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Marine Russland plant Bau eines atomaren Flugzeugträgers

Das Land rüstet weiter auf: Nun sind Pläne zum Bau eines neuen Flugzeugträgers aufgetaucht. Er soll auf den Weltmeeren der US Navy Konkurrenz machen.
14.01.2020 - 11:39 Uhr Kommentieren
Die „Admiral Kusnezow“ ist der derzeit einzige Flugzeugträger Russlands. Quelle: imago images/ITAR-TASS
Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“

Die „Admiral Kusnezow“ ist der derzeit einzige Flugzeugträger Russlands.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Moskau Die Maße sind atemberaubend: Mehr als 300 Meter lang und über 65 Meter hoch. Ein Tiefgang von fast elf Metern und eine Wasserverdrängung von 80.000 Tonnen. Angetrieben von vier Atomreaktoren mit einer Leistung von je 305 Megawatt, die das Schiff auf 55 Kilometer pro Stunde beschleunigen sollen. So könnte der neue atomgetriebene Flugzeugträger aussehen, den Russland bauen will.

Bei der Bewaffnung wird Russland ohnehin alles draufpacken, was das Militär zu bieten hat. Und das ist einiges: Rund 70 Flugzeuge und Hubschrauber soll der Träger beherbergen können. Auf dem Deck dürften dann neben den heute eingesetzten Su-33 auch die neuesten, teilweise noch in Entwicklung befindlichen Mehrzweckkampfjets MiG-35 und Su-57 Platz finden.

Daneben sollen neue Hyperschall-Wunderwaffen, mit denen Kremlchef Wladimir Putin vor zwei Jahren die Welt aufschreckte, wie die Luft-Boden-Rakete „Kinschal“ („Dolch“) und die Antischiffs-Lenkwaffe „Zirkon“, zum Arsenal gehören. Und der Flugzeugträger wird eigens dafür gebaut, auch Mittelstreckenraketen vom Typ „Kalibr“ abfeuern zu können, die Russland nach US-Präsident Donald Trumps Kündigung des INF-Vertrags in den nächsten Jahren massiv weiterentwickeln will.

Der Auftrag für den Neubau soll demnach schon in diesem Jahr an die staatliche Werften- und Rüstungsholding OSK gehen, berichteten russische Medien. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Die russische Marine hatte früher erklärt, sie plane, etwa 2030 einen atomaren Flugzeugträger in Dienst zu stellen.

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    Das entspricht auch den bisherigen Erklärungen des Verteidigungsministeriums, wonach der Vertrag für den Bau 2025 unterzeichnet werden soll. Die Bauzeit beträgt demnach fünf Jahre.

    Alte Pläne sollen als Grundlage dienen

    Allerdings ist ein Vorziehen dieser Aufrüstungspläne keineswegs ausgeschlossen. In den vergangenen Jahren hat der Kreml seine außen- und sicherheitspolitischen Ambitionen deutlich erhöht. In Syrien hat sich die russische Führung einen Flottenstützpunkt im Mittelmeer gesichert, auf Gleiches hofft sie nun in Libyen.

    Die Grundpläne für den Flugzeugträger sind nicht neu: Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs wollte die Sowjetunion mit diesem Ungetüm das Gleichgewicht im Wettrüsten auch zu Wasser wiederherstellen. Der Flugzeugträger „Admiral Uljanowsk“ sollte den nuklearen US-Flugzeugträgern der „Nimitz-Klasse“ (benannt nach dem ersten Träger dieser Art, der 1975 in Dienst gestellten USS „Nimitz“) Paroli bieten.

    Doch die sowjetischen Militärs verspäteten sich mit der Planung. Das Kriegsschiff wurde zwar 1988 noch auf der Kriegswerft im heute ukrainischen Mykolajiw aufgelegt, doch nach dem Zerfall der Sowjetunion hatten weder die Ukraine noch Russland Geld und Verwendung für den Flugzeugträger. 1992 zerlegten die Schiffbauer den Korpus wieder, und das Projekt landete auf dem Müllhaufen der Geschichte.

    Mit der Planung des neues Flugzeugträgers wird das Projekt zumindest teilweise wiederbelebt. Einer Meldung der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge soll die „Admiral Uljanowsk“ als Vorlage für den neuen Flugzeugträger dienen.

    Erfahrung mit Atomantrieben

    Bei aller Liebe und Rückbesinnung auf glorreiche Sowjetzeiten wird die russische Rüstungsindustrie nicht den Fehler machen, den Flugzeugträger detailgetreu seinem mehr als 30 Jahre alten Vorbild nachzubauen. Genutzt werden können wohl Berechnungen zum Korpus des Schiffs, ansonsten wird der Flugzeugträger nach dem neuesten Stand der Militärtechnik gebaut und darf damit getrost als neues Projekt eingestuft werden.

    Das dürfte auch den Antrieb betreffen. Beim Atomantrieb will die Flotte bleiben, doch die Konstruktionen dürften absolut neu sein. Schließlich haben die Werften in den letzten Jahren beim Bau von Atom-Eisbrechern reichlich Erfahrung gesammelt.

    „Das technische Projekt und die Dokumentation, nach der auf der Schwarzmeer-Werft in Mykolajiew Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre die Arbeit an der „Uljanowsk“ ausgeführt wurden, werden bei der Schaffung eines neuen russischen Flugzeugträgers dienen“, zitiert Tass eine anonyme Quelle aus der russischen Schiffbau-Industrie. Daneben sollen aber auch die Erfahrungen, die der deutlich kleinere Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ im Syrien-Einsatz gesammelt hat, berücksichtigt werden.

    Die „Admiral Kusnezow“ ist der derzeit einzige Flugzeugträger Russlands überhaupt. Das 1985 vom Stapel gelaufene Kriegsschiff ist mit einer Wasserverdrängung von 60.000 Tonnen allerdings deutlich kleiner als der geplante Neubau. Zudem wird die „Kusnezow“ – wenn sie denn mal fährt – nur von konventionellen Dampfturbinen und -kesseln angetrieben.

    Seit 2017 ist sie wegen andauernder Reparatur- und Modernisierungsarbeiten, die sich nach einem Brand im Dezember 2019 wohl noch bis 2022 hinziehen werden, in der Werft.

    Eine Bestätigung der Berichte über den Neubau ist nicht zwingend notwendig. Immerhin werden Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben seit einigen Jahren nicht mehr detailliert aufgelistet, seit Wladimir Putin diesen gesamten Komplex im Etat als streng vertraulich eingestuft hat. Bekannt ist nur, dass zwischen 2019 und 2021 etwa 30 Prozent der Haushaltsausgaben für Verteidigungs- und Sicherheitszwecke fließen. Das erinnert stark an die Zeit des Kalten Kriegs.

    Technisch könnte die russische Flotte mit dem neuen Flugzeugträger Amerika sicher das Wasser reichen. Quantitativ sind die USA aber weiter vorn. Schließlich betreiben sie zehn Flugzeugträger der „Nimitz-Klasse“. Und auch China hat inzwischen einen eigenen atomgetriebenen Flugzeugträger gebaut.

    Mehr: Merkel sucht beim Treffen in Moskau Putins Unterstützung.

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