Abschied des Jahres: Angela Merkel: Ein deutsch-deutsches Leben
Ihr Rückzug von der großen politischen Bühne ist der Abschied des Jahres 2021.
Foto: HandelsblattFür große Ereignisse gilt eine Weisheit von Karl Valentin: Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Was ist zuletzt nicht alles über Angela Merkel gesagt, geschrieben, geredet worden? Tausende Artikel und TV-Berichte versuchten, die Frau zu ergründen, die 16 Jahre lang Bundeskanzlerin und mehr als 18 Jahre CDU-Chefin war. Biografen leuchteten ihr deutsch-deutsches Leben in allen Facetten aus.
Am Ende war sogar ihre Musikauswahl für den Großen Zapfenstreich relevant: ein Kirchenlied, die Wie-arm-war-die-DDR-Hymne „Du hast den Farbfilm vergessen“ sowie die Wie-reich-war-die-BRD-Hymne „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Was für eine illustre Runde: der liebe Herrgott, Nina Hagen, Hildegard Knef. Der Allmächtige und zwei „Sünderinnen“. Typischer Angela-Merkel-Humor.
Es war eine letzte Pointe in der Ansammlung der kurzen Geschichten zum langen Abschied der Politikerin, die in Europa die große „Kompromissmaschine“ und in Deutschland die große „Machtmaschine“ der Konservativen war, obwohl einige in der Union ihr beharrlich „Sozialdemokratisierung“ vorwarfen.
Ein letzter Trompetenstoß bei diesem „Abschied des Jahres“, der das Volk jedoch, ungeachtet aller Elogen und Psychogramme, in einer gewissen Unsicherheit beließ. Wer kennt sie wirklich, diese öffentliche Person, die 2013 die Wähler mit einem entwaffnenden: „Sie kennen mich!“ bezirzte?