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Diplomatie„Grönland ist nicht verkäuflich“ – Macron besucht Inselstaat

Als erster französischer Präsident kommt Macron in die Hauptstadt Grönlands. Diese Geste ist ein klares Signal Richtung Washington. In Nuuk erwarten Macron aber auch andere Konflikte.Helmut Steuer 15.06.2025 - 16:34 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei der Ankunft in Nuuk, links hinter ihm steht Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Foto: AFP

Stockholm. Emmanuel Macron besucht Grönland: Auf seinem Weg zu dem am Montag im kanadischen Kananaskis beginnenden G7-Gipfel der sieben führenden Wirtschaftsnationen hat der französische Präsident einen Zwischenstopp in der grönländischen Hauptstadt Nuuk eingelegt.

Es ist der erste Besuch eines französischen Präsidenten auf der größten Insel der Welt. Und es ist ein deutliches Zeichen in Richtung von US-Präsident Donald Trump. Denn dieser hat in der Vergangenheit immer wieder damit gedroht, Grönland notfalls sogar mit Gewalt zu übernehmen. „Aus Sicherheitsgründen“, wie er seinen wenig diplomatischen Vorstoß begründete.

Mit seinem Besuch sendet Macron eine klare Nachricht in Richtung Washington: Frankreich und Europa stehen geeint hinter der weitgehend autonomen, aber noch zu Dänemark gehörenden Insel.

„Grönland ist nicht verkäuflich, ebenso wenig wie die Antarktis oder die Ozeane“, erklärte Macron Anfang vergangener Woche. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen, die Macron nach Nuuk begleitet, dürften diese Aussagen freuen.

Am 1. Juli übernimmt Dänemark die EU-Ratspräsidentschaft, und derzeit sucht die Sozialdemokratin vor allem bei den europäischen Partnern Beistand für das Prinzip der Unverletzlichkeit von territorialen Grenzen.

Bei seiner Ankunft in Nuuk wurde Macron noch deutlicher: „Ich bin froh, hier zu sein, um über die Herausforderungen zu sprechen“, erklärte Macron nach seiner Landung in der grönländischen Hauptstadt. „Wir möchten Ihnen Frankreichs Freundschaft und Solidarität zeigen. Mir bedeutet das sehr viel“. Er rief andere Länder, darunter die USA, auf, in der Arktis zusammenzuarbeiten statt Konflikte in der Region zu schaffen.

Trump will Grönlands Rohstoffe

Trumps unverhohlene Drohungen, die Insel notfalls sogar mit Gewalt übernehmen zu wollen, begründet der US-Präsident mit der strategisch wichtigen Lage und den reichen Bodenschätzen. Man wolle die Arktis auch vor dem Hintergrund, dass China und Russland ihr Engagement in der Region verstärkt haben, besser kontrollieren können.

Dieses Argument stößt in Grönland auf Unverständnis, unterhalten die USA doch einen Militärstützpunkt, im März war dort noch Vizepräsident J.D. Vance zu Besuch. Weder Nuuk noch Kopenhagen haben etwas dagegen, dass die USA ihre militärische Präsenz auf der Insel ausbauen.

Die USA hatten bereits in der Vergangenheit 17 Militärstützpunkte in Grönland mit mehreren Tausend Soldaten. Doch sie entschieden sich, ihr Engagement auf der Arktisinsel zu reduzieren. Seitdem betreiben sie nur noch die Pituffik Space Base mit 150 Soldaten. Um die militärische Präsenz in Grönland zu erhöhen, sei eine Übernahme der Insel deshalb nicht notwendig, heißt es in Nuuk.

Die Rohstoffförderung ist allerdings wegen der schwierigen klimatischen Verhältnisse und der fehlenden Infrastruktur – außerhalb der Städte gibt es keine Straßen – äußerst schwierig und kostspielig.

Dass Macron in Begleitung von Frederiksen nach Nuuk reist, ist nicht bei allen Grönländerinnen und Grönländern gut angekommen. „Mette, bleib zu Hause“, polterte etwa Pele Broberg, Vorsitzender der Oppositionspartei Naleraq. „Grönland wird mit führenden Politikern der Welt selbst sprechen. Wir brauchen keine dänische Spionin bei den Gesprächen“, legte er nach.

Der Ärger Brobergs, dessen Partei seit Jahren am lautesten für eine völlige Unabhängigkeit von Dänemark eintritt, liegt an dem belasteten Verhältnis zwischen Kopenhagen und Grönland. Viele Grönländer fühlen sich seit Jahrzehnten von Dänemark gegängelt. „Die Kolonialmacht lässt uns ständig spüren, dass wir von ihnen abhängig sind“, sagte ein Demonstrant auf einer Demonstration für die Unabhängigkeit im März dieses Jahres.

Verhältnis zwischen Grönland und Dänemark: „Eine komplexe Frage“

Auch der deutsche Kulturhistoriker Ebbe Volquardsen, Professor an der Universität in Nuuk, beschreibt das grönländisch-dänische Verhältnis als „eine komplexe Frage“. „Erst seit etwa fünf Jahren sehen wir, dass offizielle Stellen in Dänemark bereit sind, lieb gewonnene Narrative über die angeblich humane dänische Kolonialisierung zu hinterfragen“, sagte er dem Handelsblatt.

Seit den Annexionsdrohungen des US-Präsidenten sind Nuuk und Kopenhagen wieder näher zusammengerückt. Denn sowohl die dänische als auch die grönländische Regierung weisen die Übernahmepläne der USA aufs Schärfste zurück.

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In der vergangenen Woche wollte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth auf Nachfrage von Journalisten eine Übernahme der Insel weiterhin nicht ausschließen. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen reagierte am Freitag prompt. „Das ist kritikwürdig und enttäuschend, und es trägt dazu bei, dass der Druck auf Dänemark und Grönland anhält. Wir werden uns dem entgegenstellen.“

Auch Grönlands neuer Regierungschef Jens-Frederik Nielsen hat die Drohungen der USA immer wieder zurückgewiesen und kann sich der Unterstützung fast aller anderen Parteien und der Bevölkerung in Grönland sicher sein. Mit Emmanuel Macron haben die Grönländer einen weiteren, mächtigen Verbündeten.

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