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Corona-Epidemie RKI: Zahl der Intensivbetten wird nicht reichen

Lothar Wieler prognostiziert: Die Sterberate wird ansteigen. Der RKI-Chef fordert den Einsatz von mehr Zügen und Waggons, um die Passagiere vor Ansteckung zu schützen.
03.04.2020 - 12:09 Uhr 2 Kommentare

RKI: Masken können das Ansteckungsrisiko im öffentlichen Raum reduzieren

Berlin Noch gibt es in Deutschland mehr als 8000 freie Intensivbetten. Das meldet die zentrale Übersichtswebseite. Der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, geht dennoch davon aus, dass die Zahl nicht ausreichen wird.

Denn: „Die Epidemie geht weiter“, sagte er am Freitagmorgen, „auch die Zahl der Toten wird weiter steigen.“ Auch sei noch nicht ganz klar, wie groß die Immunität derer ist, die die Krankheit hinter sich haben – dafür dürfte es erst „in einigen Wochen“ wissenschaftliche Ergebnisse geben.   

Die bisherigen Kontaktverbotsmaßnahmen wirkten aber, versicherte Wieler. Die Zahl der Menschen, die ein Infizierter ansteckt, habe zu Hochzeiten acht betragen. Mittlerweile sei sie auf eine Person gesunken. Um die Epidemie wirklich einzudämmen, „muss sie aber unter eins sinken“.  

Nach den Daten des RKI waren am Freitag um Mitternacht offiziell knapp 80.000 Covid-19-Infizierte gemeldet, die Zahl der Verstorbenen stieg auf 1017. Wieler geht aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Verstorbenen „eher unterschätzt wird“ – einerseits weil nicht alle getestet werden, aber auch weil der Nachweis nach dem Tod sehr schwer sei. Die statistische Sterberate liegt aktuell bei 1,2 Prozent der Infizierten. Wieler geht davon aus, dass auch sie weiter ansteigen wird: „Wie hoch, vermag ich nicht zu sagen.“ 

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    Dringend appellierte der oberste Seuchenberater der Bundesregierung an die Verkehrsbetriebe, die Taktung von S- und U-Bahnen keinesfalls zu reduzieren, sondern eher zu erhöhen und bei Bedarf auch mehr Waggons einzusetzen.

    Mindestabstand von anderthalb Metern auch in der Bahn

    Es müsse unbedingt garantiert sein, dass die Bürger den Mindestabstand von anderthalb Meter auch in der Bahn einhalten könnten. Dazu müssten aber auch die Fahrgäste selbst beitragen, indem sie sich gleichmäßig auf die Waggons verteilten und nicht alle entweder ganz hinten oder ganz vorn einstiegen, wie er es selbst in Berlin auf seinem Weg ins Institut beobachtet habe.  

    Wieler wies zugleich Meldungen zurück, das RKI habe seine Empfehlungen zu Schutzmasken geändert. „Hier irrt ,Bild‘“, sagte er. Es gelte nach wie vor: Einfache oder auch selbst gebastelte oder genähte Masken „schützen den Träger nicht vor Ansteckung“. Sie könnten nur helfen, andere zu schützen, indem sie Tröpfchen beim Husten oder Nießen abfangen – doch auch das sei wissenschaftlich nicht erwiesen.

    Dafür müssten sie zudem eng anliegen und nach dem Durchfeuchten gewechselt werden. Die einzige neue Empfehlung, die das RKI zusammen mit dem für Arbeitsschutz zuständigen Bundesarbeitsministerium erlassen habe, sei: Einfache Masken können wieder verwendet werden, wenn sie 30 Minuten bei 65 bis 70 Grad gewaschen worden seien. 

    Wieler machte jedoch erneut deutlich, dass der falsche Umgang mit einfachen Masken große Risiken berge: „Das Schlimmste was passieren kann, ist, dass uns diese Masken in falscher Sicherheit wiegen.“

    Es dürfe keinesfalls dazu führen, dass ihre Träger in der Öffentlichkeit die entscheidenden Regeln vernachlässigten, also eineinhalb Meter Abstand, Nießen und Husten nur in die Armbeuge, ausreichendes Händewaschen und nicht ins Gesicht fassen. Auch müssten kranke Menschen auf jeden Fall zu Hause bleiben und dürften auch mit Maske weder einkaufen gehen noch U-Bahn fahren.  

    Die Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, hat indessen in einer neuen Stellungnahme die flächendeckende Nutzung von Mund-Nasen-Schutz empfohlen. Dieser diene „eingeschränkt auch unmittelbar dem Eigenschutz“, schreibt eine Leopoldina-Forschergruppe.

    Eine schrittweise Lockerung der Einschränkungen sollte daher mit dem flächendeckenden Tragen von Schutzmasken einhergehen. Das gelte im gesamten öffentlichen Raum, in Betrieben, Bildungseinrichtungen und im öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

    Voraussetzung sei allerdings die flächendeckende Verfügbarkeit von schützenden Masken. Der Mangel sollte bereits jetzt durch selbst hergestellten Mund-Nasen-Schutz, Schals und Tücher überbrückt werden. Diese sollten „Mund, Nase, Kinn und die Seitenränder möglichst vollständig abdecken“.

    Nutzung der App soll freiwillig sein

    Hocherfreut zeigte sich RKI-Chef Wieler über die geplante Handy-App zur Kontakt-Identifizierung, die eine Gruppe von Wissenschaftlern diese Woche vorgestellt hatte. Die App könne den Gesundheitsämtern in den kommenden Monaten die Suche nach Kontaktpersonen von Infizierten extrem erleichtern.

    Die Nutzung der App soll freiwillig sein: Sie misst per Bluetooth, ob ein anderes Handy, auf dem die App ebenfalls installiert ist, mehr als eine Viertelstunde im Umkreis von etwa zwei Metern war.

    Dann würde der Besitzer dieses Mobiltelefons informiert, falls er Kontakt zu einem mittlerweile Infizierten hatte. Auf diese Weise könnten lokale Ausbrüche, die noch sehr lange zu erwarten seien, viel schneller entdeckt und niedergeschlagen werden, sagte Wieler. Die Internetwirtschaft will mit einer Kampagne für diese App werben

    Mehr: Deutschland hat ein Coronatest-Problem. Bund und Länder wollen dem Rat der Experten folgen und Testkapazitäten ausweiten. Die lassen sich aber nicht beliebig erhöhen.

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    2 Kommentare zu "Corona-Epidemie: RKI: Zahl der Intensivbetten wird nicht reichen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wissenschaftlich verständlich:
      "Die Zahl der Menschen, die ein Infizierter ansteckt, habe zu Hochzeiten acht betragen. Mittlerweile sei sie auf eine Person gesunken. Um die Epidemie wirklich einzudämmen, „muss sie aber unter eins sinken“. "Wie soll, bitte, die Ansteckungsrate unter 1 gesenkt werden."
      Aber Statistik ist schon im Studium für viele angehende Wissenschaftler nicht ganz ohne und sorgt bei Laien oft für Lacher: Also jeder Infizierte soll dann nur noch einen halben Menschen anstecken?" Kann das mal bitte jemand auf in Richtung angestrebte "Herden-Immunität" umdeuten? Was ist, wenn bei 60-70% "Durchseuchung" diese Immunität der geschlossenen Gesellschaft erreicht ist? Ist mit Herden-Immunität die "Menschheit" gemeint oder Deutschland?

    • In einem Beitrag der Zeit.de "Wie viele Intensivbetten gibt es in meiner Region?" gibt es eine vorsichtig optimistische Einschätzung, dass die Anzahl ausreichend sein wird. Wie kommt die pessimistische Einschätzung von Herrn Wieler zustande? Wieviele Betten sind in den Intensivstationen belegt und wie verändert sich diese Belegung mit der Zeit in Bezug auf Covid-19 Erkrankungen? Können hierzu vielleicht Aussagen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden? Meiner Meinung nach eiden sicherlich aufgrund der Maßnahmen sehr viele Menschen auch ohne ernsthafte Erkrankungen und um die Stimmung der Gemeinbevölkerung ernsthaft positiv aufrecht zu halten wird sich diese Frage als äußerst Interessant erweisen. Mögen die Betten reichen.

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