Auto keine Verschleißteile wie Auspuff oder Kupplung hat und der E-Motor recht wartungsarm ist, ist der Zustand der Batterie für den Wert des Fahrzeugs entscheidend.
Neben Alter und Kilometerstand ist die Art des Ladens entscheidend für die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Batterien, häufiges Schnellladen belastet den Akku beispielsweise. Für den Käufer ist der Zustand kaum einzuschätzen. Daher sollte er auf einem Batterie-Zertifikat des Herstellers oder eines qualifizierten Anbieters bestehen.
Gesundheitszustand der Batterie wird gemessen
Bei dem Batteriecheck wird die verbleibende Akkukapazität in Prozent ermittelt. Zur Orientierung: Bei vielen Herstellergarantien darf der Wert nicht unter 70 Prozent fallen. Der Gesundheitszustand, neudeutsch „State of Health“ (SoH) ist entscheidend für den Restwert, er ist nicht von der Laufleistung abhängig.
Am bequemsten ist es, wenn Hersteller oder Händler bereits ein Zertifikat zur Verfügung stellen. Beim E-Autohersteller Polestar beispielsweise werden die Akkus aller Polestar 2 aus dem Gebrauchtwagenprogramm nach einem 112-Punkte-Plan geprüft.
Auf dem mitgelieferten Zertifikat sorgt eine prozentuale Angabe der nutzbaren Batterie für Gewissheit beim Käufer. Auch immer mehr Händler bieten E-Autos mit zertifiziertem SOH-Check an, dann beispielsweise durchgeführt von Prüforganisationen.
Der Batteriezustand lässt sich über externe Anbieter auch von Privatpersonen prüfen. Aviloo etwa verschickt für 100 Euro eine Box, die an den OBD-Anschluss angeschlossen wird. Der Akku wird im Alltag auf unter 10 Prozent entladen, dann wird das Gerät zurückgeschickt. Nach der Auswertung erhält man ein Zertifikat mit dem SoH-Wert. GTÜ, ADAC, TÜV Nord, TÜV Süd und DAT-Partner bieten diesen Service auch vor Ort an.
Schneller geht es mit zwei anderen Verfahren: Der Batterietest der Dekra basiert auf einer kurzen Beschleunigungsfahrt, während der über die OBD-Schnittstelle Batteriedaten ausgelesen und mit einer Referenzdatenbank abgeglichen werden. Dauer: 15 Minuten, Kosten: rund 100 Euro. Der TÜV Rheinland setzt ebenfalls auf das OBD-System und prüft die Batterie während eines Ladevorgangs per softwaregesteuerter Belastung über Wallbox und Diagnosegerät. Die Auswertung dauert etwa 90 Minuten, Preis: rund 149 Euro.
Künftig dürfte kaum ein E-Auto ohne Zertifikat verkauft werden. Auf die Angaben im Bordsystem sollte man sich nicht verlassen, laut TÜV Rheinland weichen sie oft vom tatsächlichen Batteriezustand ab.