Ukraine-Krieg: Witkoff hat Moskau offenbar zum Umgang mit Trump beraten
Washington. Gerade erst hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, dass sich der Friedensplan für die Ukraine auf der Zielgeraden befindet, da sorgt ein Bericht für weitere Spekulationen über die Nähe zwischen den USA und Russland bei den Verhandlungen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, soll Trumps Sondergesandter Steve Witkoff Russland beraten haben, um den US-Präsidenten von dem Friedensplan zu überzeugen.
Dies soll nach Angaben der Agentur aus einem mitgeschnittenen Telefongespräch vom 14. Oktober zwischen Witkoff und Putins ranghöchstem außenpolitischem Berater, Juri Uschakow, hervorgehen. Russland steht ohnehin im Verdacht, große Teile des 28-Punkte-Friedensplans, den Witkoff in geheimen und bilateralen Verhandlungen Ende Oktober in Miami erarbeitet hat, selbst verfasst zu haben.
» Lesen Sie auch: Das ist Trumps neuer Dealmaker im Ukraine-Krieg
Zusätzliche Brisanz erhält der Bericht dadurch, dass Trump kurz vor der Bloomberg-Veröffentlichung eine neuerliche Reise seines Sondergesandten nach Moskau angekündigt hatte. Es gehe darum, letzte strittige Punkte zum Friedensplan zu verhandeln. „Es gebe nur noch wenige solcher Punkte“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Einen konkreten Zeitpunkt für die Gespräche nannte Trump nicht.
Am Dienstagabend nahm der US-Präsident seinen Sondergesandten in Schutz gegen den Vorwurf, dieser agiere im Ringen um eine Friedenslösung im Ukrainekrieg zu russlandfreundlich. „Das ist eine ganz normale Sache“, sagte der Republikaner während eines Flugs nach Florida.
Bloomberg liegt nach eigenen Angaben die Aufnahme des Telefongesprächs vor. Dabei habe Witkoff Bezug auf das Friedensabkommen für den Gazastreifen genommen. Er habe Uschakow vorgeschlagen, gemeinsam an einem ähnlichen Plan für die Ukraine zu arbeiten. Russlands Machthaber Putin solle das gegenüber Trump zur Sprache bringen.
Uschakow bestreitet Telefonat nicht
Witkoff empfahl Uschakow laut Bloomberg, dass Putin noch vor einem damals geplanten Treffen zwischen Trump und Selenskyj mit dem US-Präsidenten reden sollte. „Selenskyj kommt am Freitag ins Weiße Haus“, sagte Witkoff demnach. „Ich werde daran teilnehmen, weil sie mich dort haben wollen, aber ich denke, wenn möglich, sollten wir vor diesem Treffen am Freitag mit Ihrem Chef telefonieren.“ Uschakow fragte Witkoff dem Bericht zufolge, ob es „sinnvoll“ wäre, wenn Putin Trump anrufen würde. Witkoff soll das bejaht haben.
Eine Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, bestätigte den Eingang einer Anfrage um Stellungnahme von Bloomberg, reagierte jedoch nicht umgehend.
Von russischen Staatsmedien zu dem Bericht befragt, stellte Uschakow die Authentizität der Abschrift nicht in Frage, erklärte aber, dass die Gesprächsinhalte nicht von Moskau durchgestochen worden seien. Das Ziel der Weitergabe der Äußerungen sei mutmaßlich, die Beziehungen zwischen den USA und Russland zu beeinträchtigen.
Witkoff empfahl laut Bloomberg zudem, Putin solle Trump zum Friedensabkommen für Gaza gratulieren. „Ich finde, Folgendes wäre großartig“, sagte Witkoff demnach. „Vielleicht sagt er zu Präsident Trump: ‚Wissen Sie, Steve und Jurij haben einen sehr ähnlichen 20-Punkte-Plan für den Frieden diskutiert, und das könnte etwas sein, von dem wir glauben, dass es die Situation ein wenig verändern könnte. Wir sind offen für solche Dinge.‘“ Uschakow soll in dem Gespräch einige Ratschläge befürwortet haben.
Wenige Tage später telefonierten Trump und Putin tatsächlich. Trump sprach daraufhin von einem „sehr produktiven“ Gespräch, Putin habe ihm zum Gazaabkommen gratuliert. Trump soll den ukrainischen Präsidenten Selenskyj bei dessen Besuch schließlich dazu gedrängt haben, die russischen Bedingungen für ein Ende des Krieges in der Ukraine zu akzeptieren.