Analyse: Im Schatten des Kriegs: Die Verwandlung der Annalena Baerbock
Nach ihrer Wahlniederlage hat sich Baerbock als Außenministerin profilieren können.
Foto: imago images/Future Image, imago images/STAR-MEDIA, action pressBerlin. Auch an der Front findet Annalena Baerbock Zeit für das, was ihr wichtig ist. Als sie zwei Wochen vor Ausbruch des Ukrainekriegs erstmals in das heute zu großen Teilen zerstörte Mariupol kommt, trifft sich die Außenministerin mit einer Gruppe Frauen. Es sind Bürgerinnen, die sich seit Jahren um das Schicksal von Frauen im seit 2014 andauernden Krieg in der Ostukraine sorgen.
Es gehe ihr nicht nur „um Hauptstadt-Außenpolitik“, sagt die Grünenpolitikerin nach dem Treffen, bei dem ihr die Frauen berichten, wie seit dem Kriegsausbruch vor acht Jahren die Gewalt in Familien, Alkoholismus und Verwahrlosung zunahmen. Sondern es gehe ihr um das, was Baerbock als „das wahre Leben“ fernab der Hauptstadtdiplomatie sieht.
Zuvor war sie in Schyrokine, einem seit 2014 verlassenen Dorf, von dem aus das Schwarze Meer und sein dort verlassener Strand zu sehen sind. Da hatte Baerbock Schutzhelm und kugelsichere Weste angelegt im Dunkelblau der OSZE, die an der „Kontaktlinie“ – wie die Front im Diplomatendeutsch heißt – neutral die Stellung hält. Die 41-Jährige wirkt angefasst. Sie habe „sehr bedrückende Bilder“ gesehen und habe „sehr bedrückende Gefühle“.