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US-Wahl„Sehr guter Austausch“ – Macron lobt sein Verhältnis zu Trump

Emmanuel Macron sucht frühzeitig den Kontakt zum nächsten US-Präsidenten, um den eigenen Einfluss in der EU zu stärken. Das dürfte nicht allen europäischen Kollegen gefallen.Gregor Waschinski 07.11.2024 - 11:00 Uhr Artikel anhören
Donald Trump mit Ehefrau Melania in Paris 2017: Emmanuel Macron lobt den sehr guten Austausch nach der US-Wahl. Foto: REUTERS

Paris. Emmanuel Macron war einer der ersten ausländischen Anrufer beim US-Wahlsieger Donald Trump: Der französische Staatschef habe mit Trump am Mittwochabend einen „sehr guten Austausch“ gehabt, hieß es aus Regierungskreisen in Paris. Bei dem rund 25-minütigen Telefonat hätten beide ihren Willen bekundet, bei den „großen internationalen Krisen“ gemeinsam „an der Rückkehr von Frieden und Stabilität zu arbeiten“.

Macron betonte den Angaben zufolge dabei „die Bedeutung der Rolle Europas“. Das Gespräch sei auf Initiative des Franzosen zustande gekommen. Schon unter den Gratulanten war der französische Präsident ganz vorn dabei. Er hatte seine Glückwunschbotschaft am Morgen im Internet veröffentlicht, als der Trump-Sieg noch gar nicht offiziell war.

Macron beansprucht gegenüber Washington die Führungsrolle in der EU. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) fällt nach dem Platzen der Ampelkoalition aus, ohnehin ist das Verhältnis zwischen Trump und Deutschland stark belastet.

Der französische Staatschef glaubt dagegen, dass er als Emissär der Europäer einen halbwegs verlässlichen Draht zum nächsten amerikanischen Präsidenten aufbauen kann, den er noch aus dessen erster Amtszeit kennt. Zugleich sieht er in der EU den Moment für seine Idee einer „europäischen Souveränität“ gekommen, also für ein selbstbewussteres Auftreten gegenüber den USA in der Sicherheits- und Handelspolitik.

„Macron ist einer der wenigen Anführer des Kontinents, der sich darauf berufen kann, eine persönliche Beziehung zu Trump zu haben“, erklärt Martin Quencez vom Thinktank German Marshall Fund. Der französische Präsident werde versuchen, diese „als Hebel zu benutzen, um sich im Zentrum des europäischen Spiels zu platzieren“.

In Handelskonflikt nicht so verwundbar

Doch diese Rolle dürften auch andere Staats- und Regierungschefs in der EU beanspruchen, allen voran die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und der Ungar Viktor Orbán. Meloni rief ebenfalls noch am Mittwoch bei Trump an. In dem Telefonat sei es um die Vertiefung der „historischen Freundschaft“ zwischen Rom und Washington und die Zusammenarbeit „bei allen großen internationalen Dossiers“ gegangen, schrieb sie auf der Onlineplattform X.

Macron ist nach der Niederlage bei der Parlamentswahl im Sommer innenpolitisch geschwächt und hat keine direkte Kontrolle mehr über die Regierung. Allerdings ist er als Staatschef in der französischen Verfassungstradition für Außen- und Sicherheitspolitik zuständig. Macrons zweite Amtszeit geht bis 2027. Als Ansprechpartner in Europa bliebe er Trump also noch eine Weile erhalten.

Nach seinem Einzug in den Élysée-Palast 2017 hatte Macron im Umgang mit Trump auf strategischen Charme gesetzt. Damals lud er den US-Präsidenten zum Abendessen auf dem Eiffelturm ein und hofierte ihn bei der Militärparade zum Nationalfeiertag am 14. Juli. Später gerieten die beiden Spitzenpolitiker aber auch aneinander, vor allem in der Handels- und Klimapolitik sowie beim Atomabkommen mit dem Iran.

Für Paris bestätigt die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu reduzieren.
Martin Quencez, Politikwissenschaftler

Trumps Worte gegenüber Frankreich fallen dennoch milder aus als gegenüber Deutschland. Der Republikaner nannte Macron wiederholt einen „netten Kerl“, der sich für die Interessen der französischen Nation einsetze. Allerdings machte er auch deutlich, wer in der Beziehung den Ton angibt.

Gern erzählte Trump im Wahlkampf davon, wie er einst seinen Kollegen in Paris angerufen habe, um eine Steuer für amerikanische Tech-Konzerne abzuwenden. In dem Telefonat habe er US-Strafzölle von 100 Prozent unter anderem auf Champagner angedroht, das habe Macron dann überzeugt.

Sollte es doch zu einem Handelskrieg zwischen der EU und Trumps USA kommen, wäre Frankreich nicht so stark betroffen wie Deutschland, lediglich bei Luxusgütern ist die französische Wirtschaft verwundbar. Außerdem treibt auch Paris die Sorge um, was mit der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine im Krieg gegen Russland passiert. Macron fordert eine Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Europas und gemeinsame Rüstungsinvestitionen.

Emmanuel Macron (rechts) mit Donald Trump beim G7-Gipfel 2019: Während Trumps erster Amtszeit gerieten die beiden Politiker mehrfach aneinander. Foto: Michael Kappeler/dpa

„Für Paris bestätigt die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu reduzieren“, so Experte Quencez. Seit Jahren wirbt Macron dafür, dass sich die EU als eigenständige Macht zwischen den USA und China positionieren müsse. In einer Grundsatzrede an der Pariser Universität Sorbonne warnte er im Frühjahr vor der „Sterblichkeit Europas“, sollte sich der Kontinent nicht an neue Gegebenheiten anpassen.

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Am Mittwochmorgen beriet Macron mit Scholz am Telefon über die Lage nach dem Wahlsieg von Trump. Der französische Präsident erklärte anschließend, er wolle mit dem Kanzler auf „ein geschlosseneres, stärkeres und souveräneres Europa“ hinarbeiten. Auch Scholz forderte, dass die EU nun „eng zusammenstehen“ müsse.

Das war allerdings vor dem Krisentreffen am Mittwochabend im Kanzleramt, das mit dem Bruch der Ampelkoalition und der Aussicht auf Neuwahlen endete. Das Ende des deutschen Regierungsbündnisses fiel zeitlich ziemlich genau mit Macrons Trump-Telefonat zusammen.

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