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Corbyn-Nachfolge Ein Ritter, eine Fortsetzungskandidatin, vier Außenseiter: Wer folgt Corbyn an der Labour-Spitze?

Die Partei sucht einen Nachfolger für ihren bisherigen Chef Jeremy Corbyn. Eine Kandidatin will das Establishment sogar mit „Zähnen und Klauen” bekämpfen.
07.01.2020 - 15:05 Uhr Kommentieren
Der Chef der britischen Labour-Partei hatte nach der Parlamentswahl im Dezember 2019 seinen Rücktritt angekündigt. Quelle: AFP
Jeremy Corbyn

Der Chef der britischen Labour-Partei hatte nach der Parlamentswahl im Dezember 2019 seinen Rücktritt angekündigt.

(Foto: AFP)

London Nach dem desaströsen Abschneiden in den Parlamentswahlen im Dezember hat der Chef der größten Oppositionspartei Labour seinen Rücktritt angekündigt. Die Suche nach einem Nachfolger beziehungsweise einer Nachfolgerin für Jeremy Corbyn hat am Dienstag offiziell begonnen.

Auch der Posten des Stellvertreters ist vakant, er wird aber in einem separaten Verfahren vergeben.

Ein Überblick über die Kandidaten, ihre Chancen und den Ablauf des Auswahlprozesses:

Keir Starmer

Der 57-Jährige war bereits Mitglied in Corbyns Schattenkabinett. Quelle: Reuters
Keir Starmer

Der 57-Jährige war bereits Mitglied in Corbyns Schattenkabinett.

(Foto: Reuters)

Als Favorit für die Corbyn-Nachfolge bei den Buchmachern gilt der 57-jährige Keir Starmer, der den innerstädtischen Wahlkreis Holborn and St Pancras in London vertritt. Der ehemalige Oberstaatsanwalt, der 2014 für seine Verdienste in der Justiz zum Ritter geschlagen wurde, war seit Herbst 2016 im Schattenkabinett von Corbyn für das Thema Brexit zuständig.

Er hatte sich vehement für ein zweites Referendum eingesetzt. Daneben hatte er sich gegen Antisemitismus in den Reihen der Partei ausgesprochen.

Er bezeichnet sich als Sozialist, gilt aber – gerade im direkten Vergleich zu Noch-Parteichef Corbyn – als gemäßigt. Ihm dürfte jedoch der Vorwurf gemacht werden, dass er als Abgeordneter für London nicht die Interessen der anderen Regionen Großbritanniens vertreten könne.

In einer Umfrage von Yougov Anfang des Jahres unter Parteimitgliedern ging Starmer als Gewinner der Wahlen hervor – vor der zweitplatzierten Rebecca Long Bailey.

Rebecca Long Bailey

Bailey war zuletzt im Schattenkabinett für das Thema Wirtschaft zuständig. Quelle: imago images/PA Images
Rebecca Long Bailey

Bailey war zuletzt im Schattenkabinett für das Thema Wirtschaft zuständig.

(Foto: imago images/PA Images)

Die 40-Jährige gilt als Zögling des scheidenden Parteichefs und als „Fortsetzungskandidatin“. Long Bailey war zuletzt im Schattenkabinett für das Thema Wirtschaft zuständig und engagierte sich vor allem gegen den Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit. Sie unterstützte Corbyns Kurs, den sie als „radikale, ehrgeizige sozialistische Vision für die Zukunft“ lobt.

Die Tochter eines Hafenarbeiters kommt aus der Region Manchester im Norden des Landes. Viele Wähler waren dort traditionell für Labour, fühlen sich aber abgehängt.

Zu ihrem Eintritt in das Rennen um den Parteivorsitz erklärte sie, sie sei „keine typische Politikerin. Ich bin kein Millionär oder Vermieter, und ich bin nicht auf eine Elite-Schule gegangen. Ich bin vielmehr ein Leben lang Sozialistin gewesen, habe mich unserer Bewegung verschrieben und bin entschlossen, meinen Teil beizutragen.“ Das Establishment wolle sie mit „Zähnen und Klauen” bekämpfen.

Lisa Nandy

Nandy tritt für eine Stärkung des Sozialstaats ein. Quelle: imago images/PA Images
Lisa Nandy

Nandy tritt für eine Stärkung des Sozialstaats ein.

(Foto: imago images/PA Images)

Wie Rebecca Long Bailey kommt auch die ebenfalls 40-jährige Lisa Nandy aus dem Norden. Sie wird dem Flügel der gemäßigten Linken in der Partei zugerechnet. Aus Protest gegen Corbyn und seine Brexit-Politik hatte sie ihren Posten im Schattenkabinett (Energie und Klimawandel) 2016 niedergelegt.

Nandy will sich vor allem für die Interessen der Regionen abseits der Hauptstadt und die Stärkung des Sozialstaats einsetzen. Sie betont, dass es für Labour zukünftig nicht darum gehe, radikale Positionen zu vertreten, sondern „relevant zu sein“.

In der Yougov-Umfrage unter gut 1000 Parteimitgliedern schied Nandy als erste aus dem mehrstufigen Wahlprozess aus. Bei Buchmachern gilt Nandy aber nicht als absolute Außenseiterin, sondern liegt auf dem dritten Platz, hinter Starmer und Long Bailey und vor Emily Thornberry.

Emily Thornberry

Im Schattenkabinett war Thornberry für das Außenministerium zuständig. Quelle: NurPhoto/Getty Images
Emily Thornberry

Im Schattenkabinett war Thornberry für das Außenministerium zuständig.

(Foto: NurPhoto/Getty Images)

Die 59-jährige vertritt den Londoner Wahlkreis Islington South and Finsbury und muss sich deswegen ebenfalls gegen den Vorwurf wehren, nur die Interessen der städtischen Wähler zu vertreten. Zudem werfen ihr manche Labour-Wähler vor, sie sei „versnobbt“.

Im Schattenkabinett war Thornberry für das Außenministerium zuständig. Sie unterstützte Corbyn lange und vertrat ihn bisweilen auch bei der allwöchentlichen Fragestunde mit dem Premier.

Aber weil sie sich – wie auch Keir Starmer – deutlich für ein zweites Referendum und eine starke Anbindung an die EU aussprach, sehen sie einige Anhänger von Corbyn kritisch.

Jess Phillips

Die 38-Jährige übte Kritik an der Labour-Wahlkampfstrategie. Quelle: imago images/i Images
Jess Phillips

Die 38-Jährige übte Kritik an der Labour-Wahlkampfstrategie.

(Foto: imago images/i Images)

Die Abgeordnete für den mittelenglischen Wahlkreis Birmingham Yardley saß im Parlament bislang in den hinteren Reihen – hat von dort aus aber immer wieder das Wort ergriffen, vor allem bei Themen wie Gewalt gegen Frauen und Gleichberechtigung. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt vor allem die Andeutung, sie könne sich als Parteichefin für den Wiedereintritt in die EU stark machen.

Zudem kritisierte die 38-Jährige die Wahlkampfstrategie von Labour. Die Partei habe zu viel versprochen und sich damit unglaubwürdig gemacht, sagte sie mit Verweis auf die Ankündigung von Corbyn, bei einem Wahlsieg allen Briten kostenlosen Zugang zum Breitband zu geben. Vielen Briten sei ein gutes Busnetz wichtiger als Breitband.

Clive Lewis

Lewis gilt als Außenseiter im Rennen um die Corbyn-Nachfolge. Quelle: AFP/Getty Images
Clive Lewis

Lewis gilt als Außenseiter im Rennen um die Corbyn-Nachfolge.

(Foto: AFP/Getty Images)

Vor zwei Jahren war der Abgeordnete für Norwich South im Osten Englands aus dem Schattenkabinett zurückgetreten – zum einen aus Protest gegen die Brexit-Politik, zum anderen hatte er der Parteispitze vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen vorzugehen.

Der ehemalige Soldat und Journalist gilt unter denjenigen Kandidaten, die sich bislang offiziell gemeldet haben, als größter Außenseiter.

Der Auswahlprozess

Seit diesem Dienstag können sich Kandidaten von Labour-Abgeordneten und -Parteimitgliedern aufstellen lassen. Um sich zu qualifizieren, müssen sie von mindestens 22 Labour-Abgeordneten sowie von fünf Prozent der Kreisverbände oder drei parteinahen Organisationen unterstützt werden.

Am 21. Februar beginnt die bis 2. April laufende Wahl. Jeder Teilnehmer an der Abstimmung muss auf seinem Stimmzettel ein Ranking aller Kandidaten vornehmen.

Wenn nicht gleich zu Anfang ein Kandidat eine absolute Mehrheit erhält, wird der Kandidat mit den wenigsten Stimmen ausgesiebt. Die für ihn abgegebenen Stimmen werden dann auf die folgende Präferenz vergeben.

2016, bei der Wiederwahl von Jeremy Corbyn, hatten rund eine halbe Million Parteimitglieder an der Abstimmung teilgenommen. Am 4. April soll auf einer außerordentlichen Parteikonferenz das Ergebnis bekannt gegeben werden.

Mehr: So geht es in London nach der Weihnachtspause weiter.

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