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Keir Starmer

Der 57-Jährige soll die Arbeiterpartei zurück an die Regierung führen.

(Foto: REUTERS)

Corbyn-Nachfolge Keir Starmer ist neuer Labour-Chef

Starmer wird künftig dem britischen Premier Boris Johnson die Stirn bieten. Anders als sein Vorgänger will „Sir Keir“ kein Mann der Extreme sein.
04.04.2020 - 12:04 Uhr Kommentieren

London Wer wäre wohl besser für das Amt des Labour-Chefs geeignet als jemand, den seine Eltern schon zu Ehren des Parteigründers „Keir“ nannten? Keir Starmer war als Favorit in das Rennen um den Posten des Parteichefs der britischen Labour-Partei gegangen – und ging als Sieger aus ihm hervor.

Am Samstag wurde der 57-Jährige mit mehr als 50 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden der Partei gewählt und ließ damit seine zwei Kontrahentinnen Rebecca Long-Bailey und Lisa Nandy klar hinter sich. Starmer, der für den Londoner Wahlkreis Holborn and St Pancras im Parlament sitzt, muss sich nun mit dem britischen Premierminister Boris Johnson messen.

Nicht nur bei der allwöchentlichen Diskussionsrunde im Westminster Palace werden dann Welten aufeinanderprallen: Auf der einen Seite ein Premier, der sich nur allzu gern reden hört und dabei am liebsten nicht ins Detail geht. Und auf der anderen Seite ein ehemaliger Generalstaatsanwalt, der im Rampenlicht meistens eher blass wirkt. 

Auch wenn sein Name ihn zu prädestinieren scheint – Starmer ist für viele Briten keineswegs der Inbegriff eines Anführers der Arbeiterpartei, und das nicht nur, weil er 2014 zum Ritter geschlagen wurde und deswegen offiziell „Sir Keir“ angesprochen werden sollte. Immer wieder muss sich Starmer gegen den Vorwurf wehren, zur „Londoner Elite“ zu gehören und nicht die Nöte klassischer Labour-Wähler zu verstehen.

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    Dabei war er am Rande der Hauptstadt in eher bescheidenden Verhältnissen als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Krankenschwester aufgewachsen. Als erster seiner Familie besuchte Starmer nach der Schule die Universität, zunächst im nordenglischen Leeds, dann in Oxford. Danach ging er zurück nach London und begann seine Karriere in der Justiz.

    Kämpfer für Menschenrechte

    In den 1990er Jahren arbeitete Starmer in London für Amnesty. Er vertrat unter anderem auch ehrenamtlich die angeklagten Aktivisten im berühmten McLibel-Fall, der die britische Öffentlichkeit über zehn Jahre lang in Atem hielt und für den amerikanischen Fast-Food-Konzern zu einem PR-Desaster wurde.

    Sein Wissen um Menschenrechte kam ihm zugute, als der damalige Labour-Chef Tony Blair 1989 die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten in britisches Recht überführte und Starmer zu den wenigen Anwälten gehörte, die sich mit dem Thema auskannten. Starmer machte infolgedessen eine steile Karriere: Er war Generalstaatsanwalt, bevor er vor gut vier Jahren in die Politik wechselte.

    Der bisherige Labour-Chef Jeremy Corbyn holte ihn in sein Schattenkabinett, erst für den Bereich Einwanderung, dann für den Brexit. In dieser Funktion verteidigte er die unklare Linie zum EU-Austritt – dabei waren seine Sympathien klar für ein zweites Referendum und den Verbleib in der EU.

    Als er diese Forderung 2018 erstmals auf dem Labour-Parteitag in Liverpool vortrug, war das einer der wenigen Momente, als ihm tosender Applaus entgegen schlug. Doch immer wieder wird Starmer ihm mangelndes Charisma nachgesagt: Ein BBC-Journalisten warf ihm einmal offen vor, ihm fehle „Begeisterung, das Feuer im Bauch“. Aber er lege keinen Wert darauf, dass ihm die Leute „zu Füßen liegen und jedes Wort von den Lippen ablesen“, entgegnete Starmer.

    Vertrauen vom Ex-Premier

    Und er will – anders als sein Vorgänger Corbyn – kein Mann der Extreme sein. Er bezeichnet sich als Sozialist, gilt aber als gemäßigt. Als Ziel hat er sich gesetzt, die Partei zu einen, in Vorbereitung auf die nächsten Parlamentswahlen 2024. „Wir können nicht gegen die konservative Partei gewinnen, wenn wir nur untereinander gegeneinander kämpfen“, sagt er.

    Ex-Premier Gordon Brown traut es Starmer zu, den Parteiwechsel an der Landesspitze zu vollziehen. Starmer bringe die „Expertise, Eloquenz, Engagement und Werte“ mit, die für „die Rückkehr von Labour an die Macht erforderlich sind“, verkündete Brown kürzlich.

    Aber bereits die Zahlen sprechen dafür, dass Starmer schwere Zeiten vor sich hat. Mit 243 der 650 Abgeordnetenmandate im britischen Parlament ist die Labour-Partei zwar die zweitstärkste Fraktion, aber vor nicht einmal einem halben Jahr hatte sie noch deutlich mehr Sitze.

    In den Parlamentswahlen im Dezember hatte die konservative Partei unter Premier Johnson unerwartet gut abgeschnitten, während die Labour-Partei das schlechteste Resultat seit mehr als 80 Jahren verbuchen musste.

    Labour-Parteichef Corbyn trat daraufhin zurück - und hinterließ eine Partei, die tief gespalten ist: Auf der einen Seite stehen diejenigen, die wie Corbyn einen radikalen Linkskurs einschlagen wollen und auf der anderen Seite stehen diejenigen, die in der Tradition von Blair pragmatische Ansätze befürworten.  

    Starmer will sich nicht nur in der Mitte einordnen, sondern auch die beiden Extreme versöhnen. Ob er diese Herausforderung schafft, wird sich zeigen.

    Mehr: Die Coronakrise wird Großbritannien wohl zwingen, den Austritt aus dem europäischen Binnenmarkt zu verschieben. Dazu muss Boris Johnson jedoch seine Meinung ändern.

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