Ifo-Institut: Jeder dritte Selbstständige erwartet 2026 schlechtere Geschäfte
Berlin. Viele Selbstständige in Deutschland blicken pessimistisch auf das neue Jahr. 35,3 Prozent erwarten 2026 eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht.
Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft liegt der Anteil mit 26,1 Prozent deutlich niedriger. Nur 14 Prozent rechnen damit, dass ihre Geschäfte besser laufen werden als 2025. Die Hälfte (50,7 Prozent) geht von einer unveränderten Situation aus. „Die Selbstständigen starten mit mehr Sorge als Zuversicht in das neue Jahr“, sagte Ifo-Expertin Katrin Demmelhuber.
Der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) sieht daher die Politik am Zug. „Wir repräsentieren 90 Prozent der Unternehmen, acht Millionen Erwerbstätige, zehnmal so viele wie die Automobilindustrie, und fühlen uns, als wären wir für diese Regierung unsichtbar“, sagt der VGSD-Vorstandsvorsitzende Andreas Lutz.
Solo- und Kleinstunternehmen müssten endlich in den Blick genommen werden – etwa bei der Reform der Beitragsbemessung, der Aktivrente und der Förderung privater Altersvorsorge. „Sonst droht 2026 ein massenhaftes stilles Sterben kleiner Unternehmen“, sagte Lutz.
Kurz vor dem Jahreswechsel hat sich die Stimmung eingetrübt. Das Geschäftsklima-Barometer für die Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen sank im Dezember um 3,9 Punkte auf minus 23,7 Zähler, so das Ifo-Institut. Sowohl die laufenden Geschäfte als auch die Aussichten für die kommenden Monate wurden schlechter bewertet. Zugleich nahm die Unsicherheit zu: 34,3 Prozent der Befragten fiel es schwer, ihre eigene Geschäftsentwicklung vorherzusagen.
Restriktive Kreditvergabe für Unternehmer
Zusätzlich erschwert der Zugang zur Finanzierung die Lage. Zwar führen mit 10,9 Prozent weiterhin deutlich weniger Selbstständige Kreditverhandlungen als Unternehmen in der Gesamtwirtschaft (26,3 Prozent). Doch fast die Hälfte (47,6 Prozent) von ihnen empfindet die Kreditvergabe als restriktiv – deutlich mehr als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (35,2 Prozent).
Das Ifo-Institut befragt für den Indikator in Zusammenarbeit mit dem Softwareunternehmen Jimdo monatlich etwa 1700 Solo-Selbstständige sowie Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden. Der Schwerpunkt liegt auf dem Dienstleistungssektor.