Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

„Corona-Datenspende“ RKI: Fitness-App soll im Kampf gegen Corona helfen

Besitzer von Smartwatches und Fitnessarmbändern sollen der Medizin Daten spenden. Was ungewöhnlich klingt, hat in Grippewellen bereits geholfen.
07.04.2020 Update: 07.04.2020 - 17:53 Uhr Kommentieren
Die neue App des RKI hat nichts mit der Tracking-App zu tun, die womöglich in Kürze eingesetzt werden könnte.
App „Corona-Datenspende“

Die neue App des RKI hat nichts mit der Tracking-App zu tun, die womöglich in Kürze eingesetzt werden könnte.

Berlin , Düsseldorf Das Robert Koch-Institut (RKI) will den Kampf mit einer neuen freiwilligen App verbessern: Das Programm „Corona-Datenspende“, das ab Dienstag sofort bereit steht, kann auf Smartphones mit den Betriebssystemen iOS (>> Download) oder Android (>> Download) installiert werden. Allerdings wird zudem ein verbundenes Fitnessarmband oder eine Smartwatch benötigt.

Die App soll anonymisiert allgemeine Bio-Daten wie Größe, Gewicht oder Alter, aber auch Daten über Symptome übermitteln, die auf Atemwegserkrankungen hinwiesen, wie höhere Temperatur oder schlechten Schlaf. 

Diese Daten könnten dem Institut helfen, die Verbreitung bestimmter Symptome zu verfolgen, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Dienstag. Eine ähnliche App habe in den USA  „zum Beispiel Grippewellen sehr gut abgebildet“. 

Aktuell gebe es etwa zehn Millionen solcher Fitnessarmbänder oder Smartwatches in Deutschland. Wenn nur jeder zehnte davon die App herunterlade, sei den Wissenschaftlern schon sehr geholfen. Selbst 10.000 Nutzer wären bereits gut, sagte Wieler.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Ulrich Kelber, will bei der neuen RKI-App genau hinschauen. Ab jetzt unterliege die App der Aufsicht seiner Behörde, erklärte Kelber auf Twitter. „Wir fordern zusätzliche Informationen an und entscheiden dann, ob wir als Aufsicht tätig werden müssen.“

    Hintergrund ist, dass die App nicht quelloffen (Open Source) zur Verfügung gestellt wird. Daran entzündete sich in den sozialen Medien Kritik. Ein User schrieb etwa auf Twitter, das RKI denke gar nicht daran, eine vollständige Überprüfbarkeit durch unabhängige Dritte zu ermöglichen. „So verspielt man Vertrauen. Bis auf weiteres muss leider gelten: Finger weg von Datenspende-Apps, erst recht in Krisenzeiten.“

    Kelber erklärte, das RKI habe die App gestartet, nachdem der eigene Datenschutzbeauftragte grünes Licht gegeben habe. „Dieser hat uns vorher um Rat gegeben.“ Dazu habe es eine „vorläufige Einschätzung“ auf Basis der Informationen gegeben, die vorgelegen hätten. Kelber betonte: „Wir sind keine Zulassungsbehörde, von uns bekommt niemand ein Siegel oder „grünes Licht“.

    Das RKI hat das Berliner Start-up Thryve mit der Entwicklung der App beauftragt, ein Spin-Off des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung (IGD), dass 2017 ausgegründet wurde. Thryve ist Betreiber der Infrastruktur und der Website. „Die Algorithmen zur Erkennung von Symptomen von COVID-19 wurden bereits vor der Beauftragung von Thryve entwickelt“, heißt es vom Unternehmen.

    Die App sei in enger Abstimmung mit den Fachabteilungen des RKI entwickelt worden, betont man bei Thryve: „Dabei wurde insbesondere auf Datenschutz und Datensparsamkeit geachtet.“ Außerdem handle man nur auf Weisung des RKI. Dass der Quellcode nicht offengelegt werde, liege daran, dass die App Technologie beinhalte, bei der es sich um geistiges Eigentum des Unternehmens handle.

    Die neue Datenspende-App des RKI hat nichts mit der Tracking-App zu tun, die womöglich in Kürze eingesetzt werden könnte. Diese soll – ebenfalls freiwillig und anonymisiert – Menschen warnen können, wenn sie sich länger in direkter Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Die Bundesregierung strebt hier aber eine europaweite Lösung an, damit beispielsweise auch Pendler über Grenzen hinweg die Möglichkeit haben, erfasst zu werden. 

    Mit Blick auf die Entwicklung der Epidemie in Deutschland könne trotz der rückläufigen Zahl der Neuinfektionen noch nicht von einer Entspannung ausgegangen werden, sagte Wieler: „Wir müssen die nächsten Tage abwarten, ob sich bei den Meldungen ein Trend abzeichnet.“

    Noch genügend Intensivbetten vorhanden

    Auch der für die Epidemiologen zentrale R0-Wert, also die Zahl von Menschen, die ein Infizierter ansteckt, hat sich wieder erhöht. Sie lag zuletzt bei rund eins, inzwischen sind es wieder 1,2 bis 1,5 so Wieler. Vorvergangene Woche hatte der Wert jedoch bei mehr als fünf gelegen. Von einer echten Eindämmung der Epidemie gegen die Experten aus, wenn er unter eins liegt.  

    Mittlerweile seien von knapp 100.000 Infizierten 33.300 genesen. Das sei eine „erfreuliche Zahl“, sagte Wieler. Allerdings müsse mit zahlreichen weiteren Toten gerechnet werden. Bis jetzt sind 1607 Menschen gestorben. 

    Dass die deutsche Strategie bisher „sehr, sehr erfolgreich ist“, zeige sich vor allem daran, dass es noch genügend Intensivbetten und genügend Beatmungsgeräte gibt, sagte der RKI-Chef.  Nach den jüngsten Zahlen des zentralen Registers ‚Divi„ waren gut 13.000 Intensivbetten belegt, rund 10.000 waren frei.

    Das Register wird aktuell technisch erneuert. Zudem ist eine Meldepflicht für die Krankenhäuser geplant. 

    Mehr: „Nicht zielführend“ – Gesundheitsexperten zweifeln Corona-Kurs der Bundesregierung an.

    Startseite
    Mehr zu: „Corona-Datenspende“ - RKI: Fitness-App soll im Kampf gegen Corona helfen
    0 Kommentare zu "„Corona-Datenspende“: RKI: Fitness-App soll im Kampf gegen Corona helfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%